ATHLETICS-OLY-2020-2021-TOKYO

© APA/AFP/ANDREJ ISAKOVIC / ANDREJ ISAKOVIC

Sport
07/31/2021

Olympia-Finale über 100 Meter: Duell mit der schnellsten Mama der Welt

Shelly-Ann Fraser-Pryce ist die Gejagte und könnte der 33 Jahre alten Weltrekordmarke von Florence Griffith-Joyner noch näher kommen.

von Günther Pavlovics

„Ta Lou hat sich für heute noch nicht einmal geschminkt.“ Für die Schweizer Sprinterin Mujinga Kambundji war das am Freitag ein Zeichen, dass es für sie sehr schwer wird, beim heutigen Finale über 100 Meter um eine Medaille mitzulaufen ( 14.50 Uhr MESZ).

Es geht um den Titel der schnellsten Frau der Welt. Und Marie-Josée Ta Lou ist eine der Favoritinnen auf Edelmetall. Die 32-Jährige von der Elfenbeinküste lief am Freitag bei den Vorläufen die schnellste Zeit. 10,78 Sekunden, so schnell war Ta Lou noch nie in ihrer Karriere, die 1,59 Meter kleine Sprinterin hat auch noch keinen großen Titel gewonnen, ist aber in der Form ihres Lebens. Vor fünf Jahren war sie in Rio nur auf Platz vier gelandet.

Athletics - Women's 100m - Round 1

Die beiden anderen großen Favoritinnen kommen aus Jamaika und haben ihren Anspruch auf Gold auch gestern bekundet. Elaine Thompson-Herah wurde in 10,82 Sekunden gestoppt. Sie ist mit knapp 29 Jahren nicht nur die Jüngste im Trio, sondern mit 1,68 Metern auch die Größte. Vor fünf Jahren hatte sie in Rio Gold über 100 und 200 Meter geholt.

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Zwei Olympiasiege

Shelly-Ann Fraser-Pryce ist gestern in 10,84 Sekunden gestoppt worden. „Ich glaube einfach, dass mir Gott ein gewaltiges Geschenk gemacht hat“, sagte die Jamaikanerin nach ihrem Vorlauf, in dem sie unterstrichen hatte, mit stolzen 34 Jahren zum dritten Mal Olympiasiegerin werden zu können, was noch keiner Frau gelungen ist.

Die 34-Jährige hat 2008 und 2012 Gold geholt, 2016 in Rio Bronze. Ein Jahr später kam Sohn Zyon zur Welt. Dass Fraser-Pryce 13 Jahre nach ihrem ersten Olympiasieg in der Form ihres Lebens läuft, in einem Alter, in dem die meisten Sprinterinnen längst in Rente sind, ist erstaunlich. Für die Jamaikanerin keineswegs. Gott habe sie eben mit körperlicher Haltbarkeit gesegnet, „und das Jahr Pause mit der Geburt meines Sohnes hat mich einfach jünger gemacht“, sagte sie am Freitag.

Das 1,52 Meter kleine Muskelbündel ist im Juni dieses Jahres 10,63 gelaufen. Schneller als die Dame aus Kingston war nur Florence Griffith-Joyner. Die US-Amerikanerin stellte im Jahr 1988 mit 10,49 den aktuellen Weltrekord auf. Zehn Jahre danach starb sie mit erst 37 Jahren.

In solche Regionen könnte es auch in Tokio gehen, der Frauensprint ist stark wie seit vielen Jahren nicht. Kurz nach Freitagmittag Ortszeit knallte es im Großraum Tokio. Ein Gewitter. Es grollte der Donner, die Hitze entlud sich. Kurz zuvor hatten es sechs Sprinterinnen krachen lassen. Neben Ta Lou, Thompson-Herah und Fraser-Pryce blieben die Britin Daryll Neita sowie die beiden Schweizerinnen Mujinga Kambundji und Ajla Del Ponte unter der Elf-Sekunden-Marke.

Keine der US-Damen blieb unter elf Sekunden. Zumal mit Sha’Carri Richardson die Schnellste fehlt. Sie ist im April mit 10,72 die sechstschnellste Zeit überhaupt gelaufen. Die 21-Jährige erinnert durch ihr extravagantes Auftreten, ihre bunten Haare und ihre langen Fingernägel an Florence Griffith-Joyner. Während der Trials hatte sie Marihuana geraucht, um den Schmerz über den Tod ihrer Mutter zu bekämpfen. Der Verband nahm ihr den Sieg weg – und sie durfte nicht nach Tokio.

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