Katharina Truppe fuhr im Slalom von Levi das erste Mal in ihrer Karriere auf das Siegespodest.

© APA/AFP/Lehtikuva/MARTTI KAINULAINEN

Sport Wintersport
11/25/2019

Der KURIER-Wintercheck: Ein Hoch auf die Katharinas

Rückblick auf das Wintersport-Wochenende: Flotte Slalom-Damen, ein neuer Eiseiliger, ein junger Hupfer - und Hirschers Erben...

von Christoph Geiler

Levi, Wisla, Tomaszow Mazowiecki, Igls - an diesen Destinationen ist bereits der Winter eingekehrt und es wurde in den vergangenen Tagen eifrig um Weltcuppunkte gekämpft. In der Carvingtechnik, im V-Stil und nicht zuletzt auf Glatteis. Der KURIER macht für Sie noch einmal den Winter-Check und blickt zurück auf die Höhepunkte und Hoppalas des Winter-Wochenendes.

Wer stand im Mittelpunkt? Was fällt in die Rubrik Schnee von gestern? Und über wen wird auch am Montag noch geredet?

Ein Hoch auf die Katharinas

Natürlich wird beim ÖSV nicht rein nach Namen aufgestellt. Sonst würde sich jetzt so manche Athletin wohl sofort umtaufen lassen, um fortan als "Katharina" an den Start zu gehen. Wobei die Verwechslungsgefahr schon jetzt groß genug ist: Da gibt es nämlich die Katharina und die Katharina und natürlich noch die Katharina und dann, nicht zu vergessen: die Katharina.

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Sie ahnen es schon: Die Katharinas geben im österreichischen Slalomteam den Ton an - und das wurde nicht zuletzt im ersten Saisonrennen in Levi augenscheinlich. Dort hatten sie nämlich alle etwas zu feiern: Katharina Truppe fuhr das erste Mal in ihrer Karriere auf das Siegespodest (3.); Katharina Liensberger (7.) präsentierte sich nach dem Material-Hickhack stärker als erwartet; Katharina Huber (8.) erreichte das beste Ergebnis ihrer Weltcupkarriere; und Katharina Gallhuber meldete sich im ersten Rennen nach ihrem Kreuzbandriss  mit Rang 15 eindrucksvoll zurück.

 

 

Kein Wind von Traurigkeit

Der Weltcup der Skispringer hat gerade einmal begonnen und schon gibt es am Schanzentisch nur ein Gesprächsthema: Den Wind, wie könnte es auch anders sein. "Das war, wie wenn im Fußball elf gegen fünf spielen", beklagte sich Stefan Kraft nach dem Einzelbewerb in Wisla, den der Weltcup-Zweite des letzten Winters auf Rang 21 beendet hatte und trotz der Turbulenzen immerhin einige Weltcuppunkte einsammelte.

Aber was sollen dann erst andere sagen? Markus Eisenbichler (Deutschland) zum Beispiel, der dreifache Weltmeister von Seefeld sprang, nein: er hüpfte 73 Meter und wurde Letzter. Oder der Pole Piotr Zyla, immerhin ein Teamweltmeister seines Faches, der einen kapitalen Sturz fabrizierte.

Stefan Kraft und seine Skisprung-Kollegen mögen in der Windlotterie von Wisla zwar Nieten gezogen haben, doch tatsächlich dürfen sie sich nach dem Weltcup-Auftakt in Polen glücklich schätzen. Denn wer hätte schon gedacht, dass die Österreicher im Teambewerb die Lufthoheit haben würden.

Früher einmal waren österreichische Siege in Mannschaftsspringen die Norm, der Triumph des Quartetts Stefan Kraft, Daniel Huber, Philipp Aschenwald und Jan Hörl fällt jetzt eher in die Rubrik Überraschung. Wobei vor allem der junge Hupfer Hörl aufzeigte. Der 21-Jährige war auch im Einzel als Zwölfter der beste Österreicher.

Frustabbau auf Glatteis

Würden die Rolling Stones gerne als Vorgruppe auftreten? Natürlich nicht. So ähnlich muss sich Vanessa Herzog am Wochenende beim Weltcup in Tomaszow Mazowiecki (Polen) vorgekommen sein. Die Eisschnelllauf-Weltmeisterin und beste Frau über die 500 Meter war ins Vorprogramm degradiert worden, nachdem sie beim Saisonauftakt in Minsk wegen zwei Fehlstarts nicht in die Wertung gekommen war.

