© Konstantin Reyer

Sport
01/27/2022

Gehörlos und spitze: Die Geschichte von Österreichs bester Badminton-Spielerin

Katrin Neudolt ist die beste Spielerin des Landes. Auf dem Court hat sie gelernt, mit ihrem Handicap umzugehen. Viel schwieriger ist das im täglichen Leben. Ein Trainingsbesuch.

von Silvana Strieder

In einer Sporthalle in Mödling fliegen die Federbälle. Drei Buben und drei Mädchen kämpfen in einem Trainingsmatch um den letzten Punkt. Hallenschuhe quietschen, der Ball wird mit Wumms getroffen und unter Anfeuerungsschreien zum Aufschläger getragen. Eine lässt der ganze Lärm und der Trubel kalt: Katrin Neudolt. Nicht, weil sie die beste Badmintonspielerin Österreichs ist und schon viel erlebt hat, sondern weil sie taub ist.

Die aktuelle Badminton-Staatsmeisterin und ihre Kollegen unterhalten sich beim anschließenden Stretching angeregt über die nächsten Bewerbe und den neuesten Klatsch und Tratsch, während im Hintergrund Musik läuft.

Im Rhythmus

"Am liebsten höre ich K-Pop (koreanische Popmusik)", sagt Neudolt in Gebärdensprache. "Den Rhythmus der Musik spüre ich durch die Vibrationen." Die 33-Jährige erklärt, dass Gehörlose deshalb auch gute Tänzer sind, viel Rhythmusgefühl besitzen und es lieben, "in der Disco ganz nahe an den großen Lautsprechern zu stehen".

Früher trug Neudolt Hörgeräte und konnte erkennen, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt. "Jetzt trage ich sie nicht mehr, das ist zu anstrengend und ich höre jetzt auch immer weniger."

Dass es einmal völlig still in ihrem Kopf werden könnte, stört sie nicht. "Davor habe ich keine Angst, das beruhigt mich eher und nimmt mir den Stress", sagt die Sportlerin.

Beim Badminton hört Neudolt nichts vom Schlag ihres Gegners oder den Anweisungen der Trainer. Lippenlesen und aufmerksames Verfolgen des Spiels sind deshalb essenziell und helfen ihr, sich nicht nur bei den Wettkämpfen der Gehörlosen durchzusetzen, sondern eben auch bei jenen der Hörenden.

Neudolt betont aber, dass die meisten Gehörlosen und Schwerhörigen nicht Lippenlesen können. "Ich hatte das Glück, dass bei uns immer normal gesprochen wurde."

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Doch das hat sie nicht abgehalten, als Kind auch mal "wegzuhören", wenn die Mama etwas zu Meckern hatte:

"Ich war als Kind echt schlimm und hab’ bei einer Standpauke meistens einfach weggeschaut." Außer in der Schule, "dort musste ich aufmerksam sein, sonst verlor ich schnell den Faden bei schwierigen Fächern".

Im letzten Jahr der HTL erfuhr die damals 17-Jährige durch einen gehörlosen Schulkollegen von der Gebärdensprache. "Ich wusste bis dahin nicht, dass es so etwas gibt. Da tat sich für mich eine völlig neue Welt auf und ich lernte in nicht einmal einem dreiviertel Jahr Gebärden."

Im Uni-Leben

Im Studium erhielt Neudolt in einigen Uni-Kursen Unterstützung von einer Gebärden-Dolmetscherin. "Einige Fächer im Studium der medizinischen Informatik waren aber auch für die Dolmetscher zu komplex", deshalb wechselte Neudolt nach einem Jahr auf das Institut für Sportwissenschaften in Wien. "Sport war logischer für mich und es gab viele spannende Praxiseinheiten."

Obwohl sie nach dem Bachelor noch ein Master-Studium bei einer Fern-Uni anhing, musste sie in jedem Semester für ein paar Dolmetsch-Stunden kämpfen.

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"Das war und ist sehr mühsam. In Österreich gibt es kaum Unterstützung für das Dolmetschen und schon gar nicht im Sport. Hier fehlen die finanziellen Mittel. Ich würde mir wünschen, dass Menschen in jeder Situation einen Dolmetscher bestellen können und dafür eine Bewilligung erhalten."

Kein Wunsch, eher ein Ziel der Heeressportlerin ist "eine Medaille bei den Deaflympics", den Olympischen Spielen der Gehörlosen. Im Mai hat sie in Brasilien die Chance dazu.

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