Im Vollgasmodus: Max Verstappen und Red Bull

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Sport Motorsport
02/17/2020

Wie Red Bull den Traum von Dietrich Mateschitz realisieren will

Das Formel-1-Team hat die Jagd auf den WM-Titel eröffnet. "Wir sind bereit, um zu attackieren", sagt Berater Helmut Marko.

von Philipp Albrechtsberger

Rekorde brechen, und am besten die eigenen, das ist ganz nach dem Geschmack von Red Bull. Etwas mehr als neun Monate bleiben noch, damit das große Ziel von Dietrich Mateschitz erreicht wird. Die Vorgabe des Firmengründers war, Max Verstappen möge zum jüngsten Formel-1-Weltmeister der Geschichte aufsteigen.

Damit würde die Bestmarke unterboten werden, die der Rennstall selbst mit Sebastian Vettel vor nunmehr bereits fast zehn Jahren aufgestellt hatte. Der Deutsche war damals 23 Jahre und 134 Tage alt, Verstappen wird Ende September 23.

Dass der niederländische Hoffnungsträger siegessicher wie noch nie in die am 15. März in Melbourne beginnende Saison geht, hänge auch mit seinem neuen Dienstwagen zusammen, wie der Grazer Helmut Marko betont: „Er hat gesehen, welches Auto er bekommt.“

Der langjährige Motorsportberater des Konzerns sitzt vergangenen Freitagabend im zweiten Stock im Salzburger Hangar-7, wo wenig später der neue Bolide von Alpha Tauri, dem Zweitteam von Red Bull, präsentiert werden wird.

Auf der Bühne laufen gerade die letzten Vorbereitungen für eine Modeschau, die im Zentrum der Präsentation steht. Marko, 76, kann wenig mit der aufwendigen Inszenierung anfangen. Den Grazer interessiert seit jeher nur eines an der Formel 1: die Rundenzeit(en).

Mercedes mit Lewis Hamilton sei auch heuer der Favorit, „aber wir sehen uns als erster Herausforderer. Wir haben an allen Schwächen gearbeitet. Wir waren letzte Saison schon gut und siegfähig, allerdings erst zu Saisonmitte. Das soll uns heuer nicht mehr passieren. Wir sind bereit und wollen sofort attackieren.“

Kommende Woche testet die Formel 1 den Ernstfall. Wer bei den Testfahrten in Barcelona vorne ist, hat noch nichts gewonnen, wer hinterherfährt, hat jedoch kaum noch Hoffnung.

Die Daten, die der Red-Bull-Simulator ausgespuckt hat, sollen vielversprechend sein, doch Marko gesteht: „Ich schau’ mir das Auto gerne direkt auf der Strecke an. Wie liegt es in den Kurven? Wie schwer oder leicht tun sich die Fahrer?“

Wenn Max um die WM fahren will, muss er auch ein bisschen Diplomatie mitbringen. Da waren einige Gespräche nötig."

Helmut Marko

Das Urteil des ehemaligen Le-Mans-Siegers hat in der Branche Gewicht – und ist gleichermaßen gefürchtet. Kein anderer hat in den vergangenen 15 Jahren so viele Grand-Prix-Sieger geformt, kaum jemand hat mehr Nachwuchskarrieren für beendet erklärt als der Chef des Red-Bull-Juniorteams.

Max Verstappen hat er früh gefördert und rasch gefordert. Marko beförderte den damals 18-Jährigen inmitten der Saison 2016 zur Einsermannschaft von Red Bull. Den ersten Grand Prix gewann der Niederländer prompt, doch danach vermasselte ihm oft das eigene Temperament die Tour.

Damit war zuletzt jedenfalls auf der Strecke Schluss. „Die Ungeduld, das Gewinnen um jeden Preis, hat er abgelegt. Aber wenn er um die WM fahren will, muss er auch ein bisschen Diplomatie mitbringen. Da waren einige Gespräche nötig. So etwas wie in Mexiko wird ihm nicht mehr passieren“, sagt Marko.

Bei dem Rennen im Saisonfinish 2019 waren der Niederländer und Hamilton aneinander geraten. Der spätere Weltmeister hatte danach erklärt: „Bei Max ist es ziemlich wahrscheinlich, dass man mit ihm kollidiert, wenn man ihm nicht extra viel Platz lässt.“ (siehe Video)

Verstappen nannte den Kommentar „dumm“. Prinzipiell sei es aber gut, wenn er in den Köpfen der anderen Fahrer ist, eine Aussage, die bei den anderen Fahrern wenig Freude hervorrief.

Bei Red Bull vertrauen sie auf die Steuer-Künste des achtfachen Rennsiegers – und zwar langfristig: Noch vor Saisonstart verlängerten beide Parteien den Vertrag. „Das war uns enorm wichtig. Man spürt dadurch einen weiteren Motivationsschub innerhalb des gesamten Teams“, sagt Helmut Marko, „dass sich Max langfristig an uns bindet, ist ein wichtiges Zeichen.“

Dieses Signal ist dem österreichisch-englischen Team einiges wert gewesen. Auch am Verhandlungstisch soll Verstappen Härte bewiesen haben. Eine Fähigkeit, die ihn mit Vorvorgänger Sebastian Vettel verbindet: „Beide wissen um ihren Wert.“