Auf einer 2,5 Zentimeter dicken Gummischicht liegt der vier bis sechs (für Football) Zentimeter lange Kunstrasen

© Peter Karlik

Sport
07/28/2019

Kunstrasen im Fokus der EU: Bekommt der Fußball ein Problem?

Die Union prüft ein Verbot des Gummigranulats – Alternativen sind in Österreich aber noch kein großes Thema.

von Peter Karlik

Fußball-Eltern kennen das: Das Kind kommt vom Training nachhause, kaum sind die Schuhe aus dem Rucksack, rieselt es auch schon – das Gummigranulat vom Trainingsplatz.

25.500 Kunstrasenplätze gibt es nach Angaben des Europäischen Fußballverbands UEFA in 20 der 28 Staaten der Europäischen Union. Spitzenreiter sind Großbritannien und Deutschland mit je 5.000 Fußball-Feldern. In Deutschland kommen mindestens noch einmal so viele für andere Sportarten dazu. In Österreich gibt es 259 Kunstrasen-Plätze.

In Wien ist der Sportbetrieb ohne Polyethylen-Grashalmen nicht mehr vorstellbar. Die Stadt hat 80 Kunstrasenfelder bauen lassen, dazu kommen einige private Betreiber. Der Unterschied? Ist ein Naturrasenplatz bei günstigem Wetter zwei bis drei Stunden pro Tag bespielbar, gibt es auf dem Plastik kein Limit.

Doch das Problem ist: Die EU-Kommission will Maßnahmen setzen, um Mikroplastik in der Umwelt, also Plastikteilchen mit einem Durchmesser unter fünf Millimeter, zu verringern. Sogar ein Verbot für das Granulat auf Fußballplätzen ist ab 2021 möglich, Übergangsfristen sollen aber einen Kollaps des Breitensports verhindern.

Der Debatte ging eine Studie des Frauenhofer-Instituts 2018 in Deutschland voraus, bei der drei Jahre lang untersucht wurde, woher Mikroplastik in Flüssen und Meeren kommt. Wenig überraschend war der Reifenabrieb im Verkehr die Nummer eins. Auf Platz fünf folgten aber schon Verwehungen von Sport- und Spielplätzen. Der Spiegel zitierte die Studie: „8.000 Tonnen Plastikteilchen gelangten alleine durch die Fußball-Plätze in die Umwelt. Das ist 20-mal so viel, wie der Anteil, der durch umstrittene Wasch-, Pflege-, und Reinigungsmittel in deutschen Haushalten freigesetzt wird.“

Die Folgen in Wien

Der KURIER fragte bei der Wiener Magistratsabteilung 51, dem früheren Sportamt nach, was die aktuelle Diskussion bedeutet. Harald Lang, der mit Sanierungen und Neubauten von Sportanlagen betraut ist, erklärt, dass es derzeit „keine vernünftige Alternative zum Gummigranulat“ gebe. Eine andere Variante ist Quarzsand, der aber bei Stürzen zu Wunden und Verbrennungen führt. Der Boom der Kunstrasenfelder hat erst vor zehn bis 15 Jahren begonnen, als kein Quarzsand mehr notwendig war.

Die zweite Alternative ist Kork mit Kokosfasern. „Doch dazu gibt es keine Langzeitstudien“, sagt Lang. Einige Experten raten den Verantwortlichen in Wien daher davon ab. Kork könnte sich im Winter mit Wasser ansaugen und frieren. „Wenn sich dann Kinder darauf verletzen, stehen wir erst recht in der Zeitung.“

Dennoch wird diese Variante beobachtet und eventuell in naher Zukunft ausprobiert. „In Innsbruck wird heuer ein Kunstrasen mit Korkgranulat gebaut. „Wir werden uns das im Winter genau ansehen.“

Abenteuer will die MA 51 nicht eingehen. „Wir können nicht mit Steuergeld experimentieren.“ Schließlich kostet ein neues Kunstrasenfeld zirka 900.000 Euro. Wenn nur der oberste Belag getauscht werden muss, dann sind es noch zirka 450.000 Euro. Ein Spielfeld hält zehn bis zwölf Jahre, die Stadt Wien saniert zwei bis drei Felder pro Jahr. Harald Lang betont: „Natürlich ginge es auch billiger. Aber wir achten auf die Qualität, und die Normen von der UEFA. Und natürlich ist bei den Kosten auch immer die Entsorgung dabei.“

Bewusstsein bilden

Auch, wenn weiterhin Spielfelder mit dem Gummigranulat gebaut werden, findet durch die Initiative der EU ein Umdenken statt. „Es geht ja um die Verfrachtung des Materials. Also werden wir bauliche Maßnahmen verstärken, damit das Granulat auf den Plätzen bleibt. Auf ein paar Anlagen testen wir demnächst Abstreifmatten, über die alle Spieler gehen müssen, damit das Granulat gesammelt werden kann. Wir setzen auch auf bewusstseinsbildende Maßnahmen, damit die Vereine darauf achten. Zum Beispiel bei der Schneeräumung“, sagt Lang.

Die Hoffnung ist laut Harald Lang aber, dass „der Druck auf die Erzeuger so groß wird, dass echte Alternativen für das Granulat auf den Markt kommen.“

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