Aufsteiger: Weltmeister Jakob Schubert startet in Meiringen.

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Sport
04/04/2019

Klettern: Die vielen Aufstiegshilfen auf dem Weg nach Tokio

Jakob Schubert hat vor dem Auftakt in der Schweiz den Fokus längst auf Olympia gelegt.

von Christoph Geiler

Jakob Schubert ist es schon gewohnt, vorauszuplanen. In dieser Hinsicht unterscheidet sich ein Sportkletterer nicht großartig von einem Schachspieler. Nur dass Jakob Schubert vergleichsweise unbequem in der Steilwand hängt und alle Hände voll zu tun hat,um nicht ins Seil zu stürzen. Aber sonst ähnelt der Denksport Klettern dem Schachspiel, jeder Zug sollte von langer Hand geplant sein.

Im Fall von Jakob Schubert sieht das dann zum Beispiel so aus, dass der Innsbrucker schon 2018 begonnen hatte, im Training neue Wege zu beschreiten. „Ich habe wegen Olympia andere Schwerpunkte gesetzt“, erklärt der 28-Jährige. 2020 in Tokio werden die Kletterer erstmals den sportlichen Olymp erklimmen, und weil bei der Premiere die Medaillen vorerst lediglich im Kombinationsbewerb vergeben werden, sind von den Athleten vor allem Allrounder-Qualitäten gefragt. Denn nur wer alle drei Disziplinen Lead, Bouldern und Speed im Griff hat, wird am Ende nach Edelmetall greifen dürfen.

Dass Jakob Schubert im Klettern ein Alleskönner ist, hat er nicht zuletzt im vergangenen Herbst bei der Heim-WM in Innsbruck bewiesen, als der Lokalmatador neben dem Titel im Leadbewerb auch noch Gold in der Kombination holen konnte. Die Trophäe war auch der Lohn für seine langfristige Planung, denn der ausgewiesene Lead-und Boulder-Experte Schubert hatte seit 2017 etliche Sonderschichten im ungeliebten Speedklettern eingelegt. „Das hat sich definitiv bezahlt gemacht. Der WM-Titel hat mir gezeigt, dass ich vieles richtig gemacht habe. Ich werde immer den Grundstein in meinen Paradedisziplinen legen müssen, aber inzwischen werde ich auch im Speed immer schneller.“

Herausforderung

In dieser Saison, die am Wochenende mit einem Boulder-Weltcup in Meiringen beginnt, steht der Doppelweltmeister aber vor einer neuen Herausforderung: Denn der beste Kletterer der Gegenwert muss sich wie seine Kollegin Jessica Pilz, die Lead-Weltmeisterin von Innsbruck, erst einmal für die Olympischen Spiele in Tokio qualifizieren.

Gerade einmal 20 Tickets sind pro Geschlecht zu vergeben, und dafür bieten sich den europäischen Kletterern nur drei Gelegenheiten: Bei der WM in Hachioji (JPN), bei einem Qualifikationswettkampf in Toulouse sowie bei der EM in Moskau. „Das wird eine sehr spezielle Saison, weil alles im Zeichen von Olympia steht.“ Der Innsbrucker glaubt, dass das Niveau im Weltcup deshalb sogar ein wenig sinken könnte, „denn alle werden schauen, dass sie bei den drei Qualifikationswettkämpfen in Topform sind.“

Der 28-Jährige HZS-Athlet, der in seine zwölfte Weltcupsaison geht, gibt zu, dass er auch wegen der Olympia-Premiere 2020 seine Karriere noch nicht beendet hat. Mit dem Wissen, dass selbst eine Goldmedaille in Tokio die Erfolge bei der Heim-WM in Innsbruck nicht übertreffen wird können. „Das wird immer das Highlight meiner Karriere bleiben.“

Die Kletter-Varianten: Seilschaften auf einen Blick 

Lead

In der Königsdisziplin müssen die Kletterer eine Steilwand auf einer ihnen unbekannten Route bewältigen. Im Idealfall bis zum obersten Ende, dem Top. Die Routen sind mindestens 15 Meter lang, den Athleten steht nur eine bestimmte Zeit zum Klettern zur Verfügung.

Bouldern

In dieser Variante klettern die Sportler ohne Seil und müssen knifflige Hindernisse, sogenannte Boulder, lösen. Das Bouldern ist deutlich kräfteraubender und auch artistischer als das Leadklettern. Auch im Bouldern stehen die Kletterer unter Zeitdruck.

Speed

Bei der jüngsten Form des Sportkletterns wartet eine weltweit genormte Einheitsroute, die möglichst schnell bezwungen werden muss. Der Weltrekord für die 15 Meter hohe Wald liegt bei 5,48 Sekunden. 

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