Der Beste seiner Art: Ali begeisterte und faszinierte Generationen von Menschen.

© APA/AFP/PIGISTE

Abschied
06/04/2016

Der Größte hat seinen längsten Kampf verloren

Mit Muhammad Ali starb der bekannteste Sportler der Welt. Die Box-Legende litt an Parkinson. Auch ein Champion wie er musste 30.000 Kopftreffer hinnehmen.

von Wolfgang Winheim

"Die Menschen begreifen nicht, was sie hatten, bis es weg ist. Wie Präsident Kennedy. Es gab niemanden wie ihn. Wie die Beatles. Es wird nie wieder etwas geben wie sie. Wie mein Elvis Presley. Ich war der Elvis des Boxens."

Jetzt ist auch Muhammad Ali weg. Der Olympiasieger und dreifache ehemalige Schwergewichtsweltmeister litt seit 32 Jahren an der Parkinsonschen Krankheit. Das Zittern wurde immer schlimmer. Der Gleichgewichtssinn kam ihm völlig abhanden. In einem Krankenhaus bei Phönix, wohin Muhammad Ali am Donnerstag gebracht worden war, konnte sich der 74-Jährige von Atemproblemen nicht mehr erholen.

Von Barack Obama bis Donald Trump; von David Cameron bis zum spanischen Ministerpräsident Rajoy, von Madonna bis Ringo Starr; von Formel-Champion Lewis Hamilton bis zu den Klitschko-Brüdern und Boris Becker – Promis aus unterschiedlichsten Lagern melden sich betroffen zu Wort.

Muhammad Ali: Sein Leben in Bildern

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Muhammad Ali

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Gesperrt

Das weltweite Echo zwingt allerdings auch zur Feststellung, dass Ali nicht immer so gewürdigt wurde; dass er, vor allem nachdem er den Kriegsdienst in Vietnam verweigert und sich dem Islam zugewandt hatte, gesperrt und speziell für Rassisten in den US-Südstaaten zum Feindbild wurde; und dass es auch in Europa massive Vorbehalte gegenüber Ali gab, zumal der nicht nur ein großartiger Boxer, sondern auch ein Großmaul war.

Wenn Ali um die WM boxte und Sigi Bergmann vom Hietzinger ORF-Studio aus das Ringgeschehen in Übersee kommentierte, hockten in Österreich bis zu zwei Millionen Menschen in verrauchten Wirtsstuben vor Schwarz-Fernsehapparaten. Und das, obwohl die TV-Übertragungen bedingt durch die Zeitverschiebung erst um drei früh begannen.

Selbst in der Sowjetunion, wo das Profi-Boxen in den Zeiten des kalten Krieges verboten war, wurde der US-Amerikaner zum Idol.

Ali glich der personifizierte Ästhetik. Er sah konträr zu manch Fettsäcken in der höchsten Gewichtsklasse blendend aus. Kein Gramm Fett. Keine durch Anabolika aufgeblähte Muskelkraft. Keine deformierte Nase. Dabei hatte er, als er mit 18 in Rom Olympiasieger wurde, laut Bergmann schon 170 Amateurkämpfe bestritten.

Ali schien sich mit seinem jeweiligen Gegner zu spielen. Die Fäuste erst gar nicht schützend vor sein Gesicht gehalten, tänzelte er lässig vor ihm herum. Allein schon seine Top-Kondition schien Ali unverwundbar zu machen. Trotzdem soll er laut US-Studien in seiner Karriere zwischen 30.000 und 35.000 Kopftreffer kassiert haben. Sie seien – so Mediziner – der Hauptgrund gewesen, weshalb die Parkinsonsche Krankheit beim Modellathleten schon im 43. Lebensjahr ausbrach.

Den spektakulärsten Kampf zeigte Ali am 1.Oktober 1975 beim "Thrilla von Manila" gegen Joe Frazier. 28.000 drängten bei 32 Grad an den Ring. Die Klimaanlagen waren ausgefallen. Als Joe Fraziers Betreuer in der 12. Runde das Handtuch warf, sackte auch Sieger Ali in seiner Ecke zusammen. Im Vorfeld des Kampfes hatte Ali vor dem Mikrofon Kühnheit bewiesen, als er dem Gastgeber und damaligem philippinischen Diktator Marcos zurief. "Ich habe deine Frau gesehen. Du bist nicht so dumm, wie du aussiehst."

