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Sport Wintersport
10/26/2019

Erstes Rennen nach Hirscher: "Die Erwartungen sind nicht so groß."

Nach dem Rücktritt des Superstars rückt Manuel Feller ins Rampenlicht. Der Tiroler hat das Zeug zum Publikumsliebling.

Wenn man Andreas Puelacher so richtig auf die Nerven gehen möchte, dann präsentiert man ihm eine bereinigte Nationencup-Wertung aus dem letzten Winter. Ohne die 1.546 Punkte von Superstar Marcel Hirscher, so hat ÖSV-Sportdirektor Anton Giger errechnet, wäre die Skination Nummer eins nur an zweiter Stelle gelandet. Hinter dem Erzrivalen Schweiz.

Herren-Chefcoach Puelacher ist kein Freund solcher Rechenspiele. Noch weniger hält er davon, den erfolgreichen Zeiten nachzutrauern und voreilig magere Jahre heraufzubeschwören. Nur weil Marcel Hirscher jetzt nicht mehr dabei ist.

Große Hysterie

Die Hysterie und die Panik nach dem Rücktritt des achtfachen Gesamtweltcupsiegers nahmen zuletzt teilweise schon bizarre Züge an. Manchmal konnte man fast schon den Eindruck bekommen, dass Österreich ohne Marcel Hirscher plötzlich zu einem Ski-Niemandsland degradiert werden würde.

Hat sich Mikaela Shiffrin, die mit dem Skieur d’Or ausgezeichnet wurde, darüber beklagt, dass sie nun mehr unter Druck steht, weil Landsfrau Lindsey Vonn ihre Karriere beendet hat? Hat irgendwer Henrik Kristoffersen jammern gehört, weil der große Aksel Lund Svindal in Rennläufer-Rente ist und er nun die norwegischen Erfolge einfahren muss? Sind die deutschen Skifans in kollektive Depression verfallen, weil Schmähbruder Felix Neureuther jetzt nur noch als TV-Experte zu den Rennen kommt?

Großer Verlust

Es ist nach der letzten Saison ja nicht nur Marcel Hirscher abgetreten. Mit Vonn, Svindal, Neureuther und dem Salzburger verliert der Sport vier Athleten, die gemeinsam 198 Weltcupsiege und 14 Gesamtweltcupsiege gefeiert sowie 43 Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gewonnen haben.

Damit hat der Skisport neben Winnertypen auch Persönlichkeiten verloren, aber wie hat ÖSV-Chefcoach Andreas Puelacher gegenüber seinen Athleten doch gleich gemeint? „Der König ist tot, es lebe der König.“ Oder anders formuliert: „Wir haben ein starkes Team, jeder Läufer hat jetzt die Möglichkeit, aus Marcels Schattens zu treten.“

Es war vor dem Saisonauftakt in Sölden oft von Hirschers Fußstapfen und möglichen Nachfolgern die Rede, doch damit tut man den aktuellen Rennläufern keinen großen Gefallen. „Diese Fußstapfen sind mir zu groß, ich bleibe lieber bei meinen Schuhen“, sagt Manuel Feller, „man kann nicht erwarten, dass wir das jetzt so einfach übernehmen.“

Und auch ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel stimmte die erfolgsverwöhnten österreichischen Ski-Fans schon einmal auf einen frostigeren Winter ein: "Das ist keine einfache Zeit, die Erwartungen sind nicht so, so groß."

Wobei gerade Manuel Feller das Zeug zum Publikumsliebling hat. Mit seinem wilden Fahrstil, der wallenden Mähne und dem Retro-Schnauzer sticht der Tiroler schon allein optisch aus der Masse heraus. Auch mit seinen Statements und den Social-Media-Aktionen unterscheidet er sich von den Kollegen. Schon allein deshalb würde man sich wünschen, dass der Fieberbrunner endlich den Schritt zum Siegläufer macht.

Großartiger Typ

Manuel Feller ist einer, der sagt, was er sich denkt, und der zeigt, wie er sich gerade fühlt. Dann kann es schon passieren, dass er wie zuletzt auf Instagram ein Foto postet, auf dem er demonstrativ beide Mittelfinger in die Höhe reckt. „In der heutigen Gesellschaft ist es fast nicht möglich, nicht anzuecken“, sagt der Technik-Spezialist. „Aber was die anderen denken, ist mir egal.“

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Nach der Absage von Marco Schwarz, für den ein Start in Sölden nach einem Kreuzbandriss noch zu früh kommt, steht Manuel Feller beim Saisonauftakt am Sonntag im Fokus. Aber er sieht sich deshalb noch lange nicht in der Pflicht. „Ich werde jetzt sicher nicht am Start stehen und sagen: ,Ich muss heute gewinnen, weil einige Millionen Leute in Österreich das so wollen.‘ Das wird so nicht funktionieren.“

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