Wasser marsch! Der Regen machte im Qualifying Nico Rosberg und Kollegen zu schaffen.

© APA/EPA/DIEGO AZUBEL

Formel 1
03/29/2014

Die Wetterfrösche der Königsklasse

Seit heuer liefern Österreicher die Prognosen. Der Aufwand ist enorm, Malaysia eine Herausforderung.

von Philipp Albrechtsberger

Der schnellste Mann des Tages wähnte sich im Blindflug: "Auf meiner letzten Runde konnte ich die Strecke überhaupt nicht mehr sehen, ich wusste nicht, wo ich bin." So sprach Poleposition-Mann Lewis Hamilton über die Bedingungen im verregneten Qualifying für den Großen Preis von Malaysia (Start: 10 Uhr MESZ).

Es sind Bedingungen, die weder Fahrer noch Teams oder Fans erfreuen, dafür aber einen Mann in Wien: Michael Fassnauer. Der Österreicher ist kein Gegner der Raserei, die Formel 1 ist seit einigen Wochen sogar Teil seines Geschäfts. Fassnauer ist einer der Gründer des Meteorologie-Dienstes UBIMET. Seit 2014 fährt die Königsklasse auf die Wetterprognosen aus Österreich ab.

Verregnet

"Wir lieben die Herausforderung, um zu zeigen, was wir können", sagt Fassnauer selbstbewusst. "Also wünschen wir uns aus meteorologischer Sicht Regen-Rennen." Sein Wunsch wurde am Samstag in Malaysia prompt Wirklichkeit. Hund jagt man keinen vor die Tür bei diesen Regengüssen, Formel-1-Fahrer schon – wenngleich mit Verspätung.

In der Formel 1 dreht sich alles um Tempo und Kontrolle: im Cockpit, in der Garage, am Kommandostand. Der Zufall und die Ungewissheit haben in diesem durchorganisierten Mikrokosmos keinen Platz. Einzig gegen den Makrokosmos mit seinen Atmosphärenschichten und wechselnden Wetterlagen sind die Strategen der Formel 1 machtlos.

Hier kommt UBIMET ins Spiel. Das private Meteorologie-Unternehmen mit Hauptsitz in Wien liefert im Minutentakt Tausende von Daten an die Rennställe – etwa: Luft- und Streckentemperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit, Regenwahrscheinlichkeit.

Zuständig dafür sind sechs Mitarbeiter vor Ort an der Rennstrecke, ebenso viele überwachen die Datenströme und Prognosen von Wien aus. Treten vor Ort technische Probleme auf, stehen Back-up-Systeme in Wien und in Melbourne auf Abruf bereit.

"Wir sind besessen davon, Qualität zu liefern. Diese Einstellung passt zur Formel 1", sagt Fassnauer. Die Qualität hat ihren Preis: Die Kosten für das Radar-Gerät, das von Grand Prix zu Grand Prix geschickt wird und in einem Radius von 100 Kilometern die Wetterlage beobachtet, liegen im "niedrigen Millionen-Euro-Bereich".

Vergoldet

Das Unternehmen hat durchaus Erfahrung im Spitzensport. Bei Olympia 2012 in London lotste UBIMET mit seinen Winddaten das australische Segel-Team zu drei Goldmedaillen, in Sotschi vertraute der Österreichische Ski-Verband bei der Präparierung der Skier auf die Wetterprognosen aus Wien.

In der Formel 1 herrschten dennoch lange Jahre einseitige Verhältnisse. Der in Paris ansässige Welt-Automobilverband FIA vertraute Jahrzehnte auf die Expertisen des staatlichen Wetterdienstes Meteo France.

Bis UBIMET (Mitgesellschafter: Red Bull) im Jahr 2012 beim verregneten und turbulenten Rennen in Brasilien zu Gast war. Die Experten orteten an den Prognosen "großen Optimierungsbedarf", wie es Fassnauer diplomatisch auszudrücken versucht: "Auf den Bildschirmen ist gestanden: ‚Jetzt regnet es!‘ Dafür brauche ich keinen Meteorologie-Dienst."

Wenig zufrieden dürften auch die Top-Teams gewesen sein, die sich den Luxus eigener Meteorologen leisteten. "Das können sie jetzt auch noch machen", sagt Fassnauer, "wir sind allerdings überzeugt davon, dass wir die genauesten Daten liefern. Und zwar an alle elf Teams."

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