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Sport Fußball
07/17/2021

Wacker Innsbruck: Ein neuer Geldgeber mit fragwürdigem Ruf

Michail Ponomarew hilft dem Zweitligisten finanziell aus der Klemme. In Deutschland sorgte der Russe für negative Schlagzeilen.

von Christoph Geiler

Zumindest eines hat man beim FC Wacker Innsbruck aus der jüngeren Vergangenheit gelernt. Der neue Geldgeber wird nicht als "finanzstarker Partner", "Investor" oder "Gönner" gepriesen, sondern er wird als das genannt, was er ist: Jemand, der dem klammen Zweitligisten Geld zur Verfügung stellt, das er - im Idealfall - wieder in irgendeiner Form zurückhaben möchte.

Ein Finanzunternehmen rund um Michail Ponomarew und seine Partner sorgt mit einer Überbrückungsfinanzierung für die Sicherung des Spielbetriebs schrieb der FC Wacker an seine Mitglieder.

Der Nächste also. Nach Matthias Siems, dem angeblichen Spross einer alteingesessenen Hamburger Kaufmannsfamilie, hat Wacker schon wieder jemanden an Land gezogen. Im Gegensatz zum Norddeutschen, der ein großes Geheimnis um seine Person macht, existieren von Michail Ponomarew Bilder und Einträge auf Wikipedia.

Was über den Russen zu lesen ist, muss bei den Wacker-Fans dann doch eher für Entsetzen als für Erleichterung sorgen. Besagtem Michail Ponomarew eilt ein zweifelhafter Ruf voraus. Der Unternehmer war in den vergangenen zehn Jahren bereits bei mehreren Sportvereinen engagiert, zuletzt wollte er den deutschen Traditionsverein KFC Uerdingen aus der Bedeutungslosigkeit zurück in Liga zwei führen.

Doch das Projekt endete im Chaos. Über den KFC Uerdingen wurde erst vor wenigen Wochen ein Insolvenzverfahren eingeleitet und dem Klub die Lizenz für die dritte Liga entzogen. Das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" widmete Michail Ponomarew erst in der Ausgabe vom 22.Mai einen mehrseitigen Artikel, der den Russen, höflich formuliert, in keinem guten Licht erscheinen lässt.

Warum lässt sich der FC Wacker überhaupt auf so jemanden ein?

Es sind wohl die pure Verzweiflung und Aussichtslosigkeit, die die Klub-Verantwortlichen antreiben. Bereits im Winter 2020 stand der zehnfache Meister an der Kippe - und fand dann in Matthias Siems jemanden, der Wacker von einer großen Zukunft träumen ließ. Eineinhalb Jahre später stand der Verein in diesem Sommer erneut vor dem finanziellen Abgrund.

Ohne die Gelder des Hamburgers, der dem Klub immerhin knapp 3 Millionen Euro überwiesen hatte, hätte ein rigider Sparkurs gedroht. In einem Zukunftspapier, das der Klub an seine Sponsoren übermittelte, wurden die verschiedenen Szenarien skizziert: Der Weg B wäre demnach eine Reduktion des Etats auf 3,3 Millionen Euro gewesen, sämtliche Bereiche wären auf "ein Minimum" gekürzt worden.

Die Alternative heißt nun Michail Ponomarew, der laut Auskunft des FC Wacker keinen direkten Einfluss auf den Verein nehmen soll. Beim KFC Uerdingen war das seinerzeit anders, da war der Russe schon auch einmal in der Kabine aufgetaucht. "Der Spiegel" zitierte den Spieler Manuel Konrad mit folgenden Worten: "Ich habe noch nie so ein Monster in der Kabine gesehen."

Dass der FC Wacker Innsbruck nun erneut auf ausländisches Geld angewiesen ist, verdeutlicht nur, wie es um das Image des Klubs im eigenen Land bestellt ist. Emotional ist der zehnfache Meister zwar immer noch die unangefochtene Nummer eins in Tirol - das wurde nicht zuletzt beim 8:0-Cup-Erfolg im Stadtderby gegen Reichenau deutlich - in der Öffentlichkeit hat Wacker Innsbruck aber zuletzt viele Sympathien verspielt.

Hände weg - das lautet das Motto bei einigen regionalen Geldgebern. Obendrein sorgte es landauf, landab für Irritationen, welch aufgeblähten Personalapparat der Zweitligist hat. Bis Freitag beschäftigte der FC Wacker fünf (!) hauptberufliche Vorstände, die sich laut Informationen der Kronenzeitung im Budget jährlich mit 600.000 Euro niederschlagen. Dazu kommt noch ein stattlicher Mitarbeiterstab in der Geschäftsstelle.

Am Freitag legten nun die beiden Vorstände Peter Margreiter und Felix Kozubek ihr Amt nieder, auch Mitarbeiter der Geschäftsstelle verlassen den Verein.

Die Vereinbarung mit Michail Ponomarew war für den FC Wacker schlicht der letzte Strohhalm und erscheint den Klubverantwortlichen wohl als geringstes Übel.

In einem Vorstandsstatement heißt es: Wir sind froh, dass es mit diesem Maßnahmen-Mix gelungen ist, Variante C abzuwenden. Wir hätten uns von 14 Spielern und 14 Mitarbeitern trennen müssen. Auch in allen anderen Bereichen wäre es zu empfindlichen Einsparungen gekommen. Nicht auszudenken was auf unseren Tiroler Traditionsverein alles zukommen hätte können. Die Überbrückungsfinanzierung und Sponsorenerfolge erlauben es uns, den eingeschlagenen Weg weitergehen zu können. Dennoch werden sinnvolle Einsparungen vorgenommen. Jetzt können wir uns alle wieder aufs Wesentliche, den Fußball konzentrieren. Auf eine erfolgreiche und tolle Saison 2021/22.

 

 

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