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Sport Motorsport
07/11/2020

Ist ein 18-Jähriger Österreichs nächster Formel-1-Pilot?

Seit zehn Jahren wartet das Motorsport-Land auf einen Fahrer. Lukas Dunner gilt als Versprechen. "Ich spüre den Druck."

von Philipp Albrechtsberger

Sebastian Vettel und Daniel Ricciardo kraxelten auf einen Berg, Sergio Pérez spielte Golf. Die Formel-1-Stars gingen mit der ungewohnten Situation von zwei Rennen innerhalb einer Woche auf ein und derselben Strecke locker um und erfreuten sich am österreichischen Sommer. Nur Österreichs Beitrag zu den Grand-Prix-Wochen in Spielberg mied die Juli-Sonne. Lukas Dunner schwitzte am Montag, einen Tag nach dem Formel-1-Auftakt, in einer abgedunkelten Fabrikshalle in Niederösterreich und spulte seine Runden am privaten Simulator ab. Der 18-Jährige hat schon viel erreicht im Rennsport, und muss dennoch schauen, wie er noch schneller über die Runden kommt.

Dunner ist Neuling in der Formel 3. Die Nachwuchsrennserie ist Teil des Rahmenprogramms der Formel 1 und gilt, wie auch die höhere, schnellere Formel 2, als Ausbildungsplattform für und Sprungbrett in die Königsklasse.

Liest man die Gesamtsieger-Übersicht der Formel 3, glaubt man eine aktuelle Formel-1-Ergebnisliste in Händen zu halten – 2017: Lando Norris (heute McLaren), 2016: Lance Stroll (Racing Point), 2014: Esteban Ocon (Renault).

„Wer in der Formel 3 ist, der will natürlich in die Formel 1“, sagt Lukas Dunner zum KURIER. Die Nachwuchsklasse ist eine gute und harte Schule. Zwei Rennen werden pro Wochenende gefahren, das nächste schon am Samstag in Spielberg (10.25 Uhr).

Da die zwanzig Fahrer in nahezu identen Rennwagen sitzen, ist die Klasse eine perfekte Referenz für das Leistungsvermögen der Piloten. Gering sind oft die Zeitunterschiede. Dunner fehlten in seinem ersten Qualifying 0,9 Sekunden auf die Spitze. Mehr als Startplatz 22 war nicht drinnen. In der Formel 1 hätte er mit diesem Zeitabstand seinen Wagen in den Top 5 geparkt.

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„Ich lerne jeden Tag dazu“, sagt er. Im zweiten Rennen ging es dann schon zehn Plätze nach vorne. Er spricht schon wie ein Formel-1-Pilot, wenn er sagt, dass er sich mit den Pirelli-Reifen noch schwer tue. In der Rennserie Euroformula Open, die er vergangenes Jahr als Gesamt-Dritter beendet hatte, wird mit Michelin-Reifen gefahren, und – man glaubt es kaum – dazwischen sollen Welten liegen. Bei der Euroformula ist Dunner auch heuer wieder am Start, womit er 2020 auf 17 Rennwochenenden in 23 Wochen kommt. „Wenn man einmal Dritter war, sollte man sich schon zum Ziel nehmen, beim nächsten Mal um den Gesamtsieg mitzufahren.“

Corona war bei der Karriereplanung ein Glücksfall. In der Zwangspause konnte die Schule abschließen. Seine Mutter meinte, man brauche ein Absicherung. Ansonsten hat die Familie wenig Bezug zum Rennsport, wenngleich schon der Großvater Berufsfahrer war – als Bus-Chauffeur in Katzelsdorf nahe Wiener Neustadt. „Und er hat das geliebt“, sagt Enkel Lukas. 

In dem Jahr, in dem es sich entscheidet, muss alles zusammenpassen. Man kann noch so ein guter Fahrer sein, und womöglich klappt es dennoch nie.“

Lukas Dunner | über seine F1-Chancen

Ob es für ganz oben reicht, wird sich bald zeigen. Viele Ausrutscher darf man sich im Sichtfeld der Königsklasse nicht erlauben. „In dem Jahr, in dem es sich entscheidet, muss alles zusammenpassen. Man kann noch so ein guter Fahrer sein, und womöglich klappt es dennoch nie.“

Neben Talent und Glück braucht es vor allem auch Geld. Der private Simulator, auf den auch die McLaren-Stars schwören, kostet 40.000 Euro. Will er in die Formel 2 aufsteigen, sind mehr als eine halbe Million Euro einzuzahlen. Mit Novomatic hat Dunner jedenfalls einen potenten Sponsor auf der Brust.

Name                           Jahre in der F1  Rennen   Siege
Jochen Rindt                1964–1970           60            6
Helmut Marko               1971–1972             9            -
Niki Lauda                    '71–’79, ’82–’85    171         25
Dieter Quester                    1974                 1            -
Helmut Koinigg                  1974                 2            -
Harald Ertl                     1975–1978           19           -
Hans Binder                  1977–1978           13           -
Jo Gartner                          1984                 8            -
Karl Wendlinger            1991–1995          41            -
Roland Ratzenberger       1994                  1            -
Gerhard Berger             1984–1997        210         10
Alexander Wurz            '95–'00, ’05, ’07    69           -
Patrick Friesacher            2005                 11           -
Christian Klien        2004–2006, 2010      49           -

Das Ziel, erster österreichischer Formel-1-Pilot seit Christian Klien 2010 zu werden, ist in Sichtweite, der Weg noch weit. „Es ist ein schönes, aber auch ein bisschen ein trauriges Gefühl, wenn man die einzige Hoffnung ist. Ich nehme nicht nur die Aufmerksamkeit wahr, sondern auch den Druck.“

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