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Sport Wintersport
09/17/2021

KAC-Manager vor Liga-Start: "Ich vergleiche uns oft mit Rapid"

Der Klagenfurter Pilloni wurde von den Spielern zum besten Manager der Liga gewählt. Das Interview vor dem Auftakt gegen die Capitals.

von Peter Karlik

Mit einer dreijährigen Unterbrechung ist Oliver Pilloni seit 2007 Manager des KAC. Mit Kontinuität, Nachwuchsarbeit und der Arbeit an der Mentalität haben es die Klagenfurter geschafft, die beiden Meisterschaften vor und nach der Corona-Absage zu gewinnen und die Titelanzahl auf 32 zu schrauben. Im Interview beschreibt der 55-jährige Klagenfurter, die Gründe, warum der KAC nicht nur zum Auftakt gegen die Vienna Capitals (19.35 Puls24) Favorit ist, sondern auch auf die Meisterschaft.

KURIER: Wenn man auf die jüngere Vergangenheit des KAC blickt, dann kann es mit zwei Meistertiteln und den Leistungen in der Champions League nicht viel besser laufen, oder?

Oliver Pilloni: Im Sport ist es immer eine Momentaufnahme. Ich vergleiche uns oft  mit Rapid. Da wird auch erwartet, dass du jede Partie gewinnst. Aber wir bewerten Dinge intern anders, weil wir langfristig denken. Ein Beispiel: Als wir vor zwei Jahren gegen Linz im Play-off 0:3 hinten waren, haben viele gesagt, der Trainer gehört getauscht. Wir haben aber gesehen, dass wir laut unseren Statistiken eine bessere Saison gespielt haben als im Meisterjahr. 

Der KAC war viele Jahre jener Klub, bei dem der Trainer keinen Wintermantel gebraucht hat, weil er vorher gefeuert wurde. Petri Matikainen geht in seine vierte Saison beim KAC. Was hat sich geändert? 

Wir  haben unsere Philosophie geändert, weil wir eine sportliche Ausrichtung haben, die der Trainer erfüllen muss. Wir Österreicher müssen eine eigene Philosophie finden, wir sind nicht in Kanada, Schweden oder Tschechien.  Und Matikainen hat sich auch weiterentwickelt. In der vergangenen Saison wusste er, dass er gewisse Sachen, wie seine Ansprache,  ändern musste.

Diese Änderungen waren notwendig, weil es in der Mannschaft personell kaum Änderungen gab?

Ja, damit noch mehr von der Mannschaft selber kommt. In der vergangenen Saison haben viele gesagt, wir haben mit den wenigen Ausländern alles richtig gemacht. Aber da muss ich vor der Mannschaft meinen Hut ziehen, weil das haben die Spieler selbst geschafft. Da sieht man, was entstehen kann, wenn sie zusammenhalten und sich gegenseitig pushen. 

Es wird oft von der Siegermentalität beim KAC gesprochen. Was macht diese aus?

Sehen wir uns den Thomas Koch an. Der ist mit seinen 38 Jahren einer der Top-Center in der Liga, weil er immer noch härter arbeitet als andere. Anderes Beispiel: Der Trainer hat in der vergangenen Saison frei gegeben. Ich komme in die Halle und die gesamte Mannschaft ist auf dem Eis. Sie haben sich das Training selbst organisiert. Als Verantwortlicher siehst du es natürlich gerne, dass niemand Dienst nach Vorschrift macht.

Ist diese Mentalität eine Stärke der Führungsspieler?

Es tragen da auch die Jungen viel dazu bei. Natürlich haben wir einen Kern von Spielern, die wissen, wie man gewinnt.  Zum Beispiel sagt man zu mir seit Jahren, jetzt sollte ich mal die Geier-Brüder austauschen. Im Vorjahr im Finale waren dann Spieler wie ein Fraser nervös. Dann gehe ich zum Geier und frage ihn. Er sagt nur ’Alter, des ist mein achtes Finale. Warum sollte ich nervös sein? Ich freue mich darauf’. Das sind Werte, die mir wichtig sind. 

Wie sicher kann diese Saison geplant werden?

Es kommt immer wieder von der Politik die Information, dass es für Geimpfte keine Einschränkungen mehr geben wird. Wenn das einmal offiziell bestätigt werden würde, wäre es ein Vorteil. Ich glaube schon, dass früher oder später die 1-G-Regel kommen wird. 

Wie ist der Fanzuspruch nach den vielen Geisterspielen in der vergangenen Saison?

