Ungewisse Zukunft für NBA-Ass Pöltl: "Ich kann auch nur mitraten"

BASKETBALL: NATIONALSPIELER JAKOB PÖLTL
Der Umbau bei den San Antonio Spurs könnte für einen Abschied Pöltls im kommenden Sommer sprechen.

Ein wenig Ungewissheit ist bei Jakob Pöltl am Dienstag nach Los Angeles mitgeflogen. Österreichs NBA-Legionär geht zwar davon aus, dass er auch sein letztes Vertragsjahr bei den San Antonio Spurs bestreiten wird. Weil sich die Texaner im Umbau befinden, könnten sie den 26-Jährigen aber auch noch abgeben. Medial wurde Pöltl mit fast allen Spitzenteams in Verbindung gebracht, er selbst berichtete von "ein, zwei konkreten Angeboten", die es diesen Sommer gegeben haben dürfte.

"Aus jetziger Sicht sind die Chancen ganz gut, dass ich bei den Spurs spielen werde nächste Saison", sagte Pöltl auf dem Flughafen Wien-Schwechat im Interview mit der APA - Austria Presse Agentur. "Ich kann auch nur mitraten, aber ich bekomme mehr und mehr das Gefühl, dass es vielleicht doch dabei bleiben wird. Zwischendurch war ich mir da nicht so sicher."

San Antonio hat mit Dejounte Murray seinen laut Pöltl "besten Spieler" an die Atlanta Hawks abgegeben - und dafür vor allem Zukunftsaktien erhalten. Sein Karriereziel eines NBA-Titels wird Pöltl bei den Spurs in den nächsten Jahren nicht realisieren können, das ist dem Wiener bewusst. "Wir werden als junge Mannschaft einige Schritte nach vorne machen müssen. Es ist eher Zukunftsmusik in San Antonio." In den nächsten zwei oder drei Jahren werde man nicht um den Titel spielen können. "Hoffentlich eher so in drei bis fünf Jahren."

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Schritt zum Führungsspieler

Ob der 2,16-m-Mann so lange warten will, ist offen. Kommenden Sommer kann er selbst seinen Klub wählen. "Darauf freue ich mich, weil du es in der NBA selten selbst in der Hand hast, wo es hingeht", erklärte Pöltl. "Das wird jetzt das erste Mal wirklich zu 100 Prozent so sein. Hoffentlich schaffe ich es, da eine gute Entscheidung zu treffen." 2020, als er um drei Jahre verlängert hatte, hätten die Spurs noch mit jedem Angebot eines Konkurrenten gleichziehen können.

Pöltl war 2018 nach zwei Jahren bei den Toronto Raptors nach Texas transferiert worden. Vergangene Saison gelang ihm der Schritt zum Führungsspieler. 13,5 Punkte, 9,3 Rebounds und 2,8 Assists pro Spiel waren allesamt Karrierebestwerte. Kommenden Sommer winkt ein noch deutlich lukrativerer Vertrag als der aktuelle, der mit durchschnittlich 8,75 Mio. Dollar (8,6 Mio. Euro) jährlich dotiert ist.

Laut Medienberichten sind Titelkandidaten von Meister Golden State Warriors abwärts interessiert. "Das sagt aus, dass meine Rolle und die Sachen, die ich gut mache, durchaus gefragt sind bei sehr guten Mannschaften", meinte Pöltl. "Mein Spiel war immer schon nicht darauf aufgebaut, dass ich die meisten Punkte mache, sondern dass ich versuche, möglichst effektiv dem Team beim Gewinnen zu helfen. Das ist das, was zählt - vor allem bei Mannschaften, die wirklich um eine Meisterschaft mitspielen wollen."