Die folgenschwerste Niederlage erlitt Ali am 2. Oktober 1980 gegen Larry Holmes. Alis Leibarzt trat daraufhin zurück, weil dessen Aufforderung zum Rücktritt ignoriert wurde.

Gezwungen

Nicht nur falscher Ehrgeiz, sondern auch finanzielle Gründe veranlassten den neunfachen Vater nach fünf Scheidungen zum verhängnisvollen Weiterboxen. Darüber hinaus sollen ihn die Black Muslims, denen er sich ideologisch überzeugt angeschlossen hatte, unter Druck gesetzt haben.

Auch wenn’s nie schwarz auf weiß bestätigt wurde: Der Wunderboxer ist auch ein Opfer der amerikanischen Spannungen zwischen Weiß und Schwarz gewesen. Ali wird in seiner Heimatstadt Louisville begraben werden.

Bei uns können Sie ab Montag eine Serie von Sigi Bergmann über Ali lesen.

Ich werde das Kämpfen nicht vermissen, das Kämpfen wird mich vermissen

"Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene." (Ali im Jahr 1964 vor seinem Kampf gegen Sonny Liston)

"Ich bin der König der Welt! Ich habe die Welt erschüttert." (Ali nach seinem Sieg gegen Liston)

"Ich bin so schnell, als ich letzte Nacht das Licht in meinem Hotelzimmer ausgemacht habe, war ich im Bett, ehe es dunkel war."

"Es ist schwer, bescheiden zu sein, wenn man so großartig ist wie ich." (Ali über sich selbst)

"Ich werde ihn so übel schlagen, dass er einen Schuhanzieher braucht, um seine Mütze aufzusetzen." (Vor dem Kampf gegen Floyd Patterson 1965)

"Ich habe keinen Streit mit dem Vietcong. Kein Vietcong hat mich jemals Nigger genannt." (Ali zur Begründung, warum er nicht in der US-Armee dienen wollte)

"Cassius Clay ist ein Sklavenname. Ich habe ihn nicht gewählt, und ich will ihn nicht. Ich bin Muhammad Ali, der Name eines Freien, und ich verlange, dass ihn die Leute verwenden, wenn sie mit mir und über mich reden." (Ali nach dem Wechsel seines Namens)

"Ich habe George Foreman beim Schattenboxen gesehen, und der Schatten hat gewonnen." (Vor dem "Rumble in the Jungle" gegen Foreman 1974)

"Ist das alles, was du hast, George?" (Ali während des "Rumble in the Jungle" im Ring zu George Foreman, nachdem dieser schwere Treffer gegen Ali gelandet hatte)

"Joe Frazier ist so hässlich, wenn er weint, kehren seine Tränen um und laufen an seinem Hinterkopf herunter." (Ali über einen seiner größten Rivalen)

"Ich habe deine Frau gesehen. Du bist nicht so dumm, wie du aussiehst." (Ali zum philippinischen Präsident Ferdinand Marcos kurz vor dem Kampf gegen Joe Frazier in Manila 1975)

"Boxen heißt, dass ein Haufen Weißer zwei schwarzen Männern dabei zusehen, wie sie sich verprügeln."

"Es ist nur ein Job. Gras wächst, Vögel fliegen, Wellen spülen Sand weg - ich verprügele Leute."

"Ich werde das Kämpfen nicht vermissen, das Kämpfen wird mich vermissen." (Ali über seine Karriere als Boxer)

"Ein Mann, der die Welt mit 50 genauso sieht wie mit 20, hat 30 Jahre seines Lebens verschwendet." (Ali über das Leben)

"Was ich körperlich erlitten habe, war das, was ich im Leben erreicht habe, wert. Ein Mensch, der nicht mutig genug ist, Risiken einzugehen, wird niemals etwas im Leben erreichen." (Ali 1984 in Houston)

"Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter. Irgendwann wirst du Recht behalten." (Ali über seine Lebensphilosophie)

"Die Menschen begreifen nicht, was sie hatten, bis es weg ist. Wie Präsident Kennedy, es gab niemanden wie ihn. Wie die Beatles, es wird nie wieder etwas wie sie geben. Wie mein Elvis Presley. Ich war der Elvis des Boxens." (Muhammad Ali)

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