Olympia in Bormio: Erfolgreiche Raser und Verkehrssünder

Medaillenanwärter: Der Oberösterreicher Vincent Kriechmayr fährt auf der Stelvio die Abfahrt und den Super-G.
Ewige Erfolge, schwerer Unfall, vergessene Autos - in Bormio, dem Ort der Olympia-Abfahrt, sorgten schon viele Österreicher für Aufsehen.
Wolfgang Winheim

Wolfgang Winheim

Bormio, wo am Samstag mit der Herren-Abfahrt der alpine Olympia-Auftakt erfolgt, bekam in Italien erst viel später Weltcup-Status als Cortina und Gröden. Umso rascher aber einen einschlägigen Ruf. Ähnlich schwer, ja bei diffusem Licht sogar noch heikler als Kitzbühel, hieß es über die steile „Pista Stelvio“. Und das nicht nur wegen des San-Pietro-Schusses, auf dem 145 km/h erreicht werden.

Es dauerte, bis sich das auch unter dem in Bormio urlaubenden Mailänder Geldadel herumsprach. Anfänglich hatten mehr NerzmantelträgerInnen die enge Via Roma im idyllischen Mini-Städtchen als Zuschauer in Skibekleidung die zentrumsnahe mobile Stahlrohrtribüne frequentiert. Zwecks mehr Medienpräsenz lud man auch italienische Fußball-Reporter ein. Worauf diese nicht weniger als 21 Mal über österreichische Weltcupsiege (Schweiz 9, Italien 7) berichten mussten.

Fünfmal schneller Dreier

In Bormio feierte der ÖSV (dank Michael Walchhofer, Fritz plus Pepi Strobl, Hermann Maier, Hannes Trinkl, Stephan Eberharter, Hans Grugger, Christian Greber, Werner Franz und Andreas Schifferer) fünf Dreifach-Siege im Weltcup.

In Bormio gewann der spätere 2001er-Weltmeister Trinkl (heute FIS-Renndirektor) zwei Mal.

In Bormio ertönte allein zu Ehren des 2003er-Weltmeisters Walchhofer (heute Hotelier und Weltcup-OK-Boss von Zauchensee) drei Mal die Bundeshymne.

In Bormio siegte das spätere Kitzbühel-Opfer Grugger (2011 tagelang im Koma, heute zweifacher Vater und AHS-Lehrer) zum ersten Mal.

In Bormio gewann 2020 auch der inzwischen dreifache Olympiasieger Matthias Mayer (heute Betreuer beim ÖSV-Nachwuchs).

FIS Alpine Ski World Cup - Men's Giant Slalom

Kein Start: Marco Schwarz hat schlechte Erinnerungen. 

In Bormio schien freilich nicht immer für Österreicher die Sonne. So erlitt Marco Schwarz, abgeworfen von der Stelvio, Ende Dezember 2023 einen Kreuzbandriss. Den der Allrounder inzwischen so gut verkraftet hat, dass er bei Olympia in Super-G und Riesenslalom zu den Medaillenanwärtern zählt. Die Abfahrt lässt er aber aus.

Die Bormio-Erinnerungen des genialen Hermann Maier werden sich eher auf seine drei Bormio-Siege (zweimal Abfahrt, einmal Super-G), seinen ihm dort 2005 nicht mehr zugetrauten Riesenslalom-WM-Triumph und den Gesamtweltcup-Sieg 2000 (mit dem damaligen 2000-er-Punkte-Rekord) als auf die dafür erfolgte intensive Feier beschränken. Danach hatte er sein Auto nach Mitternacht mitten auf der Hauptstraßen-Brücke „vergessen“ und so am nächsten Morgen ein Verkehrschaos ausgelöst.

Stichwort Auto: Bei der Anreise von Österreich nach Bormio sind statt Vollgas im G’radausfahren Kurventechnik und ein guter Magen wichtig.

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