Feierstimmung: Bronzemedaillengewinnerin Verena Preiner

© REUTERS/AHMED JADALLAH

Sport
10/04/2019

Leichtathletik: Auf Dschibuti fehlt Österreich nicht mehr viel

Der rot-weiß-rote Verband darf über die beste WM der Geschichte jubeln. Der Erfolg hat Methode, alte Probleme bleiben.

von Philipp Albrechtsberger, Florian Plavec

Österreich hat endlich Tansania überholt, und auf Dschibuti fehlt auch nicht mehr viel. Keine Sorge, gemeint sind nicht Wirtschaftsdaten oder der Alphabetisierungsgrad, es handelt sich bei der Rangliste um den ewigen Medaillenspiegel bei Freiluft-Weltmeisterschaften der Leichtathletik.

Bei den laufenden Titelkämpfen in Doha haben die österreichischen Athleten mächtig Boden gut gemacht. Mit den beiden Bronzemedaillen durch Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger und Siebenkämpferin Verena Preiner konnte der rot-weiß-rote Verband seine Ausbeute in der 36-jährigen WM-Geschichte auf einen Schlag verdoppeln. „Es ist uns gelungen, die Leistungen von der Europa- auf die Weltbühne umzusetzen. Das ist ein Riesenschritt, da bleiben mir ein bisschen die Worte weg“, sagt selbst Sportdirektor Gregor Högler, der Haupttrainer von Weißhaidinger.

  • FREILUFT

2019, Doha: Verena Preiner (Siebenkampf), Bronze
2019, Doha: Lukas Weißhaidinger (Diskuswurf), Bronze
2001, Edmonton: Stephanie Graf (800 Meter), Silber
1993, Stuttgart: Sigrid Kirchmann (Hochsprung), Bronze

  • HALLE

2018, Birmingham: Ivona Dadic (Fünfkampf), Silber
2004, Budapest: Karin Mayr-Krifka (200 Meter), Bronze
2003, Birmingham: Stephanie Graf (800 Meter), Silber
2001, Lissabon: Stephanie Graf (800 Meter), Silber
1991, Sevilla: Klaus Bodenmüller (Kugelstoßen), Silber

Hatte sich der Podestplatz bei dem 27-Jährigen durch erste Erfolge auf der Weltbühne (Diamond League) bereits abgezeichnet, so sensationell gestaltete sich der Vorstoß in die absolute Weltspitze bei seiner oberösterreichischen Landsfrau. Preiner hielt zwar bereits den nationalen Rekord, stand aber oft im Schatten von Ivona Dadic. Donnerstagnacht war aber Preiners großer (Zahl)-Tag. Zu den Erfolgsprämien vom nationalen (25.000 Euro) und internationalen Verband (18.300 Euro) kam noch ein Preisgeldscheck für den Gewinn des Mehrkampf-Gesamtweltcups hinzu (27.400 Euro).

Diese Summen sind nicht die Regel für Leichtathleten, schon gar nicht, wenn sie aus Österreich kommen. Erst im Vorfeld der WM musste Verena Preiner einen Spendenaufruf starten, um ihr Trainingslager finanzieren zu können. Lukas Weißhaidinger war (und ist) ohnehin kreativ bei der Umsetzung der Trainingspläne. Da er sich lange die teuren Wintertrainingslager nicht immer leisten konnte und man hierzulande eine entsprechende Halle damals noch vergeblich suchte, konstruierte Trainer Högler, ein studierter Maschinenbauer, eine passende Wurfmaschine einfach selbst. Der Diskus flog fortan eben aus Weißhaidingers Scheune im Innviertel auf ein unbeackertes Feld.

Mittlerweile ist eine kleine, aber feine Indoor-Anlage in der Südstadt der ganze Stolz und das heimliche Zentrum des Verbandes. Prekär bleibt die Wettkampfstätten-Situation. Dass erst im Sommer der Umbau der Linzer Gugl in ein reines Fußballstadion abgesegnet wurde, entbehrt in der Heimat von Weißhaidinger, Preiner und Dadic nicht einer gewissen Ironie.

Alternativlos bleibt indes die Verbandsphilosophie der Spezialisierung. Mit einem Jahresbudget von etwa 1,7 Millionen Euro muss sich der ÖLV auf einige wenige Disziplinen konzentrieren. Darunter leiden ein wenig die Spezialisten. In den Disziplinen Kugelstoßen (Freiluft), Weit- und Hochsprung (Halle) kommen die österreichischen Meisterinnen aus dem Lager der Mehrkämpferinnen.

Und die Entwicklung ist noch nicht zu Ende. Verena Preiner strebt ihren Leistungshöhepunkt zu Olympia 2024 an. Dschibuti darf gewarnt sein.

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