NBA: San Antonio Spurs at Dallas Mavericks

© USA TODAY Sports / Jerome Miron

Interview
10/18/2021

Jakob Pöltl: "Wer seine Meinung sagt, sollte auch informiert sein"

Der Wiener Basketballer über die Verantwortung als Profisportler, den Saisonstart in der NBA und warum er private Sponsordeals öfter ablehnt.

von Philipp Albrechtsberger

Jakob Pöltl gehört mittlerweile schon zum Inventar in der NBA. Der 26-jährige Wiener startet in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in seine sechste Spielzeit in der besten Basketball-Liga der Welt. Der 2,13 Meter große Center hat bei den San Antonio Spurs längst seinen Platz gefunden, wie auch die ganze Liga innerhalb der Gesellschaft. Geprägt von Afroamerikanern, gilt die NBA als die politischste Liga im gesamten US-Sportsystem.

KURIER: Herr Pöltl, wie politisch ist die NBA?

Jakob Pöltl: Es sind in den letzten Jahren große gesellschaftspolitische Themen aufgekommen, die Amerika tief gespalten haben. Ich finde es gut, dass sich die NBA und ihre Protagonisten nicht scheuen, einen Standpunkt zu beziehen. Man sollte das nicht als selbstverständlich erachten. Denn Klubs und vor allem die Spieler riskieren einiges, wenn sie sich dermaßen exponieren.

Gibt es Richtlinien vonseiten der Klubs oder Liga bei der Meinungsäußerung?

Ich kann zu jeder Zeit meine Meinung frei äußern. Es wird sogar ein Umfeld geschaffen, in dem man dazu ermutigt wird. Mir ist nur eines wichtig in diesem Zusammenhang.

Und zwar?

Wer als Sportler und daher als Vorbild für viele seine Meinung öffentlich äußert, der sollte auch entsprechend informiert sein. Die Fakten müssen sitzen.

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Viele in der NBA haben aufgrund ihrer Hautfarbe eine schwere Kindheit und Jugend in den USA erlebt. Ist es für Sie, aufgewachsen in Wien, schwieriger, Stellung zu beziehen?

Ich finde, dass ich schon eine Meinung zum Thema Rassismus haben kann, auch wenn ich nie in einer vergleichbaren Situation gewesen bin. Wir allen haben in den vergangenen Monaten genügend gesehen, gehört und von unseren Mitmenschen erfahren, um hier eine Grenze ziehen zu können. Viele Schilderungen meiner Teamkollegen, etwa zu rassistisch motivierter Polizeigewalt, haben mich fassungslos gemacht.

Auch auf dem Spielfeld sollen Sie heuer noch mehr Verantwortung übernehmen. Wie gehen Sie mit dieser Erwartungshaltung um?

Ich fühle mich durchaus geehrt, bei so einem großen Klub wie den San Antonio Spurs eine solche Rolle ausfüllen zu dürfen. Ich fühle mich bereit dazu. Dennoch ist mir klar, dass die eigene Leistung im Basketball von so vielen Faktoren abhängt, von denen man manche nie selbst beeinflussen wird können, etwa in welchen Team man spielt. Diese Art des Transfersystems muss man einfach akzeptieren.

Die Spurs sind unroutiniert und gelten als Außenseiter. Wie sind die Erwartungen?

San Antonio, diese Basketball-verrückte Stadt, wird immer hohe Erwartungen haben an sein NBA-Team. Uns ist aber bewusst, dass wir heuer oft die Außenseiterrolle einnehmen werden. Es wird sich erst zeigen, in welchen Konstellationen wir erfolgreich spielen können. Wir haben aber schon ausreichend Talent und den Hunger, um in die Play-offs zu kommen.

Bedeutet ein höherer Stellenwert innerhalb der Mannschaft auch automatisch eine Wertsteigerung für die Marke Pöltl?

Es ist nicht so, dass ich jedes Monat einen neuen riesigen Privatsponsor ans Land ziehe. Dafür gibt es größere Marken und Persönlichkeiten in der NBA. Es ist mir auch gar nicht so wichtig. Wir, also mein Management und ich, rennen keinem Unternehmen hinterher. Ich suche definitiv nicht aktiv, weil ich weiß, dass eine Partnerschaft auch viel Zeit auffrisst. Zeit, die ich lieber anderweitig verwende. Und eines ist für mich auch klar.

Was denn?

Ich verdiene schon jetzt mehr als genug Geld. Mehr, als ich jemals in meinem Leben brauchen werde.

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