PRESSEKONFERENZ ERSTE BANK OPEN: THIEM / STRAKA

┬ę APA/HERBERT NEUBAUER / HERBERT NEUBAUER

Sport Tennis
03/25/2021

Straka zu Thiem: "Am Ende des Tages ist er ein Mensch"

Das anhaltende Leben in der "Blase" mit keinen Zuschauern und auch ohne Familie oder Freundinnen im Umkreis, fordere Tribut, sagt Thiems Manager.

Seit rund einer Woche ist Dominic Thiem von seiner verpatzten "W├╝sten-Tour" aus Doha und Dubai in die Heimat zur├╝ckgekehrt. Der US-Open-Sieger hat sich den Trip in die "Corona-Bubble" nach Miami zum diesw├Âchigen Masters-1000-Turnier erspart und konzentriert sich ganz auf die Sand-Saison. Gleichzeitig gilt es, Wehwehchen auszuheilen und auch ein bisschen etwas f├╝r die Seele zu tun.

Denn auch wenn speziell die besten Tennis-Spieler der Welt privilegiert sind: das anhaltende Leben in der "Blase" mit keinen Zuschauern und auch ohne Familie oder Freundinnen im Umkreis, fordert Tribut. Das ist auch f├╝r Thiem-Manager Herwig Straka der vorwiegende Grund f├╝r die mauen Leistungen seines Sch├╝tzlings. "Die Erkl├Ąrung ist: am Ende des Tages ist er ein Mensch. Menschen haben ihre Stimmungen, sind abh├Ąngig von ├Ąu├čeren Gegebenheiten", erl├Ąuterte Straka am Donnerstag im APA-Gespr├Ąch. "Wenn es so wie in Australien ist, dass du wochenlang in Quarant├Ąne gehst, damit du dann vor Publikum spielst und dann wird das wieder ausgeschlossen, dann hat das nat├╝rlich einen Effekt."

Dies betreffe nicht nur Thiem selbst, sondern viele Spieler. So haben sich zuletzt verst├Ąrkt Spieler in den sozialen Netzwerken ├╝ber diverse Unzufriedenheiten ge├Ąu├čert, darunter auch das stark reduzierte Preisgeld. "Die ganze Diskussion und die steigende Aggressivit├Ąt auch in den Postings hat damit zu tun, dass sie alle unzufrieden sind mit der Bubble-Situation." Dass dies in gewisser Weise ein Spiegelbild der Gesellschaft ist, die teilweise auf die verordneten Ma├čnahmen gegen die Pandemie auch immer gereizter reagiert, verneint der Steirer nicht. "Die Spieler wissen sehr genau, dass sie privilegiert sind, aber es ist Fakt, dass eine Bubble mental ein Wahnsinn ist."

R├╝ckkehr nach Belgrad

Zum angeschlagenen Fu├č, den Thiem selbst schon vor Doha als ein altes, wiederkehrendes Problem bezeichnet hatte, das fast nur auf Hartplatz auftritt, wollte der Manager wenig sagen. "Da wird er selbst noch Stellung nehmen. Der Fu├č, glaube ich, ist ein geringeres Problem in der Situation."

Neu ist eine kleine ├änderung im Turnierplan: Thiem steigt nach Ostern ab 11. April beim Masters-1000-Event in Monte Carlo wieder in die Tour ein, spielt danach aber nicht beim 500er-Turnier in Barcelona, sondern beim 250er in Belgrad. In Spanien w├Ąre Thiem wegen der Absage im Vorjahr eigentlich Titelverteidiger. Danach spielt Thiem Madrid, Rom und die French Open.

In Belgrad wird das Turnier vom Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic quasi mitveranstaltet, die Matches gehen in seinem "Novak Tennis Center" ├╝ber die B├╝hne. Dass es vor Jahresfrist wegen ├╝berbordender Zuschauerzahlen bei der "Adria Tour" an selber Stelle und auch ausgelassenen Partys zu mehreren Coronaf├Ąllen gekommen ist (darunter Djokovic selbst, Grigor Dimitrow, Borna Coric, Viktor Troicki und "Djoker"-Coach Goran Ivanisevic), hat die Entscheidung nicht erschwert.

"Es hat ihm in Belgrad trotz der Vorkommnisse recht gut gefallen. Man muss nicht immer das gleiche Turnier spielen", so Straka. Ob er das als Manager gerne sieht? "Wenn ich es nicht unterst├╝tzen w├╝rde, w├╝rde er es nicht machen." Der Steirer geht davon aus, dass man bei den Organisatoren aus der Vergangenheit gelernt hat.

"Fakt ist, dass in Pandemiezeiten nicht mehr Geld da ist"

Straka ist auch im siebenk├Âpfigen ATP-Board of Directors f├╝r viele Entscheidungen mitverantwortlich. Wie sieht er die teils harsche Kritik von Spielern? "Dass viele Spieler ├Âffentlich Kommentare abgeben, ist ihr gutes Recht, aber f├Ârderlich ist es nicht. Fakt ist, dass in Pandemiezeiten nicht mehr Geld da ist. Auch wenn die Spieler immer glauben, die Turniere verdienen so viel Geld." An der u.a. auch von John Isner geforderten, besseren Transparenz wie es zu den Preisgeld-Adaptionen kommt, weil etwa Miami dank Sponsoren und TV-Werbevertr├Ągen auch ohne Zuschauer gutes Geld lukriere, wird laut Straka gearbeitet.

"Wir sind stolz, dass wir die Tour durchf├╝hren. Im Unterschied zu den meisten anderen Sportarten haben wir eine Tour", erkl├Ąrt Straka und f├╝gt hinzu: "Die ATP wird immer mit einer NHL oder einer Formel 1 verwechselt. Das sind individuelle Turniere, die sich hintereinander anreihen. Jedes hat eigene Vorschriften und Regulative. Wir tun uns da nicht so leicht, Dinge durchzusetzen."

Selbst f├╝r die vermarktungstechnisch lukrativsten Grand-Slam-Turniere macht es die anhaltende Pandemie finanziell immer schwieriger. Dies verlautete k├╝rzlich ATP-Boss Andrea Gaudenzi. "Ein Jahr ist aushaltbar, aber zwei Jahre hintereinander oder gar drei ist selbst f├╝r die Grand Slams ein Problem. Die brauchen auch 'Sauerstoff'", so der Italiener.

Die immer wieder auftauchenden Vorschl├Ąge nach einer l├Ąngeren, lokalen Bubble nach NBA-Vorbild, seien gepr├╝ft worden, erkl├Ąrte Straka. "Im Tennis sind wir global, spielen auf verschiedenen Kontinenten und Zeitzonen. Man w├╝rde nicht nur Ticketverk├Ąufe verlieren, sondern auch Sponsoren." Es w├╝rde nur das Reise-Problem l├Âsen, nicht aber die finanziellen Sorgen.

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