Malta v Faroe Islands

© EPA / Domenic Aquilina

Winheims Tagebuch
03/28/2021

Besser als Österreich? Warum die Färöer zu beneiden sind

Die Färinger gehen zwar als krasser Außenseiter in das WM-Quali-Spiel gegen das ÖFB-Team. Was Corona betrifft, stehen sie aber deutlich besser da.

von Wolfgang Winheim

Er akzeptiert jedes Serum. „Auch Astra Zeneca“, sagt Ex Teamchef Josef Hickersberger. Schließlich zähle er in zweifacher Hinsicht zur Risikogruppe. Weil er a) 73 wird und b) vor zwei Jahren trotz asketischer Lebensweise einen, wenn auch glimpflich ausgegangnen Schlaganfall erlitten hat.

Statt eines Impftermins via SMS von 1450 bekommt Hickersberger vorerst wegen des heutigen WM-Qualifikationsspieles gegen die Färöer Anrufe von Reportern, die wissen wollen, wie das im September 1990 war. Als Österreich unter seiner Regie („Ich kann darüber heute noch net lachen.“) trotz Kapazundern wie Tormann Michael Konsel, Andi Herzog und Toni Polster gegen Fischer und Schafzüchter 0:1 verlor. Und das, obwohl die Färöer auf neutralem Boden in Landskrona spielen mussten, weil es damals auf keiner ihrer 24 kleinen Inseln im Nordatlantik ein Rasenfeld gab.

Grotesker Revancheversuch

Frustriert meinte ein zum Färöer-Pepi Umgetaufter noch am schwedischen Schauplatz der Blamage: „Normalerweise musst’ gegen die Färinger auch mit dem Journalistenteam gewinnen.“

Ein Spruch, den der Coach der Reporterauswahl Hans Hofstätter dermaßen ernst nehmen sollte, dass seine Wiener Hobbytruppe mit FIFA-Genehmigung als erste österreichische Mannschaft auf Kunstrasen in Torshavn einlaufen und der Schreiber dieser Zeilen mit dem legendären Zipfelmützentormann und Kapitän Jens Martin Knudsen den Wimpeltausch vornehmen durfte.

Knudsen wollte sich auch an dem – für Färöer-Begriffe mit 14 Grad warmen – Julitag nicht von seinem Hauberl trennen. Und es kaum wahrhaben, dass es hinter ihm in den ersten 20 Matchminuten gleich zweimal einschlug.

Zu Ehren der österreichischen Gäste hatte man sogar den Mini-Flughafen rot-weiß-rot beflaggt. Während der Fahrt zum neuen Kleinstadion zeigte der Bus-Chauffeur stolz auf ein blaues Haus am Hügel. Es war dem Siegestorschützen von Landskrona gebaut worden. Verehrt wie ein Nationalidol hatte Torkil Nielsen nach dem 1:0 seine Karriere am Höhepunkt beendet.

Alle anderen Helden von Landskrona traten in Torshavn gegen unsere durch die Ex-Austrianer Karl Daxbacher und Gerald Glatzmayer ( 2001 im Auto) verstärkte, in die Jahre gekommene Juxtrupp’n an. Worauf wir nach unerwarteter 2:0-Pausenführung – von Krämpfen und Zerrungen geplagt – zur Freude von 1.600 zahlenden Augenzeugen 2:5 verloren. Fazit: Revanche misslungen, reif fürs Sauerstoffzelt.

Und dennoch: Mehr als von unseren Bezwingern war so mancher meiner Mitkicker vom Vorspiel beeindruckt. Und dementsprechend abgelenkt beim Aufwärmen, jagten doch 22 topfitte Frauen der Kugel hinterher. Während der Frauenfußball in Österreich zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen steckte.

Inzwischen hat das vermeintliche schwache kickende Geschlecht in Österreich (siehe EM-Semifinaleinzug 2017) stark aufgeholt.

Inzwischen haben sich Färöers Inselmänner taktisches Know-how vom Festland angeeignet, wodurch Überraschungen öfter möglich sind.

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Inzwischen verfügt FrancoFoda über einen dermaßen guten Kader (Hickersberger: „Zu Hans Krankls und meinen Teamchefzeiten hätten wir bei so vielen Ausfällen die weiße Fahne gehisst“), dass ein zweites Landskrona auszuschließen ist. Doch selbst wenn Shootingstar Sasa Kalajdzic heute im Prater beim WM-Quali-Spiel zwischen der Nummer 23 und der 103 der Weltrangliste gleich einige Bummerln gelingen, sind die Färinger zu beneiden. Was die Corona-Inzidenz betrifft.

Österreich 250, Färöer 0.

In Worten: Keinen einzigen Infizierten hat es unter den 49.000 Menschen auf ihren windigen Inseln in der vergangenen Woche gegeben.

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