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Sport Fußball
12/07/2019

Vor dem 330. Wiener Derby: Ein Klassiker mit neuer Brisanz

Im Kampf um die Top 6 und den Einzug in die Meistergruppe benötigt die Austria einen weiteren Sieg im Rapid-Stadion.

von Alexander Huber, Alexander Strecha

Am 16. Dezember 2018 gab es zuletzt ein Winter-Derby. Es endete mit dem historischen 6:1-Sieg der Austria. Rapid stürzte danach in die Qualifikationsgruppe, die Austrianer retteten sich in die Top 6 nach 22 Runden.

Vor dem 330. Wiener Derby am Sonntag (17 Uhr) in Runde 17 zittert erneut ein Wiener Großklub um die Teilnahme an der Meistergruppe, diesmal ist es die Austria.

Fragen und Antworten vor dem brisanten Duell der Erzrivalen in Hütteldorf:

  • Was erwarten die beiden Trainer vor ihrem ersten Derby in Hütteldorf?

"Dieses Derby hat unglaubliche Brisanz, wir freuen uns riesig darauf", kündigt Rapid-Trainer Didi Kühbauer an. Gespielt werden soll offensiver als beim 4:0 beim LASK: "Wir müssen den Leuten auch etwas bieten. Hinten reinstellen ist wegen der Spielanlage des LASK möglich, aber dafür steht Rapid nicht", betont Kühbauer.

Christian Ilzer erwartet von seinem zweiten Derby ein intensives Spiel mit vielen Zweikämpfen. "Wir kommen nicht als Favorit, aber auch nicht als krasser Außenseiter." Wichtig wird sein, "intensiv gegen den Ball zu arbeiten und bei Ballbesitz die richtigen spielerischen Lösungen parat zu haben".

  • Gibt es im Derby noch einen Heimvorteil?

Rapid wartet bereits seit 2014 auf einen Sieg in Hütteldorf. Im Hanappi-Stadion gab es am 9. Februar ein 3:1, Austria-Trainer Bjelica musste gehen. Während der Bauarbeiten für das Allianz Stadion kamen die Grünen im Prater auch noch auf eine gute Bilanz. Seit der Stadioneröffnung hat hingegen die Austria einen neuen Lieblingsort: In Hütteldorf gab es bislang drei Siege und zwei Remis.

"Das ist eine komische Geschichte, die ich nicht erklären kann", rätselt Rapid-Kapitän Stefan Schwab. "Aber ich bin sicher, dass wir diese Serie am Sonntag brechen."

Florian Klein hält dagegen und geht von einer Fortsetzung der Serie aus. "Natürlich war das unter der Woche immer wieder Thema, wenn man darauf angesprochen wird", erzählt der Routinier der Violetten.

  • Fällt eine Entscheidung für die Top 6?

Rapid könnte nach einem Punktgewinn im Derby mit neun Punkten Vorsprung auf die Austria fix für die Meistergruppe planen. "Wir wissen, dass wir mit einem Sieg die Situation der Austria verschärfen können. Das ist das Ziel, ganz ohne Schadenfreude – wir wollen für unsere Fans gewinnen", kündigt Kühbauer an.

Die Austria benötigt Siege und darf nicht verlieren, will sie noch eine Chance auf Rang 6 wahren. Bereits heute kann Hartberg als Sechster zu Hause gegen den SKN St. Pölten vorlegen. Wobei die Violetten ohnehin gut daran täten, in erster Linie ihr Spiel nachhaltig zu verbessern und erst dann konkrete Saisonziele zu verfolgen.

  • Zuletzt gab es bei beiden Teams Verletzungen. Wer fällt aus?

Bei Rapid sind Kitagawa, Schick und Stojkovic wieder im Training, "ein Derby-Einsatz kommt aber noch zu früh", meint Kühbauer. Fraglich ist Taxi Fountas – aber nicht wegen einer Verletzung. Der Goalgetter und seine Frau warten seit einer Woche auf die Geburt des ersten Kindes. "Beim ersten Kind will man dabei sein. Wenn das genau am Sonntag passiert, würde ich es auch akzeptieren", betont Kühbauer.

Bei der Austria fehlen Sax und Borkovic – nicht nur im Derby, sondern auch in der Woche darauf beim Heimspiel gegen Wolfsberg.

  • Mit dem 330. Derby gibt es ein kleines Jubiläum. Sind weitere runde Zahlen zu erwarten?

Stefan Schwab steht vor seinem 100. Bundesligaspiel unter Trainer Didi Kühbauer. Weil Christopher Dibon so oft verletzt war, ist der Rapid-Kapitän auch die Nr. 1 in der Kühbauer-Statistik. Insgesamt absolvierte Schwab unter 15 Trainern Profi-Spiele. Mit dabei sind so prominente Namen wie Niko Kovac, Adi Hütter, Gerhard Struber oder auch Toni Polster.

Keine runde Zahl, aber eine spezielle hat Florian Klein vorzuweisen: Er geht mit 222 Spielen für die Austria in den Beinen ins Derby.

Hartberg - Austria
  • Beide Teams probierten diese Saison mehrere Systeme. Was ist taktisch zu erwarten?

Beim 3:1-Auswärtssieg im August griff Rapid mit einem 4-2-3-1 an, die Austria verteidigte mit einer Dreierkette. Am Sonntag könnte es umgekehrt sein, zumal die Austria an der zuletzt erfolgreichen Ausrichtung im 4-2-3-1 gegen Hartberg (5:0) nicht allzu viel verändern möchte.

Rapid war bislang auswärts im 3-1-4-2-System erfolgreich, zu Hause wird noch nach einer erfolgreichen Abstimmung gesucht.

  • Rund 24.000 Tickets sind bereits verkauft. Gibt es noch Karten?

Die Haupttribüne ist schon ausverkauft. Für Rapid-Fans gibt es noch Restkarten für den "Block West" und einige Hundert hinter dem anderen Tor im Norden. Fans der Violetten konnten ausschließlich bei der Austria Tickets für den Gäste-Block erwerben, 1.500 Fans der Austria werden mit von der Partie sein.

  • Vor rund einem Jahr kam es zum „Derby-Kessel“. Sind außergewöhnliche Sicherheitsvorkehrungen geplant?

Nein, nur die üblichen verschärften Sicherheitsmaßnahmen für ein Duell der Wiener Klubs. Heikler war es im August, als das erste Derby nach dem „Kessel“ in Favoriten ohne gröbere Probleme über die Bühne ging. Insgesamt wird ein ausverkauftes Allianz Stadion mit mehr als 25.000 Fans erwartet.