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Peter Schröcksnadel wird 85: „Ich wäre damals fast gestorben“

Was Peter Schröcksnadel von Donald Trump hält, warum ihn die Biber nerven und weshalb er seit 65 Jahren nicht mehr betrunken war. Ein Interview zum 85. Geburtstag des ehemaligen ÖSV-Präsidenten.
Christoph Geiler aus Kössen
46-227392356

„Trink’ des, dann bisch a anderer Mensch und bleibsch fit!“ Peter Schröcksnadel stellt sich mit einem kleinen Präsent zum Geburtstagsinterview ein. 

Eine Großpackung Super Performance, der isotonische Vital- und Sportdrink, auf den der langjährige ÖSV-Präsident schwört. „Jeden Tag ein Glasl und du wirsch um zwoa Prozent besser.“

„Mateschitz bin ich keiner“

Als das Lieblingsgetränk vor einigen Jahren plötzlich nicht mehr am Markt war, machte Peter Schröcksnadel Geld flüssig und ist nun auch Getränkeproduzent.

 „Ein Mateschitz bin ich keiner, aber wer weiß: Vielleicht wird das mal groß“, erklärt der Multiunternehmer, der am Donnerstag (30. Juli) 85 wird und den Geburtstag wie immer in seinem Blockhaus in Kanada feiert. Vor der Abreise traf ihn der KURIER in Kössen.

Peter Schröcksnadel war drei Jahrzehnte lang ÖSV-Präsident

Peter Schröcksnadel war drei Jahrzehnte lang ÖSV-Präsident

Warum gibt’s keine große Geburtstagsfeier?

Erstens mag ich keine Feiern, zweitens: Was kann ich dafür, dass ich Geburtstag habe?

Wie kann man sich dann Ihren Geburtstag vorstellen?

Mein Sohn kommt nach Kanada, das freut mich – und viel mehr mache ich nicht. Ich werde vielleicht fischen gehen und dann irgendwann die ganzen Nachrichten beantworten. Normalerweise kriege ich schon einige hunderte SMS und es gehört sich natürlich, dass man dann antwortet. Wobei: So bekannt bin ich eh nimmer.

Warum Kanada? Was bedeutet Kanada für Sie?

Kanada war immer mein Jugendtraum. Für einen Fischer wie mich ist British Columbia ein Paradies. Dort ist noch Freiheit, die Politik ist weit weg, ich verbringe sicher zwei Monate im Jahr dort.

Peter Schröcksnadel verbringt zwei Monate im Jahr in Kanada

Peter Schröcksnadel verbringt zwei Monate im Jahr in Kanada

Und was machen Sie dann dort den ganzen Tag? 

Ich bin direkt am See und habe ein Motorboot. Das ist ein Leben ohne Stress. Wenn ich wirklich fischen will, dann fahre ich in den Norden, wo es die Steelhead gibt, die Stahlkopfforelle. Das ist die Königsdisziplin, es gibt Fischer, die fangen im ganzen Leben vielleicht zwei, drei Exemplare.

Und Sie? 

Es waren viele. Aber ich bin ja auch schon älter und kenn’ mich richtig gut aus damit. Ich weiß, wo man diesen Fisch findet und wie man ihn angelt. Das ist nicht ohne, du bewegst dich da ja mitten in der Wildnis.

Eben. Haben Sie denn keine Angst vor Grizzlies? 

Man muss schon aufpassen. Da wo ich bin, gibt“s viele Bären, wir sind uns schon öfters begegnet.

Was macht man dann? Flach auf den Boden legen, wie es immer heißt? 

Na, na. Du musst in der Situation halt ruhig bleiben. Ich bin beim Fischen immer bewaffnet, zum Glück habe ich noch nie schießen müssen.

Sie gehen ja schon fast als halber Kanadier durch: Was haben Sie sich gedacht, als Donald Trump erklärt hat, Kanada soll der 51. Bundesstaat der USA werden?

Was für ein Blödsinn. Dagegen werden sich die Kanadier extrem wehren, das ist überhaupt nicht gut angekommen. Ich behaupte sogar: Donald Trump ist in Kanada inzwischen ein Feindbild.

Themenwechsel: Wie aktiv sind Sie noch in ihren Unternehmen? 

Mein Sohn Markus ist heute in fast allen Betrieben Geschäftsführer. Ich bin der Aufsichtsratsvorsitzende und weiß natürlich über alles Bescheid, was passiert. Wir haben im Moment einige spannende KI-Projekte am Laufen. Da sind wir voll drin.

Was halten Sie von der KI? 

Unglaublich, was sich in diesem Bereich getan hat. Man muss die KI nutzen, aber gescheiter als wir Menschen sollte sie halt auch nicht werden. So neue Sachen interessieren mich, ich bin keiner, der ruhig auf der Couch sitzt, ich will immer etwas bewegen.

Kampf um die Fische

Peter Schröcksnadel hat den River and Nature Trust ins Leben gerufen. Mit dieser Naturschutzorganisation kämpft er um den Erhalt der heimischen Flusslandschaften und den Lebensraum der Fische. 

In Kössen, wo Peter Schröcksnadel ein Fischwasser besitzt, ist gerade ein kleines Bächlein versiegt. Darüber kann er sich maßlos ärgern. Er zeigt einige Bilder auf seinem Handy.

Worüber regen Sie sich so auf? 