Im ersten Moment war ich über die 1.600 in der Champions League negativ überrascht. Aber es ist ja auch kein Wunder. Die Leute müssen sich an die Nähe erst wieder gewöhnen. ich steige auch nicht in einen Lift ein, wenn schon zwei Leute drinnen stehen. Wir haben ein Abo aufgelegt, das vorerst nur die ersten Spiele umfasst. Da liegen wir bei zirka 2.500.

Es gab in den vergangenen Tagen Aufregung, weil Spieler auf Drängen der neuen Gewerkschaft  einen Haftungsverzicht im Rahmen des Covid-Konzepts nicht unterschrieben wollten. Beim KAC haben alle unterschrieben?

Ja, aber ich habe sie schon noch gefragt, ob ich die Unterschriften abgeben soll. Ich habe diese Diskussion nicht verstanden. Die Gewerkschaft wollte, dass wir Fahrlässigkeit aus dem Verzicht herausnehmen. Ich war immer der Gewerkschaft positiv gegenüber eingestellt. Aber wenn sie da die Spieler für irgendwas instrumentalisieren wollen, dann finde ich das falsch.  (Anmerkung: Mittlerweile  haben alle Vereine die Unterschriften abgegeben).

Stimmt es, dass der KAC die Gehälter in der Corona-Saison nicht kürzen musste?

Wir haben im Vorfeld  ausgemacht, dass ich die Gehälter erst dann kürze, wenn ich weiß, wie viel Entgang ich habe. Danach haben wir die Verluste ausgeglichen bekommen und die Spieler haben alles bekommen.

In einer Umfrage der Spieler-Gewerkschaft wurden Sie mit 53 Prozent der Stimmen zum besten Manager der Liga gewählt. Also auch von Spielern anderer Klubs. Bedeutet Ihnen das etwas?

Vielleicht kommt es mir zugute, dass ich selber gespielt habe. Ich versuche, mich in die Spieler hineinzuversetzen und fair zu sein. Oft wird uns vorgehalten, dass wir die Spieler mit Geld zuschütten. Das glaube ich nicht. Sie verdienen gut, keine Frage. Aber wenn es andere Angebote gibt, bin ich niemandem böse. Bis jetzt ist niemand weggegangen. Sie sehen schon, was sie bei uns haben. 

In der Liga hat es erstmals Transfers von Österreichern gegeben, die der alte Klub behalten wollte, konkret Wukovits und Nissner von den Capitals zu Salzburg. Wird damit an der Gehaltsspirale gedreht?

Ich verstehe natürlich den Frust in Wien, weil sehr viel in den Nachwuchs investiert wurde. Sie haben sehr viel aufgebaut und dann gehen die Spieler weg. Das ist aber auch legitim. Dem Spieler kann man nicht böse sein. Aber der Spieler muss auch schauen, welche Rolle er bekommt. Man muss sich aber die Frage stellen, warum nur ein paar Klubs Nachwuchsarbeit machen. Das kostet Geld... Deshalb gehört das Ausbildungskonzept, das seit langem beim Verband in der Schublade liegt, endlich umgesetzt.

Zahlt sich die Nachwuchsarbeit derzeit also nicht aus?

Wir hatten die Diskussion auch: Statt des Farmteams  könnte ich mit zwei zusätzlichen Top-Ausländern spielen. Aber wir sehen es als unsere Aufgabe Nachwuchsarbeit zu machen und die Kinder von der Straße wegzubekommen. Aber natürlich ist es ein Problem, dass sehr gute Österreicher mehr verdienen als gleichwertige Ausländer.

Sie waren auch für die Nachwuchsligen der damaligen EBEL zuständig. Wie fällt der Vergleich mit den anderen Nationen aus?

Ein Problem ist in Österreich, dass ein guter U14-Spieler die ganze Woche beim Training fehlen kann und dann am Wochenende trotzdem spielt, weil der Trainer gewinnen will. In Kanada gibt es so einen Druck, dass du weg bist. Aber im Nachwuchs interessiert mich das Gewinnen nicht. Als ich noch für die Nachwuchsliga gearbeitet habe, war ich beim U20-Finale zwischen Laibach gegen Fehervar. Bei Laibach war der beste Spieler auf der Tribüne. Er hat laut Trainer mit einer schlechten Einstellung trainiert. Das ist Erziehung. Und dann wundern wir uns, dass ein kleines Land wie Slowenien ständig gute Spieler entwickelt. Sie haben eine ganz andere Einstellung. Talent ist eine Komponente, die andere ist die Mentalität.

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