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Analyse
10/10/2021

Ab in die Wüste: Die Dollars glänzen im Sonnenschein der Formel 1

Seit Jahren zieht es die schillerndste Rennserie nach Bahrain und Abu Dhabi. Heuer erstmals nach Katar und Saudi-Arabien. Das Geld sprudelt.

von Philipp Albrechtsberger

Immer der Sonne nach. Das ist seit jeher das Motto der Formel 1. Die Rennserie verspricht den ewigen Sommer, zumindest über die Bilder, die sie in alle Welt aussendet.

Jahr für Jahr, wenn es in Europa zu herbsteln beginnt, verabschieden sich die besten Rennfahrer der Welt aus ihrem Kernmarkt. Der Grand Prix der Türkei nahe Istanbul an diesem Sonntag (14.00 MESZ/live ServusTV, Sky) wird bereits auf asiatischem Boden ausgetragen. Nach Europa kehrt die Formel 1 erst in einem halben Jahr wieder zurück.

Das ist freilich nichts Neues, und dennoch nimmt der Rennkalender allmählich skurrile Ausformungen an. Der WM-Showdown zwischen Mercedes-Serienweltmeister Lewis Hamilton und Herausforderer Max Verstappen im Red Bull verspricht einer der packendsten in diesem Jahrtausend zu werden. Die Entscheidung wird aber weit weg von irgendeiner Motorsport-Begeisterung fallen. Das Finale steigt – wie seit einigen Jahren bereits – in Abu Dhabi. Unmittelbar davor bittet Saudi-Arabien zur Premiere, nachdem die Formel 1 erstmals in Katar über die Runden gekommen ist.

Neue Destinationen

Das Rennen auf dem Losail International Circuit nahe Doha am 24. November wird als Notlösung verkauft, weil Australien Corona-bedingt Sperrgebiet bleibt. „Wir haben gezeigt, dass wir anpassungsfähig sind“, sagte Formel-1-Geschaftsführer Stefano Domenicali bei der Verkündung des Deals mit dem Emirat. Der Satz sagt womöglich mehr aus, als dem Italiener lieb sein kann. Denn gleichzeitig mit der Präsentation des angepassten Rennkalenders für 2021 wurde verlautbart, dass Katar ab der kommenden Saison fixer Bestandteil der Formel 1 wird. Zumindest bis 2032 wird Katar Schauplatz der schillerndsten Rennserie der Welt sein. Für die Katarer soll die Formel 1 – laut Aussendung – das „Schaufenster“ nach der Fußball-WM 2022 sein.

Über Vertragsdetails wurde Stillschweigen vereinbart, die Antrittsgage der Formel 1 dürfte aber branchenüblich sein. Saudi-Arabien beispielsweise soll jährlich 50 Millionen US-Dollar zahlen.

Damit schreitet die Expansion der Formel 1 im Mittleren Osten auch nach der Ecclestone-Ära munter voran. Der streitbare Langzeit-Chef hatte 2004 mit dem Grand Prix von Bahrain den Wüstenboden bereitet. Das Geld mag eifrig sprudeln, doch die Botschaften, die man – gewollt oder nicht – aussendet, sind heikel. Während unter den neuen Eigentümern aus den USA zuletzt ein Imagewandel hin zu mehr Diversität und Sensibilität bei Umweltthemen stattgefunden hat, spricht der Rennkalender eine alte Sprache: Wir fahren dort, wo am meisten gezahlt und am wenigsten (nach)gefragt wird. Und die Sonne scheint auch immerfort.

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