Man bekommt ja oft zu hören, dass man keinen Fisch mehr essen sollte. Wo sind wir denn? Jetzt haben wir die ganzen Vögel da: Kormorane, Reiher, dazu die Fischotter – die fressen uns die Flüsse leer. Und was erst der Biber anrichtet.

Was stellt er denn an? 

Der staut mit seinen Bauten die kleinen Bäche auf, dadurch wird das Wasser wärmer. Und jetzt können die Fische dort nicht mehr laichen, das Wasser ist verdreckt. So kann man Natur- und Artenschutz nicht betreiben. Genau aus diesem Grund habe ich die Organisation gegründet. Es wird nur einseitiger Artenschutz betrieben, mir fehlt da das Umweltmanagement und der Blick auf das Ganze.

Welche Herzensprojekte verfolgen Sie heute sonst noch? 

Ich engagiere mich seit 2013 in der Krebsforschung. Wir sind da heute schon sehr weit, unser Medikament ist wirklich vielversprechend.

Peter Schröcksnadel bei einer Medaillenfeier

Peter Schröcksnadel bei einer Medaillenfeier

Wie ist es dazu gekommen? 

Ich war fischen, wieder einmal, und plötzlich hatte ich einen akuten Harnverhalt. Dummerweise war das auf einer abgelegenen Insel. Ich wäre damals wirklich fast gestorben. In Vancouver haben sie mich wieder hingekriegt und mich hervorragend behandelt. Zwei Monate später bin ich zurück ins Krankenhaus und habe mich bei den Ärzten bedankt. Die Klinik konnte damals einen wichtigen Professor aus Dänemark nicht mehr bezahlen. Ich hab’ mich bereit erklärt, die Hälfte seines Gehalts zu übernehmen und so hat sich dann alles ergeben. Heute forschen Mediziner aus Vancouver, Kopenhagen, Innsbruck und Linz an diesem Medikament. Und ich habe im Hintergrund sehr viel Geld dafür zusammengesammelt.

Apropos Geld: Ist Peter Schröcksnadel eigentlich reich?

Ich bin vor allem reich an Erfahrung. Aber sonst: Was heißt schon reich? Mir ist es immer gut gegangen. Grundsätzlich ist mir Geld nicht so wichtig, und ich brauch’ auch keine Statussymbole. Ich hatte einmal für kurze Zeit eine Jacht. Wissen Sie, was die zwei schönsten Tage für einen Jachtbesitzer sind?

Verraten Sie’s. 

Der Tag, an dem du sie kaufst. Und dann der Tag, an dem du sie wieder los bist.

Eine Nobeljacht passt irgendwie auch nicht zu Ihnen. 

Eben. Die High Society ist mir wurscht. In dieser Welt habe ich nichts verloren. Ich bin so oft zum Opernball eingeladen worden, aber was soll ich dort? Ich würde mich den ganzen Abend langweilen. Ich bin ein Naturmensch.

Sie sie eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, die immer was zu sagen hatte. Hatten Sie nie Ambitionen, in die Politik zu gehen? Gab es je Angebote? Es hat schon Ansätze und Ideen gegeben, aber es ist nie so weit gekommen. Es ist kein Geheimnis, dass ich mit Wolfgang Schüssel gut befreundet bin. Wenn ich ehrlich bin, hat mich die Politik aber nie wirklich gereizt. Da kann’s sein, dass man nach drei Jahren wieder weg ist. Beim Skiverband war ich dreißig Jahre.

Gutes Stichwort: Ist Ihnen aufgefallen, dass wir noch kein Wort über den ÖSV verloren haben? 

Ich beschäftige mich auch nicht mehr damit, weil ich inzwischen weit weg bin. Ich mische mich nicht ein, die Ära ist vorbei und ich werde auch sicher niemanden drein reden. Ich hätte das als Präsident übrigens auch nicht gewollt, dass jemand bei mir gscheit daherredet.

Dann lassen Sie uns doch über den Sport in Österreich reden: Ist Österreich in Ihren Augen eine Sportnation? 

Eigentlich nicht. Dafür fehlt uns in Österreich allein schon die entsprechende Infrastruktur. In Planica haben sie eine moderne Schanzenanlage mit Windtunnel und Indoorloipe, davon können wir nur träumen. Da sind wir ja weit, weit weg. Wir Österreicher gewinnen nicht wegen der Infrastruktur, sondern trotz der Infrastruktur. Wir bringen immer gute Athleten heraus, aber das sind sehr oft Einzelsportler oder kleine Zellen, die erfolgreich arbeiten. Die Norweger dürfen sich Sportnation nennen, auch wegen ihrer Lebensart. Die bewegen sich in der Natur, übernachten bei minus 20 Grad im Freien. Das ist genau meins.

Sie wirken mit 85 extrem fit, wie sehr schauen Sie auf Ihren Körper? 

Ich bin sicher kein Asket. Ich esse, was ich will, ich trinke ab und zu einen Wodka. Aber ich war seit 65 Jahren nicht mehr betrunken.

Das wissen Sie so genau? 

Ja. Damals war ich in Thaur auf einem Schützenball und meine Freunde haben mich mit Schnaps abgefüllt. Das war mir eine Lehre. Bis heute.

Abschließend: Welche Wünsche haben Sie? 

Dass ich gesund bleibe. Alt werden ist gut, aber man sollte eine Lebensqualität haben. Und die habe ich im Moment noch. Das genieße ich.

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