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Sport Motorsport
07/16/2021

Warum die Skepsis vor der Revolution in der Formel 1 groß ist

Ein Sprint entscheidet über die Startaufstellung. Der Stress für die Teams ist groß. Ebenso die Aufregung bei manchen Fans.

von Florian Plavec

Die Vorbehalte sind groß vor einem echten Experiment in der Formel 1. Erstmals probiert man an diesem Wochenende in Silverstone ein ganz neues Format aus. Die 140.000 Fans werden schon am Freitag ein Qualifying zu sehen bekommen. Um die Startaufstellung für das Rennen geht es trotzdem erst am Samstag.

Was ist jetzt neu am Freitag?

Statt zwei Trainingseinheiten gibt es nur noch eine einstündige. Danach wird am Abend (!) um 19 Uhr das Qualifying nach dem altbekannten Modus gestartet – mit Q1, Q2 und Q3. Die späte Startzeit soll möglichst viele Menschen vor die TV-Geräte locken.

Warum geht es dennoch erst am Samstag um die die Startaufstellung?

Das Ergebnis des Qualifyings von Freitag ist die Basis für das Sprintrennen, das ab 17.30 Uhr die Startaufstellung festlegt.

Was ist ein Sprintrennen?

Gefahren wird über 100 Kilometer Distanz. Das entspricht etwa einem Drittel eines normalen Grand Prix (305 Kilometer) und dauert 25 bis 30 Minuten. In Silverstone entspricht das Sprintrennen 17 Runden. Boxenstopps sind erlaubt, aber nicht vorgeschrieben. Das Ergebnis entspricht der Startaufstellung für den Grand Prix am Sonntag (16.00).

Wird auch der Sprint-Sieger geehrt?

Wer es im Sprint auf das Podest schafft, bekommt wie in den guten alten Motorsportzeiten einen Kranz umgehängt. Für die Fahrer ist aber noch wichtiger, dass es für die ersten drei Punkte (3, 2 und 1) für die WM-Wertung gibt. „Ich denke, dass die Fahrer verbissen darum kämpfen werden, den anderen zu schlagen“, sagte Formel-1-Sportchef Ross Brawn.

Was passiert bei einem Crash im Sprintrennen?

„Man kann im Sprintrennen schon alles verlieren“, sagt Mercedes-Pilot Valtteri Bottas. Denn der Fahrer, der am Samstag als erster ausscheidet, startet am Sonntag von ganz hinten. Beschädigte Autos dürfen für den Grand Prix repariert werden. Da aber mit Beginn des Qualifyings am Freitag Parc-ferme-Bestimmungen gelten, dürfen kaputte Teile nur durch baugleiche Teile ersetzt werden.

Was bedeuten die Neuerungen für die Piloten?

Der Druck auf Fahrer und Teams wird noch größer. Denn ein Fahrfehler oder ein technischer Defekt im einzigen Freitagstraining wäre ein Desaster, weil die Trainingszeit dann fehlt. „Das ganze Wochenende wird schon intensiver“, sagt Sebastian Vettel. „Man muss sehr schnell sein endgültiges Setup finden.“ Dafür fällt der Reifenpoker im Qualifying weg, denn es darf ausschließlich die weichste Reifenmischung verwendet werden. Für das Sprintrennen und das Hauptrennen besteht freie Reifenwahl.

Was ändert sich durch das neue Format für den Grand Prix am Sonntag?

Nichts.

Ist das ab jetzt an jedem Rennwochenende so?

Nein. Die Formel 1 möchte sehen, wie sich das Format bewährt. Einen zweiten Test wird es vermutlich in Monza (11./12. September) geben, den dritten vielleicht in Interlagos (6./7. November). Danach wird man evaluieren, wie gut das Format bei Fans und Sponsoren angekommen ist. Fix ist, dass es nicht an jedem Rennwochenende Sprints geben wird. Es geht um Exklusivität, für die die Veranstalter zahlen sollen.

Klingt interessant. Weshalb gibt es trotzdem so viele kritische Stimmen?

Sport lebt von Tradition und Statistiken. Vor allem die Formel 1. Wer zählt nun für die ewige Statistik als Polesetter? Es ist jedenfalls nicht der schnellste Mann im Qualifying, sondern jener, der das Sprintrennen gewinnt. Das stört traditionsbewusste Fans. Sie finden, dass die Leistungen der besten Qualifyer der Formel-1-Geschichte (Fangio, Clark, Ascari, Senna) abgewertet werden.

Was passiert, wenn die Kritik zu groß sein sollte?

Dann werden die ersten drei Versuche zugleich die letzten gewesen sein.

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