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Sport Motorsport
07/07/2022

Wie Spielberg einen klimaschonenden Grand Prix schaffen will

Öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder, regionale Produkte: Wie realistisch ist ein klimafreundlicher Motorsport-Event?

Motorsport und Umweltschutz werden nur selten gemeinsam genannt, doch Bestrebungen, die Formel 1 und andere Rennserien klimaschonender zu machen werden mehr. Während die Formel 1 sich selbst einen Wandel verordnet hat und bis 2030 ihren CO2-Fußabdruck komplett ausgleichen will, werden bei den einzelnen Veranstaltungsorten kleinere Brötchen gebacken: Am Red Bull Ring gilt beispielsweise seit dem Comeback der Königsklasse bei der Anreise das Motto "Nimm's Radl".

Neben dem Automobil-Weltverband FIA machen sich also auch Veranstaltungsorte Gedanken über die Umwelt. Seit 2014 appellieren die Verantwortlichen am Red Bull Ring an die Bevölkerung, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Fahrrad anzureisen. Das beugt nicht nur Staus vor, sondern auch CO2-Emissionen, besonders wenn man im Stau steht. Wie jedes Jahr wird auch am kommenden Wochenende direkt vor dem Eingang ein großzügiger Fahrradparkplatz angelegt. Die Devise lautet Park & Bike, wobei die Autos heuer bei der Therme Fohnsdorf abgestellt werden können. Von da sind es dann knapp neun Kilometer per Zweirad zum Ring. Die Anreise per Bahn und Bus wird ebenso vorrangig empfohlen.

Plastik und Dosen reduzieren

Weiters versucht man am Red Bull Ring auch die Abfallwirtschaft zu optimieren: "Als Teil davon tragen vor allem im Media Center und in Bereichen der Organisation Wasserspender dazu bei, Plastik zu reduzieren." Hinzu komme ein "Mobiler Red Bull Ring Fanshop", der von einem emissionsfreien Wasserstoffgenerator betrieben werde, hieß es auf APA-Anfrage. Sieht man sich im Vergleich dazu die Vorgaben für echte "Green Events" an, ist man schon noch sehr weit davon entfernt. Seitens des Red Bull Rings wird aber auch nicht der Anspruch auf diesen Titel erhoben.

Red Bull als Konzern arbeitet aber auch mit der Awareness-Initiative "Jede Dose zählt" zusammen. Sie werden am Grand Prix-Wochenende für Getränkedosenrecycling auftreten und Aludosen einsammeln. Das wiederverwertbare Metall kann unzählige Male recycelt werden. "Gerade bei Getränkedosen ist der Mehrwert einer getrennten Sammlung groß, denn im Vergleich zur Neuproduktion von Aluminium spart Recycling rund 95 Prozent an Energie", sagt Claudia Bierth, Sprecherin von "Jede Dose zählt". Seit 2017 ist die Initiative auch in Österreich bei verschiedenen Musik- und Sportveranstaltungen unterwegs.

"Keine China-Ware"

Ausschließlich regionale Produkte werden im heuer erstmals errichteten Steiermark Village zu finden sein, sagte Manuela Machner vom Murtal Tourismus und ergänzte: "Die Gäste sollen die heimischen Produkte unserer Landwirte kennenlernen." Außerdem seien die Merchandising-Produkte im Steiermark Village "keine China-Ware", sondern "alles von hier", versicherte sie. Sowohl am Red Bull Ring als auch beim Murtal Tourismus setze man seit einiger Zeit auf Apps und QR-Codes statt auf Prospekte und Flyer, "um die Papierflut in den Griff zu bekommen", so Machner.

Zahlen aus dem Frühjahr 2022 zeigen: Im Vergleich zu einer Fußball-WM fällt der CO2-Fußabdruck der Formel 1 geringer aus. In der Saison 2019 wurden nach Angaben der Rennserie 256.551 Tonnen CO2 verblasen. Bei einer Fußball-WM fällt ungefähr zehnmal so viel Kohlendioxid an. Der größte Treiber ist eindeutig die Reisetätigkeit. Vom jährlichen CO2-Ausstoß in der Formel 1 gehen 0,7 Prozent auf die Rennautos zurück, 72,7 Prozent sind eigenen Daten zufolge der Logistik und den Reisen zuzuschreiben. Externe Schätzungen stützen das annähernd. Autos, Komponenten, die Motorhomes, nicht zuletzt das Personal jetten fast im Zwei-Wochen-Rhythmus um die Welt. Heuer sind 22 Rennen geplant.

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