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Winheims Tagebuch
07/26/2020

Moskauer Boykottspiele 1980: Bespitzelt und 200 Mal durchleuchtet

1980 waren die Spiele westlicher Heuchelei und russischer Spitzel. Jedes Telefon-Diktat wurde unterbrochen, sobald das Wort Afghanistan fiel.

von Wolfgang Winheim

Statt in Tokio können rot-weiß-rote Olympiahoffnungen wie Leichtathletin Ivona Dadic und Schwimmrekordler Felix Auböck coronabedingt nur in Amstetten und Budapest imponieren. Statt mit täglichen Liveübertragungen aus Japan können TV-Sender nur mit olympischen Konserven aufwarten. Die im Falle der Moskauer Boykottspiele noch 40 Jahre danach schal schmecken.

Wegen des Sowjet-Einmarsches in Afghanistan mussten alle Athleten aus den USA, Großbritannien und Deutschland auf Druck von US-Präsident Jimmy Carter auf Olympia ’80 verzichten. Westfirmen durften mit Moskau aber sehr wohl Geschäfte machen. Die Reporter wurden ab der Ankunft drei Wochen lang gefühlte 200 Mal mit Scannern durchleuchtet, auf denen „Made in USA“ stand. Wir tippten in Pressezentren auf elektrischen Schreibmaschinen deutscher Herkunft.

Dass sich Österreich dem Boykott nicht anschloss, wurde speziell von US-Seite kritisiert. Nicht ahnend, dass die Amerikaner im neuen Jahrtausend dann selbst als Okkupanten Afghanistans versagen sollten.

1980 waren die Spiele westlicher Heuchelei und russischer Spitzel. Jedes Telefon-Diktat wurde unterbrochen, sobald das Wort Afghanistan fiel. Als ich im Pressehotel Rossija in meinem Zimmer nach einer unters Nachtkastl gerollten Münze suchte, entdeckte ich ein Mini-Mikro. Im Lift der 6.000-Betten-Burg drohten mir zwei hünenhafte Geheime mit Konsequenzen, falls der KURIER seine Berichterstattung nicht ändere. Schon bald dominierten sportliche Themen:

Die Hockey-Frauen besiegten, gecoacht von Hans Krankls einstigem Jugendtrainer Sepp Pecanka, sensationell die Gastgeberinnen. Sissy Theurer ritt zu Dressur-Gold mit dem Schimmel Mon Cherie, den Niki Lauda nach Moskau transportiert hatte. Beim Landeanflug, verriet Lauda Jahre später, habe sich einer der Gurte gelockert, mit denen das Pferd in der zweimotorigen Fokker vertäut war. „Plötzlich ist der Pferdekopf zwischen dem Co-Piloten und mir in der Kanzel aufgetaucht.“

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