SKI ALPIN: MEDIENTAG ATOMIC 2019: SHIFRIN (USA)

© APA/BARBARA GINDL / BARBARA GINDL

Sport Wintersport
10/19/2019

Rekordfrau Mikaela Shiffrin: Der letzte Star im Ski-Weltcup

Die 24-jährige US-Amerikanerin ist nach der Rücktrittswelle der letzte große Star – und ein echter Segen für den Skisport.

von Christoph Geiler

Als ein skandinavisches Unternehmen vor einigen Monaten 80 Kinder und Jugendliche nach ihrem erklärten Liebling unter den Skifahrern befragen ließ, fiel die Antwort eindeutig aus: Ohne Ausnahme nannten alle den Namen Mikaela Shiffrin.

Der österreichische Rekordmann Marcel Hischer, der bayrische Schmähbruder Felix Neureuther, der norwegische Sympathieträger Aksel Lund Svindal, die US-Skidiva Lindsey Vonn – sie alle machten gegen Mikaela Shiffrin keinen Stich.

Neue Rollenverteilung

Anekdoten wie diese verbreiten sich gerade in Windeseile auf den Pisten des Rettenbachferners in Sölden, wo heute in einer Woche die Weltcupsaison startet. Die 80 skandinavischen Kinder und Jugendlichen sind das beste Gegenargument in Richtung aller Pessimisten und Nörgler, die nach den Rücktritten von Vonn, Svindal, Neureuther und Hirscher bereits das Ende des alpinen Skiweltcups heraufbeschwören.

Immer wieder war in den vergangenen Wochen zu hören: Wer, bitteschön, soll sich jetzt noch für diesen Sport interessieren? Und wo, um alles in der Welt, sind die Stars und Persönlichkeiten, die in diese Fußstapfen treten können?

Natürlich hat auch Mikaela Shiffrin die kritischen Stimmen vernommen. Doch die 24-jährige Amerikanerin, Frohnatur, wie sie nun einmal ist, sieht in den Rücktritten der Ski-Helden weniger ein großes Problem als vielmehr eine kleine Chance. "Natürlich wird jetzt niemand die Rolle so übernehmen können, wie sie Marcel Hirscher eingenommen hat. Sondern die neue Generation wird diese Lücke auf ihre Art und Weise füllen. Und es kommen immer wieder neue Leute nach."

Lange Erfolgsliste

Es passt zum Naturell von Mikaela Shiffrin, dass sie zuallererst einmal auf ihre Kollegen verweist, wenn es um die Gegenwart und die Zukunft des Skisports geht und nicht sich selbst ins Spiel bringt. Dabei ist vor allem sie es, auf der die Blicke, die Hoffnungen und wohl auch ein wenig die Verantwortung ruhen. Jetzt noch mehr als bisher. Und das mag etwas heißen, denn Shiffrin steht praktisch permanent im Scheinwerferlicht, seit sie 2012 im Alter von 17 ihr erstes Weltcuprennen gewonnen hat. In den sieben Jahren sind 59 weitere Weltcupsiege, zwei olympische Goldmedaillen, fünf WM-Titel und drei große Kristallkugeln hinzugekommen.

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Große Aufmerksamkeit

Damit ist Mikaela Shiffrin die erfolgreichste Skiläuferin, die noch aktiv ist – 60 Weltcupsiege bedeuten Rang fünf in der ewigen Bestenliste – und, wenn man so will, auch die Letzte ihrer Art: der letzte Superstar, der dem Skisport nach der jüngsten Rücktrittswelle geblieben ist.

Die 24-Jährige hat schon mitgekriegt, dass das Rampenlicht über den Sommer etwas greller geworden ist und sie noch mehr im Fokus steht. "Aber ich glaube nicht, dass das mit dem Rücktritt von Marcel Hirscher zusammenhängt", erzählt Shiffrin, "eher damit, dass mein letzter Winter so großartig war und dadurch vor allem in den Vereinigten Staaten das Interesse am Skisport noch einmal zugenommen hat."

Historischer Rekord

Ihr Rekord von 17 Weltcupsiegen in einer Saison brachte ihr viele Schlagzeilen. Für noch mehr Publicity sorgte allerdings Shiffrins Bestmarke im Preisgeld-Ranking: Noch nie zuvor war es einem Skiläufer gelungen, die Eine-Million-Franken-Marke zu knacken (Anm.: das Preisgeld der FIS wird in Franken ausbezahlt).

  • Karriere

Mikaela Shiffrin (*13. März 1995 in Vail) gilt schon jetzt als eine der erfolgreichsten Rennläuferinnen der Ski-Geschichte. Die Amerikanerin war noch 15, als sie im März 2011 in Špindlerův Mlýn ihr Weltcup-Debüt feierte, bereits damals wurde sie von Mama Eileen, die auch ihre Trainerin ist, zu den Rennen begleitet. 

  • Rekorde

Die 24-Jährige hält die Bestmarken für die meisten Weltcupsiege im Slalom (40), die meisten Siege in einer Saison (17) und vier WM-Titel in Serie (2013 bis 2019 im Slalom). Sie ist Doppel-Olympiasiegerin, fünffache Weltmeisterin, dreifache Gesamt- Weltcupsiegerin und hat in allen sechs Bewerben gewonnen.

Pionierleistungen wie diese werden auch in den USA registriert – und gebührend gewürdigt: Mikaela Shiffrin war Gast bei Kult-Talkmaster Jimmy Fallon, ihr Gesicht ziert das aktuelle Cover des Outside-Magazins, bei sämtlichen wichtigen Sportpreisen, die in den USA vergeben werden, steht der Skistar auf der Liste der Nominierten.

Gefragte Frau

Nachvollziehbar, dass Mikaela Shiffrin auch als Werbetestimonial eine gefragte Frau ist. "Ein Skifahrer ist normal nicht in der Situation, dass er sich die Sponsoren aussuchen kann. Sie hingegen kann es", erklärt Kilian Albrecht. Der ehemalige Weltcupläufer aus Vorarlberg ist seit Jahren als Manager an Shiffrins Seite, die Nummer eins im Skisport spielt auch bei den Sponsordeals (u. a. Barilla, Longines, Visa) in der höchsten Liga.

Für den Skisport, der global gesehen ohnehin nur ein Nischenprodukt ist, ist diese Mikaela Shiffrin ein echter Segen. Zumal sie trotz ihrer Erfolge nicht den Eindruck erweckt, sich auf den Lorbeeren ausruhen zu wollen. "Ich bezweifle, dass ich wieder 17 Rennen in einer Saison gewinnen kann. Das ist eigentlich nicht zu toppen", sagt sie vor dem Riesentorlauf in Sölden. "Andererseits: Ich hab’s schon einmal gemacht, jetzt weiß ich, dass es möglich ist. Und ich denke, ich habe mich noch einmal verbessert."

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