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Sport Motorsport
06/04/2020

Mercedes-Chef Wolff über Ferrari: "So etwas würden wir nie machen"

Der Wiener war über die Entscheidungen des Konkurrenten verwundert. Sebastian Vettel sei ein "Außenseiter" auf ein Silberpfeil-Cockpit.

von Philipp Albrechtsberger

Er hat lange geschwiegen zu den vielen Geschehnissen in der Formel 1. Mittwochnachmittag trat Mercedes-Teamchef Toto Wolff erstmals in dieser Saison offiziell vor die Presse. In einer kleinen Online-Medienrunde stand der 48-jährige Österreicher Rede und Antwort. Toto Wolff über...

... den Saisonstart in Spielberg
Als Österreicher freue ich mich besonders, dass wir in Österreich in die Saison starten, wenngleich die Rennstrecke am Red-Bull-Ring zuletzt nicht immer gut zu uns gewesen ist. Das Problem für alle ist aber, dass man ein Auto aus dem Container nehmen muss, an dem wir nicht viel herumtüfteln konnten. Das Thema Haltbarkeit wird daher entscheidend sein. Wir werden drei freie Trainings haben, in denen wir Sachen testen können.

... die Idee eines neuen Qualifikationsformats: Nach dem ersten Rennen an einer Strecke sollten die schlechter klassierten Fahrer im zweiten Qualifying bevorzugt werden...
Es gibt ein paar Gründe, warum Mercedes dagegen ist: Ich persönlich verstehe nicht, warum immer wieder alte Ideen ausgegraben werden, die schon damals für nicht gut befunden wurden. Selbst unter den Formel-1-Fans gab es eine Umfrage, bei der nur 15 Prozent für eine solche Änderung gewesen sind. Wir stehen zu jenem Grundsatz, der die Formel 1 immer ausgezeichnet hat: Der schnellste Mensch im schnellsten Auto gewinnt. Dazu gibt es das Risiko, dass Teams mit irren Strategien die WM verzerren könnten. Man denke nur daran, ein Team opfere im ersten Rennen einen Fahrer, damit er im zweiten Rennen einen Vorteil hat?

... über die Entscheidung von Ferrari, Sebastian Vettel ab 2021 durch Carlos Sainz zu ersetzen
Schon die Fünf-Jahres-Verlängerung mit Charles Leclerc im Winter hat uns ein wenig überrascht. Da dürfte wohl die Stimmung innerhalb des Teams eine Rolle gespielt haben. Ebenso verwundert hat mich die Fahrerbekanntgabe für 2021, bevor noch die Saison 2020 gestartet ist. So etwas würden wir nicht machen. Das heißt nicht, dass es falsch ist. Aber natürlich musst du jetzt mit einem Fahrer Geheimnisse teilen, der kommende Saison nicht mehr bei dir ist. Für die Stimmung ist das zumindest nicht einfach.

... die Tendenz, dass viele Teams künftig offenbar auf Nummer-1- und Nummer-2-Fahrer setzen
Ich weiß nicht, ob das bei allen Teams so gewollt war. Bei uns haben beide Fahrer  zu Saisonbeginn dieselben Voraussetzungen. Ich glaube auch nicht, dass Carlos Sainz zu Ferrari kommt und denkt: ‚Ich bin die zweite Geige!‘ Der will sich, wie Alexander Albon bei Red Bull, sicher einen Namen machen.

... die Mercedes-Fahrerpaarung ab 2021 und die Aktie Sebastian Vettel
Wir werden im Laufe des Sommers erste Gespräche führen, weil wir sehen wollen, wie sich unsere Fahrer in den ersten Rennen schlagen. Sebastian ist eine tolle Persönlichkeit, aber dennoch ein Außenseiterkandidat auf das Mercedes-Cockpit. Ich sage aber dennoch  nicht sofort nein zu Sebastian als Mercedes-Pilot.

... die Zukunft von Mercedes in der Formel 1
Der Marketingwert, den Mercedes durch die Formel 1 generiert, ist enorm. Aber es geht nicht nur um Marketing, sondern auch um Glaubwürdigkeit der Plattform. Derzeit stimmt das Gesamtpaket. Ein Ende steht daher nicht zur Debatte, weil der Gegenwert für den Konzern noch immer groß ist. Für einen Automobilhersteller ergibt die Formel 1 noch immer Sinn. Es gibt sowohl einen ordentlichen Werbewert als auch einen Technologietransfer von der Rennstrecke auf die Straße. Dennoch muss man ein Engagement wie dieses in Zeiten von Corona hinterfragen.

... die ab 2021 geltende Budgetobergrenze
Es ist ein wichtiger Schritt. Als Sportteam muss man in der Lage sein, auf jedem Level mit der Formel 1 Geld zu verdienen. Am Ende des Tages wird es dazu führen, dass das Feld enger zusammenrückt. Teams aus dem US-Sport sind hier Vorbilder für uns.

... seinen Umgang mit der Corona-Pandemie
Ich war an einen straffen Terminkalender, bei dem alles klar ist, gewöhnt. Plötzlich war nichts mehr klar. Auch ich musste mich erst anpassen. Andererseits hatte ich erstmals wieder viel Zeit für  Familie und Fitness. Ich hoffe dadurch, mein Leben vielleicht um ein paar Jahre  verlängert zu haben.

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