Boni kehrt zu den Capitals zurück.

© Agentur Diener/DIENER / Philipp Schalber

Eishockey
02/23/2015

Jim Boni übernimmt die Vienna Capitals

Der Meistermacher von 2005 kehrt nach Wien zurück.

von Peter Karlik

Jim Boni ist ein Vollprofi. Er weiß ganz genau, was Präsident, Manager, Fans und Journalisten hören wollen. "Die Capitals sind mir eine Herzensangelegenheit. Als Franz (Anm. Manager Kalla) angerufen hat, habe ich nicht lange überlegt. Ich will diesem Klub etwas zurückgeben", sagte er am Montag bei seiner Präsentation. Was für eine Liebeserklärung.

Der mittlerweile 51-jährige und um zehn Kilo schwerere Italo-Kanadier folgt auf Tom Pokel, der am Sonntag Vormittag seinen Arbeitsplatz bei den Capitals räumen musste. Boni springt zum zweiten Mal in Wien ein. 2003 tat er das, nachdem Kurt Harand vorzeitig als Trainer gehen musste. Boni führte damals den Nachzügler noch auf Rang fünf und ein Jahr später zum Meistertitel – der bislang einzige für ein Wiener Team seit 1962.

Nach der Präsentation am Montag zu Mittag in der Albert-Schultz-Halle ging es vor den Computer. „Jetzt sehe ich mir mal zehn, elf Stunden Video-Material an.“ Müde nach dem langen Flug von Toronto nach Wien war er nicht: „Ich bin voll Energie. Ich brauche kein Red Bull.“

Beim Auswärtsspiel am Dienstag in Znaim wird er zwar auf der Bank stehen, aber „ich will einfach nur beobachten. Zum Beispiel die Körpersprache“. Coachen werden Assistent Phil Horsky und Unter-18-Trainer Christian Dolezal.

Auch wenn er die Aufgabe "nur deshalb angenommen hat, weil es eine große Herausforderung" ist, kann er seinen Optimismus nicht lange verbergen. "Es wird schwer, aber wir haben gute Einzelspieler. Es ist klar, was eine Mannschaft braucht, um erfolgreich zu sein: einen guten Tormann. Ich bin überzeugt, Matt Zaba ist einer der besten in der Liga. Wenn nicht sogar der beste."

Trügerisches Potenzial

Kopf schütteln musste Boni, als er gehört habe, dass die Mannschaft Potenzial habe. „Das ist das schlimmste Wort im Profisport. Das bedeutet, dass du bisher nichts erreicht hast.“

Ob der Meistermacher von 2005 auch 2015 eine Meisterprämie im Vertrag hat? „Na sicher“, sagte Boni selbstbewusst. Nach dem Dienstag-Spiel in Znaim geht es am Freitag gegen Salzburg und am Sonntag gegen Villach jeweils in Wien weiter.

Time-Out: Den Capitals fehlt etwas anderes als ein Trainer

Tommy Samuelsson, Tom Pokel, Jim Boni, Phil Horsky, ... egal, wer bei den Vienna Capitals heute, morgen oder übermorgen an der Bande steht, dem Klub fehlt etwas ganz anderes als ein Trainer von Format: ein Sportdirektor.

Dieser hätte in den letzten Wochen und Monaten dem Trainer viel Druck nehmen können. Weshalb muss immer der Coach erklären, warum die Spieler das leere Tor nicht treffen. Oder warum Leistungsträger wie Fraser, Foucault und MacArthur zu dritt einen ungarischen Spieler an der Bande nicht stoppen können, und dieser fünf Sekunden vor der Schlusssirene das 2:3 erzielt. Wenn man will, dass der Trainer das schwächste Glied in der Kette des Klubs ist, dann organisiert man den Verein so wie die Vienna Capitals.

Die Wiener tun gut daran, mit einem Sportdirektor ihre sportliche Kompetenz zu erweitern. Dann wären sie auch nicht immer auf Schnäppchen auf dem Transfermarkt angewiesen. Der Sportdirektor könnte Spieler beobachten und verpflichten, wenn der Trainer noch im Stress im Kampf um das Play-off ist. Denn in dieser Zeit werden die Schlüsselspieler für die kommende Saison geholt. Nicht danach. Im Sommer kann man nur noch Glück bei den Legionären haben, wenn man nicht echte Stars um teures Geld holen kann oder will. Doch die Geschichte der letzten Jahre zeigt, dass meist jene Teams erfolgreich waren, die die beste Gruppe an Österreichern hatten. Und der Sportdirektor muss manchmal auch entgegen den kurzfristigen Interessen des Trainers langsfristige Entscheidungen treffen (wenn zum Beispiel ein junger Spieler aufgebaut werden muss).

Ein weitere Entwicklung vor der sich die Klubführung in Wien in Acht nehmen muss, ist die „KACisierung“. Beim KAC wussten in den letzten Jahren die Spieler, sie müssen nur oft genug verlieren, dann ist ein ungeliebter Trainer beurlaubt. In Wien war das seit mehr als elf Jahren ein Ding der Unmöglichkeit ist. Präsident Hans Schmid hat nach Kurt Harand im Jahr 2003 nie einen Trainer während der Saison verabschiedet. Bis zum Sonntag.

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