© Kurier/Franz Gruber

Sport
04/02/2022

Profiboxer Marcos Nader: "Vielleicht ist es hier zu angenehm“

Der 32-Jährige über die Mühen eines WM-Titelkampfes, sein Leben zwischen Dancing Stars, High Society und der Knochenarbeit im Gym.

von Florian Plavec

Im Wiener Hotel Intercontinental hat Marcos Nader gleich zwei Titel vor den Fäusten. Der 32-jährige Mittelgewicht-Boxer trifft am Samstag im Rahmen der Bounce Fight Night auf den Deutschen Marten Arsumanjan. Seinem Gegner will Nader den EU-EBU-Titel entreißen, zugleich verteidigt er aber auch seinen Gürtel als IBF International Champion. Der Hauptkampf soll zwischen 21.30 und 22.00 Uhr (live ORF Sport +) beginnen.

Marcos Nader ist der derzeit bekannteste Boxer des Landes. 2004 schrieb der KURIER erstmals über ihn. Eine „begnadete Physis“ wurde dem damals 14-Jährigen bescheinigt; der kürzlich verstorbene Box-Experte Sigi Bergmann sprach von einem „Lebenszeichen einer im Totenbett liegenden Sportart“; das erklärte Ziel waren die Olympischen Spiele 2008, spätestens aber jene 2012.

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Dann wurde Nader vom Team Sauerland engagiert, dem damals wichtigsten Boxstall in Europa. Er war EU-Champion, hat viel erlebt: „Ich konnte damals mit Weltmeistern trainieren. Ich habe den Arthur Abraham (Weltmeister im Mittelgewicht, Anm.) gesehen, der im KaDeWe um 10.000 Euro Parfums gekauft hat. Ich hab’ mir gedacht, das kann ich auch, ich werde Weltmeister.“

Doch Leben und Karriere eines Boxers sind schwer planbar. „Die erste Watsche war, als ich den EU-Titel verloren habe“, sagt Nader. Dann ging er in einem Qualifikationskampf für die Olympischen Spiele 2016 K.o. „Vielleicht hat es vom Typ her nicht gereicht für den Weltmeistertitel“, sagt Nader. „Wir leben in einem supertollen Land, vielleicht ist es zu angenehm hier. Woanders muss man wahrscheinlich mehr kämpfen.“

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Dennoch, um die Verhältnisse zurechtzurücken: Das Mittelgewicht ist im Boxen eine der umkämpftesten Klassen. Und Nader ist zufrieden mit dem bisher Erreichten: „Ich bin die Nummer 5 der IBF-Weltrangliste. Vielleicht geht sich ein WM-Kampf doch noch aus – mit 32 bin ich auch noch nicht alt.“ Außerdem habe er dem Sport viel Gutes getan, viele Menschen zum Boxen animiert. „Mein Bruder und ich haben ein riesen Studio in Wien und wir leben dort den Sport. Wichtig sind nicht die Titel, sondern wie man sich als Mensch entwickelt hat.“

Entwickelt hat sich Nader zu einer Person des öffentlichen Lebens. Er machte gute Figur auf dem Parkett von Dancing Stars, er ist gern gesehener Gast in den Seitenblicken. Hat er die Prioritäten falsch gesetzt? „Natürlich muss ein Boxer auch im Gym sein. Aber ein Sponsor will die Breitenwirksamkeit eines charismatischen jungen Mannes. Wenn ich nur trainiere, werde ich nicht gesehen. Deshalb muss ich raus.“ Noch hat Nader einige Jahre, um sich seinen Traum vom WM-Kampf zu erfüllen. „Es gibt Leute, die mit 42 oder 44 Weltmeister geworden sind“, sagt er und stellt sogleich klar: „Aber mit 40 lass’ ich mir sicher nicht mehr auf die Birn’ hauen.“

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