Es wird ein g’schmackiger Sonntagsbrunch für die Tennisfans in Europa, wenn Rafael Nadal und Daniil Medwedew ab 9.30 Uhr MEZ in Melbourne auf den Titelgewinn bei den Australian Open aufschlagen. Beide Finalisten könnten dabei Geschichte schreiben, jeder auf seine Weise.
Rafael Nadal (35), unverwüstlicher Tennis-Evergreen, kämpfte sich nach einer langwierigen Verletzung zurück an die Spitze und möchte die bisherigen Leistungen seiner langen Karriere mit seinem 21. Erfolg bei einem Grand-Slam-Turnier krönen. Es wäre ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber Roger Federer (SUI) und Novak Djokovic (SRB), die wie der Spanier bei 20 Titeln halten.
Der Russe Daniil Medwedew (25) hat für Sonntag ganz anderes im Sinn und möchte Nadal ebenso die angerichtete Suppe versalzen, wie er das schon bei den US Open im September 2021 getan hatte. Damals hatte er Djokovic bei dessen Bestreben auf den 21. Titel gestoppt. Medwedew bestreitet sein insgesamt viertes Grand-Slam-Finale und könnte am Sonntag den zweiten Titel in Folge holen. Damit würde er sich zum legitimen Thronfolger der „Big Three“ machen.
Der KURIER warf einen Blick auf die beiden Kontrahenten. Klar ist vor dem Endspiel am Sonntag nur eines: Es wird ein historisches Finale.
Was ursprünglich Novak Djokovic im Visier hatte, könnte nun Rafael Nadal gelingen: der 21. Gewinn eines Grand-Slam-Turniers. Doch der Spanier behauptete nach dem 6:3, 6:2, 3:6, 6:3 über den Italiener Matteo Berrettini, dass ihm diese Zahl derzeit nicht im Kopf herumschwirrt. „Für mich geht es um die Australian Open – mehr als um alles andere. Ich fühle mich sehr glücklich, dass ich einmal gewonnen habe. Ich hätte nie an eine weitere Chance 2022 gedacht.“
Denn zu ungewiss war sein Antreten nach seiner langwierigen Fußverletzung. „Vor eineinhalb Wochen wusste ich nicht, ob ich es wieder zurück auf die Tour schaffe, weil wir das Problem lange nicht lösen konnten.“ Der Altmeister schaffte es, in eindrucksvoller Manier.
Für Nadal ist es sein erstes Melbourne-Endspiel seit drei Jahren, das 29. Grand-Slam-Finale insgesamt. „Es bedeutet mir eine Menge, hier wieder im Finale zu sein“, sagte Nadal nach seinem 500. Hartplatzsieg.
13 Jahre nach seinem bisher einzigen Australian-Open-Sieg sind Nadals Aussichten glänzend, sofern die Fitness des 35-Jährigen für ein weiteres Match ausreicht.
Nadal, der einst verbissene Kämpfer, der als Gegenstück zum eleganten Roger Federer galt, betrachtet seine Leidenschaft Tennis nun aus einem anderen Blickwinkel, wie er zuletzt zugab: „Ich kann mich nicht beschweren, vor allem nicht in Zeiten wie diesen, wo so viele Menschen sterben. Meine letzten Monate waren nicht schwierig im Vergleich zu dem, was vielen Familien zugestoßen ist, die ihre Lieben verloren haben. Das ist schwer, nicht das, was ich durchgemacht habe.“
Ein letzter Kraftakt fehlt dem Champion aus Mallorca noch, um sich von den Titeln her über Federer und Djokovic zu erheben. Der eine würde applaudieren, der andere in eine Tischkante beißen.
DANIIL MEDWEDEW: DER RUSSISCHE SPIELVERDERBER
Der Russe ist drauf und dran, die Dominanz der „Big Three“ zu durchbrechen. Federer ist nach wie vor rekonvaleszent, Djokovic wurde ungeimpft heimgeschickt, somit bleibt nur noch Nadal übrig, der sich im finalen Schlagabtausch dem 25-Jährigen in den Weg stellt. Medwedew bestreitet sein insgesamt viertes Grand-Slam-Endspiel und schließt in dieser Rangliste zu Thiem und Wawrinka auf. Nur die drei Großen sind außer Reichweite und werden es auch bleiben: Djokovic und Federer halten bei 31 Finalspielen, Nadal bei 29.
Medwedew will auch in Melbourne den Spielverderber geben. Im vergangenen September hatte er bei den US Open in New York Djokovic an dessen 21. Grand-Slam-Triumph gehindert, selbiges hat er nun mit Nadal vor. Das Publikum wird er beim Endspiel nicht in seinem Rücken wissen, zumal er es sich im Laufe des Turniers immer wieder mit ihm verscherzt hat.
Auch nach dem 7:6, 4:6, 6:4, 6:1 im Halbfinale gegen Stefanos Tsitsipas mischten sich Buhrufe in den verdienten Applaus. Der Hintergrund: Medwedew beanstandete, dass der Grieche aus dessen Box gecoacht wurde und attackierte den spanischen Schiedsrichter Jaume Campistol, weil dieser ihm bei dem Disput nicht die gewünschte Aufmerksamkeit schenkte: „Bist du blöd? Schau mich an, wenn ich mit dir rede“, fauchte Medwedew, der später zugab: „Diese Emotionen haben mir nicht geholfen. So habe ich auch schon Spiele verloren. Das war ein Fehler von mir.“
Medwedew weiß jedenfalls, was mit Rafael Nadal auf ihn zukommt: „Ich spiele schon wieder gegen einen der Größten. Und schon wieder will einer gegen mich seinen 21. Grand-Slam-Sieg feiern. Rafa ist in diesem Turnier sehr stark, aber ich bin bereit und werde alles geben“, verspricht der Russe.
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