© APA/dpa/Michael Hanschke

Sport Fußball
10/17/2019

Mesut Özil bricht sein Schweigen: "Rassismus war immer da"

Der Rassismus sei in Deutschland "in der Mitte der Gesellschaft" angekommen, sagt der ehemalige deutsche Teamspieler.

Für den deutschen Ex-Teamspieler Mesut Özil ist der Rassismus in Deutschland „in der Mitte der Gesellschaft“ angekommen. „Unglücklicherweise ist Rassismus nicht mehr länger ein Thema der Rechten“, sagte der Weltmeister von 2014 im Interview des Portals The Athletic am Donnerstag. „Es gibt große Probleme in Deutschland - schaut, was in der vergangenen Woche in Halle passiert ist. Eine weitere antisemitische Attacke.“ Am vergangenen Mittwoch hatte ein schwer bewaffneter Mann versucht, in eine mit mehr als 50 Gläubigen besetzte Synagoge zu gelangen. Als das scheiterte, erschoss er vor der Synagoge eine Frau und kurz darauf einen Mann in einem nahe gelegenen Dönerladen. 

Özil führte die Reaktionen auf sein umstrittenes Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan vor der WM 2018 als Beispiel für rassistische Anfeindungen gegen ihn selbst an. „Es fühlte sich so an, dass wenn ich mich dafür entschuldige und zugebe, dass es ein Fehler war, alles gut wäre“, sagte er. „Das würde ich nie tun. Rassismus war immer da, aber diese Situation wurde von diesen Menschen als Entschuldigung dafür genutzt, ihn auszuleben. Jeder kann seine eigene Meinung haben. (...) Aber das im Anschluss hat ihren Rassismus sichtbar für jeden offenbart.“

Beleidigungen

Er sei im Anschluss an den Erdogan-Termin aufs Schlimmste beleidigt worden. Zudem hätten sich einige Geschäftspartner von ihm abgewandt und Wohltätigkeitsorganisationen ihn als Botschafter fallengelassen.

Özil trat daraufhin mit einem Knall zurück. In einer mehrteiligen Stellungnahme in den sozialen Medien hatte der Mittelfeldmann den DFB und dessen damaligen Präsidenten Reinhard Grindel scharf angegriffen.

„Jeder hat einfach geschwiegen und es geschehen lassen“

Nun, knapp 15 Monate nach seinem Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft bekräftigte Özil seine Vorwürfe gegen den Deutschen Fußball-Bund und verteidigte sein umstrittenes Foto mit Erdogan. "Nach dem Foto habe ich mich nicht mehr geschützt, nicht mehr respektiert gefühlt. Ich wurde rassistisch angegangen - sogar von Politikern und bekannten Persönlichkeiten", sagte Özil im Interview. "Dennoch hat sich zu dieser Zeit niemand von der Nationalmannschaft vor mich gestellt und gesagt: 'Hey, das reicht. Das ist unser Spieler.' Jeder hat einfach geschwiegen und es geschehen lassen."

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Rücktritt war "richtig"

Zum Foto mit Erdogan sagte der Arsenal-Profi: "Er ist der aktuelle Präsident der Türkei und ich würde dieser Person immer meinen Respekt erweisen - egal, wer es ist. Auch wenn ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, ist die Türkei Teil meines Erbes." Auch wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel damals nach London gereist wäre "und nach einem Treffen, einem Gespräch gefragt hätte, hätte ich das natürlich auch getan. Es ging allein darum, Respekt vor dem höchsten Amt eines Landes zu zeigen."

Seinen Rücktritt bezeichnete Özil auch mit dem Abstand mehrerer Monate als "richtige" Entscheidung. "Es war eine sehr schwere Phase für mich, ich habe neun Jahre für Deutschland gespielt und war einer der erfolgreichsten Spieler. Ich habe die WM und mehr gewonnen, eine Menge Spiele gespielt - viele davon waren sehr gut - und habe alles gegeben."

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