Top bei den Australian Open: Wie viel Österreich steckt in Potapova?
In Runde drei gegen Aryna Sabalenka: Anastasia Potapowa
Es sind die Tage, auf die man sich im österreichischen Tennis besonders freut. Wenn eine Nummer eins des Landes die Nummer eins der Welt bei einem Grand-Slam-Turnier fordert.
Anastasia Potapova tut dies, und zwar am Freitag, bei den Australian Open wartet da die Belarussin Aryna Sabalenka, die hier in den jüngsten drei Endspielen stand, zwei davon gewonnen hat und damit durchaus den Namen Queen von Melbourne verdient.
Zwei Dinge machten dies möglich: Zum einem schlug Popatova mit der Britin Emma Raducanu die US-Open-Siegerin von 2021 mit 7:6 (3), 6:2, zum anderen ist sie seit Dezember Österreicherin – sonst hätte dieses Duell im Lande wohl keinem interessiert.
Potapova fühlt sich nach eigenen Angaben auch so. „Österreich ist zunächst meine zweite Heimat gewesen, inzwischen aber meine erste“, sagt die 24-Jährige. In feinem Englisch, Deutsch kann sie nicht. Ihre Wortwahl bei den Interviews („Österreich ist ein Land, das ich liebe, das unglaublich gastfreundlich ist und wo ich mich total zu Hause fühle“) glich jener ihrer ehemaligen Landsfrau Darja Kasatkina, die im vergangenen März Australierin wurde.
Überall daheim
Zumindest soll die rot-weiß-rote Neuerwerbung eine Wohnung in Wien besitzen, sie hat aber auch eine in Dubai, wo sie witterungsbedingt logischerweise öfter trainiert. Und auch in Bratislava wohnte sie bereits, wie der KURIER erfuhr.
In der Tennis-Szene ist sie schon länger bekannt, weil sie bei den Junioren zu den Besten zählte. Von 2022 bis 2024 war sie mit Landsmann Alexander Schewtschenko zusammen (kurz auch verheiratet), der in der Südstadt bei Günter Bresnik („Wir sind beim Essen ein paar Mal zusammengesessen“) trainierte und mittlerweile Kasache ist.
Der Österreichische Tennisverband (ÖTV) war freilich bei Potapovas Einbürgerung „behilflich“. „Den Antrag hat sie im Ministerium gestellt, das uns kontaktierte. Wir haben freilich die Einbürgerung unterstützt“, sagt ÖTV-Frauenchefin Marion Maruska. Dass dies innerhalb eines Jahres ging, ist nicht überraschend. Ein Prozedere, das normal sei.
Denn wie auch aus Zahlen des Bundesministeriums herausgeht, werden Sportleranträge kaum abgelehnt – ähnlich wie andere Promi-Einbürgerungen. Schließlich geht es (frei formuliert) um den Nutzen für die Republik. Insider sind sich einig, dass Potapova nicht allzu oft in Österreich sein wird – allerdings unter österreichischer Flagge Erfolge feiern kann.
Nicht teamreif
Für das Nationalteam (noch) nicht. Potapova hat noch keine Genehmigung, für das rot-weiß-rote Billie-Jean-King-Cup-Team zu spielen. Was aber wurscht ist – zeitgleich zum nächsten Auftritt vom Team um Kapitänin Marion Maruska geht in Linz das traditionelle WTA-Turnier über die Bühne.
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