Die zwei Gesichter des Ryan M.

Ryan McKiernan, Vienna Capitals © Bild: DIENER

Capitals starten am Freitag ins Play-off gegen Innsbruck - Verteidiger Ryan McKiernan im Porträt.

Ein kleines Veilchen unter dem Auge, Abschürfungen im Gesicht – ganz normal. Ryan McKiernan muss viel einstecken. An seinem Gesicht ist aber nicht zu sehen, dass der Verteidiger noch viel mehr austeilt.

Der 28-jährige irisch-amerikanische Doppelstaatsbürger kann getrost als einer der meistgehassten Spieler in der Erste Bank Liga bezeichnet werden. Egal, wo der Capitals-Verteidiger auftaucht, es knistert auf dem Eis. Entweder er feuert einen seinen gefürchteten und platzierten Schüsse auf das gegnerische Tor ab, oder es entwickelt sich ein direktes Duell mit einem Gegenspieler.

Es gibt kaum eine Partie, in der es nicht kracht mit Ryan McKiernan. Doch weshalb immer McKiernan? Er sei ein Meister des Trashtalks, der Provokation, der versteckten Fouls, sagen Insider. Zu Raufereien kommt dennoch kaum: Flink dreht McKiernan den Brandherden den Rücken zu. In einer nordamerikanischen Profiliga würde er wohl längst von einem der großgewachsenen Prügelknaben bearbeitet werden.

Ryan McKiernan weiß, dass er auf dem Eis ein anderer Mensch ist. "Du musst diese beiden Gesichter trennen können. Auf dem Eis lasse ich meine ganze Energie raus. Abseits der Eisfläche bin ich ein ganz normaler und ruhiger Typ."

Der Wien-Liebhaber

Ryan McKiernan, Vienna Capitals © Bild: Capitals / Patrick Wondra

Zum Beispiel an den meist traingsfreien Nachmittagen. Dann erkundet McKiernan die Hauptstadt und genießt die Kaffeehauskultur. "Es ist eine gute Möglichkeit, Wien kennenzulernen. In jedem Bezirk gibt es nette Cafés, ich bin immer auf der Suche nach neuen Plätzen. Gleichzeitig kannst du damit auch das Sightseeing verbinden." Meistens ist McKiernan in seinen Lieblingsbezirken Wieden, Mariahilf und Neubau unterwegs. "Wien ist voller Leben. Mir ist es wichtig, nach einem harten Training den Kopf freizubekommen."

Das Training ist für McKiernan immer hart. Er ist bekannt dafür, auch bei den Übungen stets 100 Prozent zu geben. Genau so, wie es es Trainer Serge Aubin gefällt. Aber nicht jeder Mitspieler geht gerne in einen Zweikampf mit ihm.

Sein hohes Wettkampfniveau wirkt sich für seine Mannschaft sehr positiv aus. Im Vorjahr erzielte er den 3:2-Siegestreffer im vierten Finalspiel gegen den KAC, durch den die Caps den Meistertitel holten. Es war sein siebentes Saisontor. In der laufenden Saison erzielte McKiernan bereits 17 Treffer und ist somit torgefährlichster Verteidiger der Liga.

"Er ist gemein"

Auch Innsbruck-Coach Rob Pallin ist dies aufgefallen. Er machte nach der 1:5-Niederlage gegen die Caps in der letzten Runde am Sonntag in einem Interview mit der Tiroler Tageszeitung auf McKiernan aufmerksam: "Es wird eine Schlacht gegen Spieler wie McKiernan – er ist gemein, tough und hat Spurgeon am Sonntag eine blutige Nase verpasst. Wir müssen zurückschlagen."

Dass die Innsbrucker mit Härte versuchen könnten, die Wiener zu provozieren, sieht Capitals-Coach Serge Aubin gelassen. "Ich erwarte, dass wir diszipliniert bleiben. Nach einem Pfiff gewinnt man kein Spiel mehr", sagt der Kanadier. Für den 43-jährigen Kanadier geht nach dem Play-off seine Zeit in Wien zu Ende, im Sommer wechselt er zum Schweizer Topklub Zürich. "An das Ende des Play-offs denke ich überhaupt nicht. Ich befasse mich derzeit nur mit dem Spiel am Freitag."

Fans sammeln für die Gruft

Damit das Erscheinungsbild der Arena beeindruckend wird, verkaufen die Wiener gelbe Play-off-Shirts um fünf Euro. Und die großen Fanklubs sammeln für die Wiener Obdachlosenhilfe Gruft, für die sie bei der Spendenübergabe am 22. März auch kochen werden.

Der Weg zum Titel

Die Best-of-seven-Serien

Vienna Capitals Innsbruck Red Bull SalzburgDornbirnBlack Wings LinzZagrebKAC – Bozen

Termine: 9. März, 11. März, 13. März, 16. März.Falls nötig: 18. März, 20. März, 23. März. Weil Zagreb an bestimmten Tagen die Halle nicht zur Verfügung hat, finden die Spiele 1, 3, 4, 7 (statt 1, 3, 5, 7) in Linz statt. Sollten die Serien nach fünf Spielen entschieden sein, beginnt die nächste Runde bereits am Tag, an dem Spiel 7 stattfinden würde.Modus: Es gibt keinen echten Play-off-Raster. Die Nummer eins nach der Zwischenrunde spielt immer gegen das am schlechtesten platzierte Team. Die Capitals und Salzburg könnten daher erst in einem Finale aufeinandertreffen.

( kurier.at ) Erstellt am 08.03.2018