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Sport Wintersport
02/12/2021

Dieser ÖSV-Trainer hat seinen Baumjob gefunden

Wipfelstürmer Max Zettinig hat eine wichtige Aufgabe. Er verfolgt und filmt die Rennen in luftiger Höhe.

von Christoph Geiler

Eine Handsäge, einen Klettergurt und eine Videokamera – das sind die Gegenstände, die Max Zettinig braucht, um seinen Job gut verrichten zu können. Und zwar genau in dieser Reihenfolge.

Das Revier des langjährigen Trainers der ÖSV-Speedmannschaft sind die Baumkronen entlang der Abfahrtspisten. Dort nistet sich der 32-Jährige ein und verfolgt in schwindelerregender Höhe die Trainingsläufe und Rennen der Herren. Meist Seite an Seite mit Betreuerkollegen aus dem Ausland, die ebenfalls in den Bäumen hocken. Oft sogar Ast an Ast. „Wir sind auch schon einmal zu viert auf einem Baum gewesen“, erzählt Zettinig. „Natürlich tragen auch wir in den Bäumen eine Maske.“

Hohe Verantwortung

Zettinig und seine Trainer-Kollegen in den Baumwipfeln haben eine hohe Verantwortung. Von ihrer Position aus haben sie einen idealen Blick auf weite Teile der Piste, entsprechend wichtig sind auch die Informationen und die Bilder, die Zettinig dem ÖSV-Betreuerstab liefert.

Bevor es aber überhaupt so weit ist, muss der Salzburger erst einmal den passenden Baum finden und ihn trainertauglich machen. „Präparieren“, wie Zettinig es nennt. Deshalb hat er immer seine Handsäge dabei, um aus lästigen Ästen Kleinholz zu machen und so einfacher und schneller nach oben klettern zu können. „Man will ja kein Gestrüpp vor der Kamera haben.“

Max Zettinig in luftigen Höhen:

Maximilian Zettinig

Maximilian Zettinig

Für Außenstehende sieht diese Arbeit in luftiger Höhe lebensgefährlich aus. Und vor allem wundert man sich, wie die Trainer mit ihren Skischuhen überhaupt bis in die Baumkrone gelangen. „Aber das ist gar nicht so schwer. Mit den Skischuhen hat man wirklich einen guten Halt“, erklärt Max Zettinig.

Problematisch wird’s nur, wenn’s frisch geschneit hat. „Wenn’s dann wärmer wird, bildet sich so ein Eisfilm auf der Baumrinde. Dann ist es nicht so fein zum Klettern. Auch Bäume, die harzen sind lästig“, sagt der Coach, der weiß, dass nicht jeder Trainer für diesen Job geeignet ist. „Bei uns machen das auch nur Leute, die keine Höhenangst haben.“

Menschliche Bedürfnisse

Ist Max Zettinig einmal oben, dann legt er sich einen Klettergurt um und versucht es sich, auf einem Ast richtig bequem zu machen. So gut es eben geht, bei eisigem Wind und teils Temperaturen bis zu minus 20 Grad. Manchmal schlafen ihm dabei auch die Füße ein. „Dann hänge ich mich in den Klettergurt und lass’ alles baumeln“, sagt der Salzburger, der sich nicht daran erinnern kann, dass jemals ein Trainer von einem Baum gekugelt wäre.

Was aber sehr wohl passieren kann: Dass er beim Filmen für einen Moment das Gleichgewicht verliert und kurz wegrutscht. „Da reißt’s einen. Aber dafür hat man ja den Klettergurt.“

Und was, wenn einem in der Krone einmal ein menschliches Bedürfnis überkommt? „Ich gehe immer vorher“, sagt Zettinig, aber er kenne Kollegen, die sich schon einmal dort oben erleichtern mussten. „Aber wenn kein anderer unter ihnen war.“

Nicht überall ist es den Betreuern erlaubt, auf die Bäume zu kraxeln. In Lake Louise (CAN) etwa ist es strengstens verboten. „Gewisse Trainer sind da ganz fanatisch“, weiß ÖSV-Alpinchef Patrick Riml. „ Wenn sie nicht auf einen Baum rauf kommen, dann ist das ein Scheiß-Rennwochenende.“

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