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© APA/AFP/OSCAR DEL POZO / OSCAR DEL POZO

Sport
12/09/2021

Mediziner über Sport-Stars und Corona: "Impfen ist alternativlos"

Der neue Leiter des Sportinstituts der Uni Wien, Jürgen Scharhag, über die Gefahren einer Covid-Erkrankung, skeptische Spitzensportler und Adeyemi.

von Wolfgang Winheim

Von manchem Profi-Star wird Covid nach wie vor unterschätzt. Auch unter Hobby-Sportlern gibt’s Impfskeptiker. Oder Geimpfte, die wissen wollen, ob eine längere Schonzeit notwendig ist. Mit Universitätsprofessor Jürgen Scharhag, 54, erteilt ein kompetenter Wissenschafter Auskunft.

Der deutsche Sportmediziner und Kardiologe konnte von der Wiener Universität als Leiter des Sportinstituts engagiert werden. Scharhag ist auch ärztliches Mitglied des deutschen olympischen Teams und Arzt des Fußball-Unter-21-Europameisters.

KURIER: Als vor bald zwei Jahren erste Covid-Meldungen einlangten, wurde Medien Panikmache vorgeworfen. Selbst Ärzte verglichen Covid mit Grippe. Sie auch? Jürgen Scharhag:

Auch ich dachte anfänglich, dass die Covid-19-Erkrankung ähnlich wie Grippe sei. Aber auch eine Grippe kann sehr gefährlich verlaufen. Mit der Erfahrung von heute können wir nur warnen: Wer das Virus verharmlost, wird spätestens seine Meinung revidieren, wenn er die Dramen auf Intensivstationen miterlebt.

Es fällt auf, dass gerade Sportgrößen dazu neigen, die Pandemie zu bagatellisieren. Indem sie sich aufgrund ihrer Topfitness für unverwundbar halten? Sind Athleten das wirklich?

Nein. Auch die besten Abwehrkräfte von Hochleistungssportlern sind leider kein Garant, immun gegenüber Covid zu sein. Die vom Virus verursachten Schäden können nicht nur zum Verlust der Maximalleistung führen, sondern – wenn sich Sportler nicht auskurieren – auch das Karriereende bedeuten. Impfen ist alternativlos.

Warum zögern Topstars wie Djokovic trotzdem? Weil sie Angst vor Impffolgen haben?

Ich habe schon etwas Verständnis dafür, dass Hochleistungssportler, die auf Knopfdruck Topleistungen erbringen müssen, befürchten, durch eventuelle Impfnebenwirkungen ein paar Tage Pause einlegen und einen vorübergehenden kleinen Leistungsrückfall in Kauf nehmen zu müssen. Aber der droht normalerweise nicht.

Wie lange sollten Sportler nach der Impfung leiser treten?

Wenn der Leistungssportler die Impfung gut verträgt, kann er 48 bis 72 Stunden nach der Impfung seinen Sport in gewohnter Form fortsetzen. Auch Hobbysportler sollten es in den ersten Tagen nach dem Stich lockerer angehen. Sie stehen zudem ja auch nicht unter Erfolgs- oder Zeitdruck. Darüber hinaus würde ich raten, sich in geschlossenen Räumen während der Pandemie auf Gewichtstraining zu beschränken. Ausdauertraining sollte man besser ins Freie verlegen.

Und wie soll sich ein Sportler – abgesehen von der Quarantäne – verhalten, wenn er mit „positiv“ konfrontiert wird?

Entwickeln sich nach einem positiven Test keine Symptome, sollte man während der Dauer der Quarantäne eine Sportpause einlegen. Bei leichten Erkältungssymptomen bis zum Hals, wie leichter Kopfschmerz und Schnupfen, ist es ratsam, diese Pause inklusive Quarantäne bis zum völligen Abklingen der Symptome einzuhalten. Bei Bronchitis oder Fieber sollte die Sportpause je nach Ausprägung der Erkrankung zwei bis vier Wochen dauern. Tritt gar eine Herzmuskelentzündung auf, muss für mindestens drei Monate lang auf eine körperliche Belastung verzichtet werden.

Und wozu raten Sie Sportlern nach dem Abklingen einer Covid-19-Erkrankung?

Ich rate unbedingt zu einer sportmedizinisch-internistischen Untersuchung, um die Sporttauglichkeit des Athleten festzustellen. Denn mittlerweile wissen wir, dass das Coronavirus nicht nur die Lunge angreift, sondern auch andere Organe von der Erkrankung betroffen sein können.

Sie sind auch Arzt der deutschen U-21-Auswahl. Sie saßen im Juni neben Teamchef Stefan Kuntz auf der Betreuerbank, als Deutschland Europameister wurde. Wie sehr hat sich der Fußball seit ihrem Einstieg beim DFB weiterentwickelt?

Sehr. Als ich 2003 zur deutschen U-20-Auswahl gekommen bin, damals noch mit den Trainern Uli Stielike und Horst Hrubesch, die ich ebenso wie später Stefan Kuntz sehr schätzen gelernt habe, waren die Spieler noch nicht so athletisch und so gut trainiert wie heute.

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Für den Fußball in Rot-Weiß-Rot aber sieht ein Lehrbeauftragter an der Wiener Sportuni im Moment schwarz. Noch dazu einer, der ausgebuchte Fußballkurse auf der Schmelz leitet.

Sie meinen Magister Dritan Baholli.

Baholli, der in erfolgreicheren Rapid-Zeiten Leistungsdiagnostiker in Hütteldorf war, spricht von einem dramatischen Stillstand beim Fußballbund. Er warnte nach der Rückkehr von einer fußballspezifischen sportwissenschaftlichen Tagung in Kopenhagen, dass Österreich gegenüber Ländern mit vergleichbarer Größe wie Schweiz oder Dänemark hinsichtlich Trainingssteuerung völlig den Anschluss verlieren werde. Sehen Sie das auch so negativ?

Soweit ich das beurteilen kann, sehe ich eher Defizite im technisch-taktischen Bereich. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass im deutschen Fußball, wo sich auch Österreicher bewähren, alles noch um einen Tick schneller ist. Dennoch wird auch in Österreich gute Arbeit geleistet, wie zum Beispiel in Salzburg. Dass Karim Adeyemi, den man in München gehen hatte lassen, zum deutschen Nationalspieler wurde, ist insbesondere auf seine Salzburger Ausbildung zurückzuführen. Ich kenne Adeyemi. Er wurde ja mit uns im Sommer U-21-Europameister.

13 Kilometer von ihrem Wiener Arbeitsplatz entfernt residiert Österreichs Fußballbund. Wurden Sie von ihm schon einmal kontaktiert?

Nein. Aber Österreich hat ja auch gute Ärzte.

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