Bei der zweiten Weltcup-Station in Tomaszow Mazowiecki musste Österreichs Sportlerin des Jahres daher in der B-Division laufen, also sozusagen außer Konkurrenz. Die 24-Jährige ließ sich nicht hängen, sondern zeigte die notwendige Trotzreaktion und feierte über 500 Meter den nötigen Favoritensieg. Damit darf sich Vanessa Herzog bei der nächsten Weltcupstation wieder mit den Besten der Welt messen.

Ein Eiseiliger aus dem Niemandsland

Wer nicht in Tirol aufwächst, der hat als Kunstbahnrodler normalerweise einen  enormen  Startnachteil. Der einzige österreichische Eiskanal  befindet sich in Igls, und so ist  es kein Zufall, dass  die besten heimischen Rodler bislang  fast ausnahmslos aus Tirol gekommen sind.

Auch die Karriere von Jonas Müller nahm erst richtig Fahrt auf, als der Bludenzer nach seiner Malerlehre  das Ländle in Richtung Osten verließ und sein Leben fortan komplett dem Rodelsport  unterordnete. „Die Übersiedlung nach Tirol  war  wichtig für mich“, erklärt Müller, der, animiert von den Erfolgen der Kollegen Wolfgang Kindl (Doppelweltmeister) und David Gleirscher (Olympiasieger), in den  vergangenen  beiden Saisonen körperlich und fahrerisch einen  riesigen Leistungssprung machte.

Bei der Weltmeisterschaft  in Winterberg hatte der 22-Jährige bereits für Aufsehen gesorgt, als der Außenseiter  mit allen Stars Schlitten fuhr und  überraschend WM-Gold im Sprintrennen gewann. Auch sein Sieg beim Weltcup-Auftakt in Igls  fällt in die Kategorie Sensation, denn der Vorarlberger war zuvor im Weltcup noch nie auf einem Siegespodest gestanden.

Ein Pünktchen für den Rekordmann

Wann immer Gregor Schlierenzauer bei einer Sprungschanze auftaucht, dann zieht der Tiroler die Blicke auf sich. Sein letzter Erfolg mag zwar schon fast fünf Jahre her sein, aber der 29-Jährige ist mit 53 Siegen noch immer der erfolgreichste Skispringer der Weltcupgeschichte. Der Auftritt in Wisla war auch deshalb mit Neugier erwartet worden, weil Schlierenzauer seit einigen Monaten wieder mit Werner Schuster zusammen arbeitet, jenem Trainer also, der ihm als Teenager seinerzeit zum Durchbruch verholfen hatte.

Nicht nur Schlierenzauer war mit großen Erwartungen zum Weltcupauftakt nach Polen gereist, auch der ÖSV setzte große Hoffnungen in den ehemaligen Überflieger. "Er befindet sich auf dem richtigen Weg", meinte etwa Cheftrainer Andreas Felder. Doch Gregor Schlierenzauer konnte den hohen Erwartungen nicht gerecht werden. Den Sieg der Österreicher im Teambewerb verfolgte er nur als Zaungast, im Einzel reichte es lediglich zu einem Pünktchen.

Die Dürre nach den fetten Hirscher-Zeiten

Es war von Anfang an klar, dass es nicht in dieser Tonart weiter gehen konnte. So schnell wird kein anderer Skifahrer acht Mal in Folge den Gesamtweltcup gewinnen und so nebenbei praktisch im Wochen-Takt für die stolze Skination Österreich die großen Erfolge einfahren.

Der Rücktritt von Seriensieger Marcel Hirscher hat seine Spuren hinterlassen, denn wo vorher das Feuer der Ski-Begeisterung gelodert hatte, da regiert mittlerweile die sportliche Sparflamme. Beim Saisonauftakt in Sölden (Riesentorlauf) war kein Österreicher in die Top Ten gefahren, im Slalom in Levi hielt nun Christian Hirschbühl mit Rang sieben die rot-weiß-roten Fahnen halbhoch.

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