Viele Gerüchte

Höchstens an der Hälfte der vielen Gerüchte um seine Zukunft sei etwas Wahres dran, vermutete Pöltl. Er beschäftige sich wenig bis gar nicht damit, hin und wieder würde ihn sein US-Agent Michael Tellem informieren. Bereits im Februar hätten demnach einige Teams konkretes Interesse bei den Spurs deponiert. "Jetzt im Sommer dürfte es wieder ein, zwei konkrete Angebote gegeben haben", sagte Pöltl. "100-prozentig weiß ich es aber nicht." Die Kommunikation würde nur zwischen den Teams stattfinden. "Ich bekomme es nur aus dritter Hand mit."

Pöltl hat in sechs Profijahren gelernt, damit umzugehen. Vom Trade 2018 war er noch etwas übermannt worden. "Sollte etwas passieren, kann ich die Informationen verarbeiten. Bis dahin macht es keinen Sinn zu spekulieren." Das NBA-Transferkarussell könnte dann wieder Fahrt aufnehmen, wenn mit den wechselwilligen Topstars Kevin Durant (Brooklyn Nets) und Donovan Mitchell (Utah Jazz) die nächsten Dominosteine fallen.

"Es kann gut sein, dass ich das Jahr noch bei den Spurs bleiben werde", sagte Pöltl. Noch. Denn über eine mögliche Verlängerung habe es bisher keinen konkreten Austausch gegeben. "Ich mag es, in San Antonio zu leben, das Team und meine Mitspieler sind cool." Unter diesem Aspekt könne er sich einen längerfristigen Verbleib vorstellen. "Aber ich werde mir die Situation nächsten Sommer genau anschauen, ob es Sinn macht oder nicht."

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Herausforderung

Die Spurs hoffen durch die radikale Verjüngung wie viele andere Teams, nächstes Jahr im Draft mit Victor Wembanyama das große Los zu ziehen. Der 18-jährige Franzose gilt als größtes Talent der vergangenen Jahre und sicherer Nummer-eins-Pick. Bis dahin sollen Keldon Johnson und Pöltl das Team führen. "Unser bester Spieler spielt nicht mehr bei uns, diese Rolle muss irgendwie ersetzt werden", sagte Pöltl.

Der Center freut sich auf die Herausforderung. "Ich würde gerne erfolgreich sein mit so einer jungen Mannschaft. Mir ist klar: Wir sind auf dem Papier noch nicht da, vorne in den Play-offs mitzumischen. Es wird sogar eine ziemliche Challenge, überhaupt dorthin zu kommen." Oder zumindest wie in den beiden vergangenen Jahren ins Play-in (Vor-Play-off). Pöltls Motivation: zu sehen, wie viel er in so einer Mannschaft ausrichten kann. Er wolle dem Team "einen Schub nach vorne" geben.

Dazu schickten die Spurs in den vergangenen Wochen Kraft- und auch Basketball-Trainer nach Österreich. "Es gab eine Absprache, aber im Endeffekt habe ich relativ viel Freiraum", sagte Pöltl über sein Trainingsprogramm. "Man lernt über die Jahre, was einem guttut. Ich bin sehr zufrieden mit dem Sommer." In Los Angeles warten bis Ende August weitere individuelle Einheiten, im Gegensatz zu Österreich aber andere NBA-Spieler als hochwertige Trainingspartner.

Mehr als zwei Monate hat Pöltl mit Urlaubsunterbrechung seit Mitte Mai in der Heimat verbracht. Eine Rückkehr zum nächsten Nationalteam-Fenster Ende August ist nicht gänzlich ausgeschlossen. Die Reise von der Westküste sei zwar lang, der Zeitpunkt bereits nah an der NBA-Saison. "Aber ich bin immer noch ein bisschen hoffnungsvoll." Das ÖBV-Team, für das Pöltl vor sechs Wochen zum ersten Mal seit vier Jahren aufgelaufen ist, trifft in der zweiten Phase der EM-Vorquali auf die Schweiz und Polen. Dritter Gruppengegner ist Favorit Kroatien.

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