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Sport
03/07/2020

Mister Daviscup: Der Tennis-Dauerbrenner Jürgen Melzer

Routinier Melzer geht am Samstag gegen Uruguay in sein viertes Jahrzehnt als Daviscup-Spieler.

von Harald Ottawa

Pete Sampras hatte soeben die US Open gewonnen, der regierende French-Open-Sieger hieß Andre Agassi, Steffi Graf beendete gerade ihre große Karriere.

Und auf der Nennliste des Daviscups stand vor dem Heimspiel in Pörtschach im September 1999 der Name Jürgen Melzer.

Die Zeiten haben sich geändert – und die Spieler, die Plätze, die Schläger. Mit einer Ausnahme: Jürgen Melzer hält den (Schläger)-Kopf noch immer für Österreich hin. In Graz-Premstätten wird er am Samstag (13 Uhr) mit Oliver Marach ein ganz besonderes Ereignis feiern. Der mittlerweile 38-Jährige geht in sein bereits viertes Jahrzehnt als Daviscup-Spieler.

Mit der 38. Teilnahme ist er ohnehin längst österreichischer Rekord-Nationalspieler. Nummer zwei in dieser Wertung ist mit 27 Teilnahmen der Kärntner Alexander Antonitsch, der sein Kapperl vor dem Niederösterreicher zieht. „Er ist der Mister Daviscup in Österreich. Auch, wenn er nicht immer sein bestes Tennis abrufen konnte, war er immer da, wenn man ihn brauchte.“

Auch Hans Kary, immerhin über drei Jahrzehnte (1969 bis 1983) dabei, verneigt sich. „Über so einen langen Zeitraum solche Topleistungen im Team zu bringen, ist sensationell.“

Für Melzer war eine Teilnahme immer „Ehrensache. Ich habe auch gespielt, als ich in den Top 10 war“, sagt die ehemalige Nummer acht der Welt mit einem kleinen Seitenhieb Richtung Dominic Thiem, der das Training in Indian Wells der Halle in Premstätten vorzog. „Zu meinen besten Zeiten haben die Topspieler fast alle noch im Daviscup gespielt.“

Melzer fehlte nur, wenn er verletzt war. „Ich bin so erzogen worden, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, für sein Land zu spielen.“ Dass die Bilanz mit 36 Siegen bei 41 Niederlagen negativ ist, liegt vor allem an den starken Gegnern über einen langen Zeitraum, Österreich hielt jahrelang den Klassenerhalt in der Weltgruppe.

Die Medien haben seinen Nationalstolz nicht immer gehuldigt. Im Gegenteil. Als der Deutsch-Wagramer im März 2009 nach einer klaren Führung noch das Match gegen Philipp Kohlschreiber verlor und so den Deutschen den Ausgleich bescherte, war Melzer der Loser der Nation. „Das war freilich der Tiefpunkt meiner Karriere, daran habe ich lange genagt“, erinnert sich Melzer, der sich aber freilich lieber an schöne Siege erinnern will. Einer davon gelang 2011. „Als ich im Flugzeug-Hangar in Schwechat vor toller Kulisse den damaligen Topspieler Gilles Simon besiegt habe, war das ein tolles Gefühl.“ Österreich verlor damals dennoch, nicht aber ein Jahr später, als Melzer in der Arena Nova mit drei Siegen fast im Alleingang zum ersten Aufstieg ins Weltgruppen-Viertelfinale beitrug. „Das war ein ganz besonderes Highlight.“

Finaler Traum

Einen Höhepunkt hat er aber noch vor seinen bald 39-jährigen Augen. „Eine Teilnahme am Finalturnier in Madrid wäre ein krönender Abschluss meiner Karriere“, sagt Melzer ohne das Wort Karriereende in den Mund zu nehmen. Er weiß aber, dass die Zeit nicht stehen bleibt.

Den Namen Jürgen Melzer wird man auch in Zukunft auf der Nennliste sehen, ist Antonitsch überzeugt: „Für mich ist er jetzt schon der logische Nachfolger als Daviscup-Kapitän von Stefan Koubek.“ Dieser ist aber derzeit froh, Melzer als Spieler im Team zu haben. „Was er für die Mannschaft geleistet hat, ist phänomenal.“

Am Samstag dürfte Melzer seine Bilanz ein bisserl aufpolieren. Mit Marach ist er gegen das Duo Pablo Cuevas/ Ariel Behar in der Favoritenrolle.

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