Abu Dhabi Grand Prix

© REUTERS / AHMED JADALLAH

Sport Motorsport
12/13/2021

Nach WM-Drama: Warum der Verstappen-Triumph Red Bull die Welt bedeutet

Hinter der Dramatik im Formel-1-Finale steckte ein exakter, langer Plan und viel Mut. Die Mercedes-Dominanz ist gebrochen, doch die Zukunft bei Red Bull ist ungewiss.

von Philipp Albrechtsberger

Im Ziel. Und am Ziel. Max Verstappen ist Formel-1-Weltmeister 2021. So nüchtern und nachrichtlich, wie sich dieser Satz lesen mag, so triumphal und aufreizend war der Weg dorthin.

Verstappen blieb bei seiner Krönungsfahrt im letzten Saisonrennen in Abu Dhabi nichts schuldig. Alleine die Anzahl seiner bereits absolvierten Grands Prix (141) zeigt, von welch langer Hand dieser Weltmeistertitel geplant wurde. Bereits in jungen Jahren von Red Bull gefördert und gefordert, löste das Jahrhunderttalent sein Versprechen Stück für Stück, Rennen für Rennen ein.

Jüngster Fahrer beim Debüt; jüngster Fahrer in den WM-Punkten; jüngster Grand-Prix-Sieger; jüngster Fahrer mit der schnellsten Runde. Nur den sehnlichen Wunsch des nach Bestmarken strebenden Teambesitzers Dietrich Mateschitz verpasste er um eine Saison. Der Rekord für den jüngsten Weltmeister bleibt aber im Konzern, in Person von Sebastian Vettel.

Der aus Salzburg finanzierte Rennstall ist an Erfolg gewöhnt, schon von 2010 bis 2013 gewann man alle Trophäen. Und doch wird der aktuelle Erfolg mit besonderer Genugtuung aufgenommen.

Das Team hat geschafft, woran Ferrari und McLaren, die noch immer erfolgreichsten Rennställe der Formel-1-Geschichte, seit vielen Jahren scheitern: die beinahe schon erdrückende Dominanz von Mercedes zu brechen.

Bis heute schwingt bei den WM-Titeln von 2010 bis 2013 der Makel mit, die Gunst des alles überlegenen Autos genutzt zu haben. Eingebremst wurde Red Bull, das Privatteam mit den schnellen Autos und flotten Werbeaktionen, damals durch eine Motorenrevolution, die von den großen Autobauern forciert und gefordert wurde. Doch woran Renault oder Ferrari nicht gedacht hatten, war, dass ein Hersteller die neue Formel besser entschlüsselte als alle anderen: Das Resultat waren Mercedes-Festspiele mit 14 von 14 WM-Titeln seit 2014.

Schicksalsgemeinschaft

Während in dieser Zeit bei Ferrari in Maranello regelmäßig Chaos regierte und nicht nur Zylinderköpfe ausgetauscht wurden, wechselte etwa McLaren nahezu panisch in acht Jahren viermal den Motorenpartner (Mercedes, Honda, Renault, Mercedes). Dass Red Bull nun ausgerechnet mit den jahrelang gescholtenen Honda-Triebwerken zurück in die Erfolgsspur fand, ist ein weiterer Seitenhieb in Richtung der Alteingesessenen.

Es war eine Schicksalsgemeinschaft, die Honda und Red Bull eingingen. Die Motoren der Japaner wollte de facto kein Team mehr im Heck haben, das österreichisch-englische Team wiederum hatte keine Alternativen. Weder Ferrari noch Mercedes wollte den Rivalen Richtung WM-Titel antreiben.

Daher bündelte man 2021 noch ein letztes Mal alle Kräfte. Honda hat bereits seinen Abschied aus der Formel 1 mit Jahresende bekannt gegeben, und wer weiß, ob Red Bull künftig wird mithalten können. Zum neuen technischen Reglement kommt 2022 erschwerend hinzu, dass der Rennstall mit der Wartung und Entwicklung der alten Honda-Motoren bis 2025 völliges Neuland betritt. Dementsprechend groß war der Druck, mit dem konkurrenzfähigen Renner von 2021 Erfolg zu haben.

Die Mission Titelverteidigung nimmt man daher nun erstmals als vollwertiger Konstrukteur von Chassis und Triebwerk in Angriff. Red Bull ist damit nun auch ganz offiziell in der Liga der ganz Großen angekommen. Kaum kleiner werden daher wohl künftig auch die Feindseligkeiten mit Mercedes. Der WM-Pokal hat es übrigens nicht weit. Die englischen Teamzentralen von Red Bull und Mercedes trennen lediglich 37 Kilometer.

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