Etappensiegerin Lorena Wiebes mit ihrem Kind

© APA/AFP/JEFF PACHOUD

Sport
07/24/2022

Tour de France der Frauen: Historischer Tag auf den Champs-Élysées

Erstmals fuhren Frauen und Männer am Sonntag auf dem Pariser Prachtboulevard Etappen.

24 Teams, 144 Starterinnen, acht Etappen: Noch ehe die Tour de France der Männer am Sonntagabend endete, begann am Nachmittag jene der Frauen mit 81,7 Kilometern auf den Champs-Élysées. Es ist eine Rückkehr: 2009 war die Grande Boucle Féminine eingestellt worden, fünf Jahre später begann Veranstalter ASO mit La Course by Le Tour de France, einem Rennen, das meist nur einen Tag dauerte.

Nachdem aber in den letzten Jahren der Frauen-Radsport größer und größer geworden ist, sahen sich die Veranstalter unter Druck, und so wurde im vergangenen Jahr Marion Rousse eingesetzt, um eine Tour für die Frauen zu konzipieren.

Auf die Super Planche

Zwar führt die Route nicht durch Alpen oder Pyrenäen, aber die zwei Etappen in den Vogesen am kommenden Wochenende werden zeigen, dass auch ein Mittelgebirge gewaltig sein kann – spätestens die Schlussetappe am Sonntag mit der Bergankunft auf der Super Planche des Belles Filles: Das ist jener brutale Anstieg, an dem selbst manche männlichen Profis das Rad schieben.

Marion Rousse kennt sich jedenfalls aus: Die französische Straßen-Meisterin von 2012 stammt aus einer radsportbegeisterten Familie, sie war mit Tony Gallopin verheiratet (Teamkollege von Felix Gall bei AG2R Citroën), inzwischen hat sie einen Sohn mit Straßen-Weltmeister Julian Alaphilippe.

Langsam geht’s bergauf

Dass es so lange gedauert hat, bis die Frauen ihre Tour (wieder) bekommen, liegt nicht zuletzt am Aufwand: Frauen-Radsport ist ein Zuschussgeschäft. Doch seit sich große Männer-Rennställe wie Jumbo-Visma, Trek-Segafredo oder Movistar engagieren, ist das Interesse gewachsen – bei Fans, Medien und Sponsoren.

„Allerdings ist es als Frau irrsinnig schwierig, vom Radsport leben zu können“, sagt Olympiasiegerin Anna Kiesenhofer zum KURIER. Die Niederösterreicherin findet sich nicht im Pulk zurecht und setzt weiter auf das Zeitfahren. Ein halbes Jahr verbrachte sie 2017 im Team von Lotto Soudal: „Dort hatte ich als Einsteigerin ein Taschengeld, ich musste Rennen fahren, die ich nicht fahren wollte – und zu viele davon.“

Anders als die 31-Jährige sind zwei Tirolerinnen bei der Tour dabei: Kathrin Schweinberger fährt bei Ceratizit-WNT für die deutsche Zeitfahr-Weltmeisterin des Jahres 2014, Lisa Brennauer; ihre Zwillingsschwester Christina bei Plantur-Pura um die Belgierin Julie de Wilde. Die Favoritinnen sind freilich andere: die italienische Weltmeisterin Elisa Balsamo („Es ist sehr emotional, das ist ein historischer Tag“) und Elisa Longo Borghini sowie die Niederländerinnen Annemiek van Vleuten und Marianne Vos. Letztere musste freilich ihrer Landsfrau Lorena Wiebes im Sprint den Vortritt lassen.

1. Etappe (Eiffelturm–Champs-Élysées, 81,7 km): 1. Wiebes (NED) DSM 1:54:00, 2. Vos (NED) Jumbo-Visma, 3. Kopecky (BEL) SD Worx, 4. Barbieri (ITA) Liv Racing Xstra, 5. Norsgaard (NOR) Movistar, 6. Van der Duin (NED) Le Col–Wahoo alle gl. Zeit, 76. C. Schweinberger (AUT) Plantur-Pura +15, 99. K. Schweinberger (AUT) Ceratizit-WNT +17.
Montag: Meaux–Provins (136,4 km).

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