Weitenjäger Kingley: „Ein perfekter Dreisprung ist wie ein Kunstwerk“
Endiorass Kingley hebt ab Mittwoch bei der EM in Birmingham ab
Auf den ersten Blick würde Endiorass Kingley gut und gerne auch als Rapper durchgehen. Mit seinem coolen Style und Outfit, mit seinem lockeren Spruch, mit seiner ungezwungenen Art, die Menschen ihn den Bann ziehen.
Als der Entertainer aus Linz im vergangenen Jahr im WM-Finale in Tokio seinen großen Auftritt hatte, wurde er von 80.000 Zuschauern eingeklatscht. „Das motiviert so, wenn alle Augen im Stadion auf dich gerichtet sind und 80.000 für dich klatschen“, sagt Endiorass Kingley, „für uns Springer ist die Stimmung extrem wichtig.“
Endiorass Kingley wechselte erst 2020 zum Dreisprung
Das 24-jährige Showtalent fühlt sich auf der großen Bühne so richtig wohl. Nichts gegen kleine Meetings, aber ein Leichtathlet wie Endiorass Kingley braucht die entsprechende Kulisse, um über sich hinauszuwachsen. Nicht von ungefähr landete der Dreispringer den weitesten Flug seiner Karriere im vergangenen Jahr bei der WM.
Lob vom Weltmeister
Mit 16,85 Metern löschte Kingley den heimischen Uraltrekord aus dem Jahre 1988 aus und katapultierte sich mitten in die erweiterte Weltspitze. Inzwischen wird der Senkrechtstarter aus Oberösterreich zur Diamond League eingeladen und zieht die Blicke der Konkurrenten auf sich. „In Tokio ist Weltmeister Pedro Pichardo zu mir gekommen und hat gesagt: ,Dir gehört die Zukunft.’“
Die EM in Birmingham bietet die nächste Gelegenheit, vor großem Publikum sein Können unter Beweis zu stellen. Kingley wird einen ordentlichen Leistungssprung benötigen, um das Finale zu erreichen.
Nach einer durchwachsenen Wintervorbereitung steht seine Saisonbestleistung bei 16,46 Metern. „Wenn du bei der WM 16,85 gesprungen bist, dann wirken 16,46 mickrig“, sagt der ehrgeizige HSZ-Athlet.
Anekdote vom Trainer
Endiorass Kingley denkt da in ganz anderen Sphären. Irgendwann, so das Fernziel, will er den großen Coup landen und bei einem Großereignis eine Medaille holen. Auf dem Weg dorthin muss als Allererstes die magische 17-Meter-Marke geknackt werden.
Jeder Dreispringer, der etwas auf sich hält, sollte einmal 17 Meter gesprungen sein. „Da musst du drüber, wenn du 17 Meter drauf hast, bist du erst ein richtig guter Dreispringer“, erklärt der 24-Jährige. „Ein perfekter Dreisprung sieht wie ein Kunstwerk aus“
Endiorass Kingley mit seinem Entdecker und Trainer Roland Werthner
Mit seinem Coach und Mentor Roland Werthner hat Kingley deshalb im Training neue Schwerpunkte gesetzt. Der Oberösterreicher hat an seiner Grundschnelligkeit gearbeitet und die Technik beim komplexen Sprungmanöver noch einmal verfeinert. „Je schneller du bist, desto weiter fliegst du.“
Aber dafür, dass er erst im Jahr 2020 mit dem Dreisprung angefangen hat, hat es Endiorass Kingley ohnehin schon sehr weit gebracht. Sein Entdecker Roland Werthner erinnert sich gerne an die ersten Gehversuche seines Schützlings in der Leichtathletik. „Er war koordinativ nicht ausgebildet. Manchmal hat der ganze Sportplatz über ihn geschmunzelt“
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