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Sport
03/19/2021

Warum Österreichs Olympia-Sportler bald geimpft werden sollen

Ärzte raten dazu, die Nadelstiche so schnell wie möglich zu setzen. ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel erklärt, warum.

von Christoph Geiler, Günther Pavlovics

In Fukushima startet am Donnerstag der olympische Fackellauf. Knapp vier Monate wird das olympische Feuer quer durch Japan unterwegs sein, ehe dann am 23. Juli in Tokio die 32. Sommerspiele eröffnet werden. Das Motto des Fackellaufs könnte passender nicht sein: „Hoffnung erleuchtet unseren Weg.“

Hoffnung auf ein baldiges Ende der Pandemie. Hoffnung, dass die Olympischen Spiele in Tokio mit einjähriger Verspätung über die Bühne gehen können. Hoffnung, dass Corona nicht zum großen Spiele-Verderber wird.

Belastung

„Im Sinne des Sports müssen die Spiele stattfinden. Es gibt keine Alternative – nur die Absage“, meint Peter Mennel, der Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC). „Die Athleten haben sich die Spiele verdient. Und ich bin überzeugt, dass Olympia einen Ruck durch die Gesellschaft dieser Welt bringen kann. Indem man zeigt, dass trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen so eine Veranstaltung durchgeführt werden kann.“

OLYMPISCHE SOMMERSPIELE RIO DE JANEIRO 2016: PK/MENNEL

Die japanische Regierung hat bereits angekündigt, aus Sicherheitsgründen keine ausländischen Sportfans ins Land lassen zu wollen. Auch deshalb werden die Sportler in Tokio Olympische Spiele erleben, wie es sie in dieser Form noch nie gegeben hat. „Die größte Belastung ist diese Situation für die Athleten“, weiß Peter Mennel, der die österreichischen Olympiateilnehmer schon seit Monaten auf die besonderen Begebenheiten einstimmen lässt.

Mit Mentaltrainern, mit Coaches aus Japan und mit mehreren Workshops. „Derjenige, der sich dann in Tokio über die Rahmenbedingungen aufregt, der hat schon verloren. Wir schauen jedenfalls, dass wir viele Szenarien durchplanen, damit wir dort dann für alle Eventualitäten gerüstet sind“, erklärt der Generalsekretär im KURIER-Gespräch.

Empfehlung

Die intensiven Vorkehrungen drehen sich in Zeiten wie diesen natürlich auch um Covid-Sicherheitsmaßnahmen. Und dabei spielt auch das Durchimpfen der Olympia-Athleten eine zentrale Rolle. Ein hochsensibles Thema angesichts der Impfneidgesellschaft, in der wir gerade leben. Als Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge und ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel Anfang des Jahres die Diskussion anregten, die deutschen Fußballprofis und heimischen Skistars ehestmöglich zu impfen, gab es einen Aufschrei der Empörung.

Im Falle des österreichischen Olympia-Teams raten die Ärzte sogar dazu, die Nadelstiche so schnell wie möglich zu setzen. „Es gibt eine Empfehlung der medizinischen Kommission, die Athleten möglichst zeitnah in einen Impfplan hineinzubringen“, sagt Peter Mennel und verweist auf den „intensiven und guten Austausch mit dem Sportministerium“.

Auch wenn es noch mehr als vier Monate bis zur Eröffnung sind, so drängt bei zwei Impfdosen trotzdem die Zeit. „Wenn ein Athlet zu knapp vor den Spielen erst die zweite Dosis erhält, wäre das sicher nicht ideal“, weiß Mennel.

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Zugleich wären heimische Sportstars, die sich impfen lassen, auch ein Signal an die Impfskeptiker. „Ich glaube, dass das auch eine Vorbildwirkung für die Gesellschaft hätte. Jeder weiß, dass der Körper das Kapital jedes Athleten ist. Und der wird diesen Körper nur dann belasten, wenn er sich sicher ist, dass er ihn nicht schädigt“, sagt Mennel. „Aber natürlich muss das jeder Athlet selbst für sich entscheiden.“

Chancengleichheit

Auch in vielen anderen Ländern drehen sich 126 Tage vor Olympia die Diskussionen um die Covid-Impfung. So plädierte zuletzt der Präsident des deutschen Kanuverbandes dafür, seine Athleten früher zu impfen. Er fürchtet um die Chancengleichheit: Die deutschen Kanuten hatten im Trainingslager im türkischen Antalya fragende Blicke von den Konkurrenten aus Russland, Ukraine und Lettland geerntet, die allesamt bereits geimpft sind.

Österreichs Judoka ist das zum Beispiel bei internationalen Turnieren noch nicht passiert. „Natürlich ist das Impfen rund um die Turniere ein ständiges Thema“, sagt ÖJV-Sportdirektor Markus Moser. Unterschied werde bei den Turnieren aber keiner gemacht. „Das COVID-Protokoll muss von allen eingehalten werden“, sagt er. Egal ob geimpft oder durch die Krankheit schon immunisiert. Und es ist auch egal, wo das Turnier stattfindet. „Zumindest vier Mal wird jeder rund um den Wettkampf getestet“, sagt Moser. Auch wenn in Taschkent gekämpft wird, vor Fans in einer ausverkauften Halle.

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