Hat in China gut Selfies schießen: Marko Arnautovic

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Sport
07/14/2019

Überbezahlter Arnautovic und übersehene Medaille

Abnormal sind die Gagen, mit denen Balltreter der Kategorie 30 plus ins politisch immer noch tiefrote Riesenreich geködert werden.

Wer am meisten kassiert, interessiert am meisten. Somit werden die folgenden Zeilen kaum gelesen werden, zumal sie zunächst „nur“ von der Universiade handeln, deren Schauplatz in den letzten zehn Tagen Neapel war.

Das Groteske: Die Namen der österreichischen Teilnehmer wurden vor Universiade-Beginn mit dem Verweis auf den Datenschutz der Öffentlichkeit vorenthalten

Das Erfreuliche: Der Grazer Vinzenz Höck, 23, erturnte an den Ringen sensationell Silber.

Das Ungerechte: Höcks Leistung blieb hierzulande weitgehend unerwähnt. Obwohl Höck in einer vollen Halle volles Risiko genommen hatte; obwohl er täglich sechs Stunden trainiert; obwohl die internationale Konkurrenz in dieser Elementarsportart übermächtig ist; obwohl es sich um die erste österreichische Turn-Medaille überhaupt bei einem Großevent handelt.

Der Mathematikstudent Höck darf nicht damit rechnen, dass sich an seinem Schattendasein ohne Skandal oder Tragödie was ändert. Zumal für Medien und deren Inserenten vorrangig Klicks und Quoten zählen. Und jeder Furz eines Fußballstars mehr Aufmerksamkeit auslöst als eine sportliche Topleistung, mit der unsereiner mangels Fachkenntnis weniger anfangen kann. Worauf der Schreiber dieser Zeilen sofort wieder „rückfällig“ wird und sich einem Dauerthema widmet: dem Großverdiener Marko Arnautovic.

Der 81-fache ÖFB-Internationale erlebte den 3:0-Sieg seines neuen  Arbeitgebers Schanghai SIGP in Jangsu nur als Zuschauer. Das ist aufgrund seines erst zwei Tage zuvor erfolgten Eintreffens völlig normal. Abnormal indes sind die Gagen, mit denen Balltreter der Kategorie 30 plus ins politisch immer noch tiefrote Riesenreich geködert werden.

Dass Arnautovic dem Lockruf des Geldes folgt, ist legitim in Zeiten, in denen Betriebstreue ohnehin als Schwäche ausgelegt wird. Nur sollten er und andere verwöhnte Fußballer begreifen, dass das Publikum in Anbetracht der Irrsinnsgehälter kritischer wird, fehlerlose Auftritte verlangt.

34 Millionen Euro garantiert der Dreijahresvertrag Arnautovic in Schanghai. Ein Betrag für den eine diplomierte Krankenschwester in Österreich 944 Jahre arbeiten müsste. Etwa 220.000 beträgt allein sein Wochenlohn. Womit dieser fast der Jahresgage eines Rapid-Kaderspielers entspricht. Boshafte werden meinen, dass selbst die Rapid-Gehälter in keiner vernünftigen Relation zu den Einkünften eines Normalbürgers stehen.

Das Verdienstmöglichkeiten eines Fußballprofis beschränken sich freilich auf ein knappes Jahrzehnt. Verletzungsbedingt kann eine Karriere schon viel früher enden. Nur: Trifft dieses Argument denn nicht auch auf Topathleten wie den silbernen Höck zu, der vergleichsweise um die goldene Ananas turnt?