Sport
16.08.2018

Skisprung-Coach Felder: „Das passiert nicht von heute auf morgen“

Österreichs Skispringer müssen eine neue Technik erlernen.

186 Tage sind es noch bis zur Heim-WM in Seefeld (19. Feber bis 3. März). Also noch genug Zeit, um richtig in Form zu kommen, aber vergleichsweise wenig, um den Sprungstil zu verändern. Genau vor dieser Herausforderung stehen jetzt freilich die österreichischen Skispringer. Die Österreicher sprangen zuletzt – weder Weltcupsieg noch Medaille im Olympia-Winter – auch deshalb hinterher, weil sie der Konkurrenz sprungtechnisch hinterherhinken. Das sind die ernüchternden Erkenntnisse der neuen Verantwortlichen im ÖSV-Adlerhorst, Mario Stecher (Nordischer Direktor) und Andreas Felder (Cheftrainer). „Die Top-Nationen haben bei der Sprungtechnik umgelernt, teilweise schon vor drei Jahren“, erklärt Felder, „wir müssen jetzt doppelt Gas geben und aufschließen.“

Einige ÖSV-Springer hatten ja in Materialproblemen die Ursache für den Abwärtstrend gesehen, die Analysen offenbarten etwas Anderes. „Das Material ist sicher nicht schuld. Wir müssen vor allem in der Technik den nächsten Entwicklungsschritt machen“, weiß Mario Stecher.

Das Hauptkriterium dabei ist die Übergangsphase vom Absprung in die perfekte Flugposition. Diese Zehntelsekunden entscheiden heute im Skispringen über Höhenflug und Absturz. „Du musst heute so schnell wie möglich die Flugposition einnehmen, sonst hat das für die Aerodynamik gleich enorme Auswirkungen“, weiß Stecher. „Das Skispringen verzeiht gewisse Fehler einfach nicht mehr.“

Diese langjährig einstudierten Bewegungsmuster zu verändern, ist für die Springer und Trainer gleichermaßen eine Sisyphos-Arbeit. Andreas Felder, der gerade mit einem Mini-Aufgebot zum Grand Prix nach Hakuba reiste, bittet um Geduld. „Ich bin davon überzeugt, dass jeder unser Springer das Zeug zum Sieger hat. Bis wir aber wieder regelmäßig oben auf dem Podest stehen, kann es noch dauern. So realistisch muss man sein. Das passiert nicht von heute auf morgen.“