Dominic Thiem schied am Dienstag in der ersten Runde aus. 

© REUTERS / TOBY MELVILLE

Sport
07/03/2019

Was Dominic Thiem auf Rasen noch zur Weltspitze fehlt

Nach dem Wimbledon-Out: Gefragt sind Improvisationskunst auf dem Platz und Kompromisse bei der Saisonplanung.

Es ist ein bitteres Jubiläum für den österreichischen Tennissport. Erstmals seit einem Vierteljahrhundert hat kein rot-weiß-roter Spieler, keine rot-weiß-rote Spielerin die zweite Runde im Einzelbewerb von Wimbledon erreicht. Während  bei den ÖTV-Damen schon die Qualifikation für das wichtigste Tennisturnier des Jahres eine eine nahezu unlösbare Aufgabe darstellte, hatten Dominic Thiem und Dennis Novak bei ihren Viersatz-Niederlagen am Dienstag durchaus ihre Möglichkeiten.

Die Auftaktpleiten waren dabei keine Sensationen, aber vor allem bei Thiem, der Nummer vier der Welt, eine kleine Irritation in der großen Tenniswelt. Den mittlerweile erspielten, internationalen Stellenwert von Österreichs Nummer eins bewies die Tatsache, dass Stunden später selbst Roger Federer darüber Auskunft geben musste. Nicht der bevorzugte Untergrund von Thiem sei Rasen, urteilte der Schweizer Rekordsieger, zudem habe es die Auslosung auch nicht gut gemeint mit dem Österreicher.

Am wenigsten war es jedoch Thiem selbst, der sein Ausscheiden allein an den Qualitäten von Rasenspezialist Sam Querrey festmachen wollte. Noch immer fehle ihm die Erfahrung auf Rasen, um die rasante Umstellung von den geliebten Sandplätzen auf das natürliche Grün konfliktfrei zu bewerkstelligen.

Dass der Rasen die größten Waffen des 25-Jährigen (Topspin, Winkelspiel) auffrisst, ist das eine, gegen Querrey wirkte Thiem auch zu unentschlossen. Auf dem natürlichen Untergrund ist man immer wieder zum Improvisieren gezwungen, Rückschläge werden ob des hohen Tempos oft nur geblockt, manchmal ist ein Vorhandslice (der unüblichste Schlag im Profitennis) der einzige Ausweg.

Für all das braucht es Matcherfahrung, doch die fehlt Thiem auf Rasen (noch). Der Verzicht auf ein Vorbereitungsturnier nach der aufwühlenden Sandplatzsaison sei dennoch die richtige Entscheidung gewesen, betont der French-Open-Finalist. Die Trainings- und Turnierplanung erfordert von den Spielern und Trainerstab viel Fingerspitzengefühl. Investiert Thiem künftig mehr in die kurze Rasensaison, zahlt er womöglich im Spätsommer auf den Hartplätzen und bei den US Open den Preis dafür.

Auch in diesem Punkt werden auf sein neues Trainerteam und Management einige Fragen zukommen.