Jungstar Lilli Tagger: „Vieles ist noch ein bisschen eigenartig“

In Linz dreht sich alles um Jungstar Lilli Tagger. Wie das Umfeld der erst 18-Jährigen die Karriere lenkt und wie sie selbst ihren Aufstieg erlebt.
TENNIS - WTA, Ladies Open Amstetten

Die Vorfreude war ihr anzumerken, ein Lächeln stand ihr im Gesicht. Das Wort Druck stand darin nicht geschrieben. Lilli Tagger bestieg um halb elf frohen Mutes den Lift des Spielerinnen-Hotels, der sie ins Foyer brachte, von wo sie direkt die paar Schritte ins benachbarte Design Center zum Training marschierte. 

„Ich bin gut drauf“ sagte sie und bejahte die Frage, ob sie denn wirklich schon auf 1,87 Meter raufgeschossen sei.

Die Vorfreude auf ihren ersten Einzel-Auftritt beim Linzer Traditionsturnier ist ebenso groß. Erst einmal war Österreichs große Hoffnung da, als sie 2021 geehrt wurde. Damals noch in der TipsArena. Nun ist sie auch Teil der großen österreichischen Tennis-Familie, nachdem sie bei den kleineren ITF-Turnieren in Amstetten (Finale) und Wien-LaVille (Halbfinale) bereits famos aufschlug.

Ihre eigene Familie ist auch da, Vater Stephan, Mutter Sabine, Schwester Emma und Bruder Ben. Die Zeit ist reif. Reif, dass die 18-Jährige nun auch in Österreich die große Bühne betritt. Es gehört zum Stufenplan, den ihre italienische Trainerin Francesca Schiavone, bei der sie seit Ende 2023 trainiert, aufgestellt hat. „Sie hat seit 2025 einen Dreijahres-Plan bis 2027 und sie ist bereits weiter als geplant“, erzählt Vater Stephan.

Weiterentwicklung

„Man muss immer eine gewisse Balance halten. Aber es ist wichtig, dass sie vermehrt auf der großen Bühne spielt“, sagt Stephan Tagger. Wie bei den Millionenturnieren in Indian Wells und Miami, wo sie Wild Cards bekam und jeweils zumindest ein Match gewann. Dort hat sie nicht nur bessere Trainingsmöglichkeiten und vor allem Trainingspartnerinnen.

Wichtiger Lernprozess

 „Matches gegen Topleute sind wichtig. Die ersten Male wird man einen draufkriegen. Wenn man aber 20, 30 Mal gegen sie spielt, wird man irgendwann so gut sein wie sie.“ Umkehrschluss: Wenn man nur auf der kleineren Tour spielt, hat man größere Siegeschancen und damit auch die Chance, mehr zu punkten. Aber für die Weiterentwicklung sind die Partien gegen große Spielerinnen besser.

Ein Problem sei, dass viele glauben, dass Lilli Tagger nun alles niederreißt. Auch die Gegnerin beim Upper Austria Ladies am Dienstag (16 Uhr, ORF 1). „Diese ist derzeit nur die 102 der Welt, werden viele sagen. Aber sie ist eine Spielerin von Weltklasseformat“, sagt Sabine Tagger. „Tenniskenner wissen, dass sie schon die Nummer zwei war.“ 

Gemeint ist die Spanierin Paula Badosa. Also ein echter Weltstar, der zuletzt Verletzungs- und auch Motivationsprobleme hatte. Die ehemalige Freundin von Stefanos Tsitsipas spricht in den höchsten Tönen von Lilli Tagger. „Ich habe mit ihr im Vorjahr in Dubai trainiert. Sie ist sehr talentiert, ich mag es, mit solchen Topspielerinnen zu trainieren“, sagt Badosa. Eigentlich ein Ritterschlag.

Abheben wird Lilli Tagger deshalb nicht, dafür sorgt auch Schiavone, die freilich in Linz ist. Ihr Schützling sucht nicht das Rampenlicht. Natürlich gibt es viele Side-Events bei Turnieren, wo die Profis verpflichtend dabei sein müssen. „Reißen tut sich Lilli nicht darum“, sagt Stephan Tagger, der nicht allzu oft zu den Turnieren nachkommt. „Lilli ist bei den Turnieren gewissermaßen in einer Blase drinnen rund um ihr Team. Sie will gar nicht, dass sich viel verändert. Deshalb ist die Familie nicht oft dabei“, sagt Sabine Tagger.

So fehlte beim Familienessen beispielsweise am Montagabend in Linz mit Lilli nur ein Tagger-Mitglied.

Große Leichtigkeit

Das Wichtigste ist aber, dass die Osttirolerin ihre Leichtigkeit behält. „Mein Team hält sehr viel von mir fern“, sagt Österreichs Jungstar. „Dass jetzt größere Aufmerksamkeit besteht, ist auch ein Zeichen, dass wir viele Dinge richtig gemacht haben. Aber natürlich ist es noch eigenartig. Ich musste lernen, mit Druck umzugehen, mein Team hat mir da sehr geholfen.“

Eingespielt ist sie in Linz, mit Anastasia Potapowa verlor sie im Doppel nach vier Matchbällen. „Wir haben einige Sachen probiert und hatten auch Spaß“, so Lilli Tagger. „Jetzt weiß ich ein bisschen, was mich am Dienstag erwartet.“

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