Heute sind die Deutschen Favorit gegen Lienhart (re.) und Kollegen.

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Sport | Fußball
06/23/2019

U-21-EM: Österreich-Deutschland, ein Finale mit Derby-Charakter

Österreich kämpft gegen Deutschland um den Halbfinal-Einzug. Alles ist möglich in Udine.

Das finale Gruppenmatch bei der U-21-EM gegen Deutschland ist wie ein Lotteriespiel – alles ist möglich in Udine am Sonntag (21 Uhr/live auf ORFeins). Das ÖFB-Team kann mit einer heftigen Niederlage ausscheiden, umgekehrt mit einer Sensation gar noch den Gruppensieg davontragen. „Wir wissen, dass wir einen Sieg brauchen“, bricht Hoffenheim-Legionär Stefan Posch die Rechenaufgabe auf eine einfache Formel herunter. Wenn gleichzeitig die Dänen nicht gegen Serbien gewinnen, lacht Österreich von der Tabellenspitze. Doch alle im ÖFB-Team versichern, keinen Seitenblick zum Parallelspiel zu wagen. „Wir schauen nur auf uns“, so Posch.

Die Chance auf den besten Gruppenzweiten, der ebenfalls ins Halbfinale aufsteigt, ist sehr gering, da in Gruppe C Rumänien und Frankreich nach zwei Spielen je sechs Punkte haben und noch aufeinandertreffen. Wahrscheinlich qualifizieren sich somit beide Teams für das Halbfinale.

Das Wiedersehen

Alle im österreichischen Lager sehen sich in der klaren Außenseiterrolle – und fühlen sich darin auch wohl. Für die Deutschland-Legionäre Posch und Baumgartner (Hoffenheim), Friedl (Bremen), Danso (Augsburg), Lienhart (Freiburg) und Honsak (Kiel) besitzt das Spiel eine zusätzliche Brisanz mit dem Wiedersehen mit einigen Klubkollegen. Kapitän Lienhart bekommt es beispielsweise mit Luca Waldschmidt zu tun. „Ich hatte mit ihm Kontakt, habe ihm zu seinen Toren gratuliert. Diesmal müssen wir ihn von unserem Tor weghalten.“

Das wäre auch Alexander Schlager Recht, für den der Sonntag wohl kein Ruhetag wird. „Es wird wahrscheinlich mehr zu tun sein“, grinst der Torhüter. „Ich muss 90 Minuten den Fokus hochhalten, weil die Deutschen praktisch aus dem Nichts gefährlich werden können.“

Wenn die Spieler zu ähnlicher Hochform auflaufen wie Teamchef Gregoritsch bei der internationalen Pressekonferenz, dann geht Österreich definitiv als Sieger vom Platz. Auf die Frage, was die Deutschen von den Österreichern noch lernen könnten, meinte er: „Den Humor, da habt’s a bisserl Probleme.“ Im Anschluss fiel die Begrüßung mit Deutschlands Teamchef Stefan Kunz herzlich aus. Kunz nannte Gregoritsch „Burli“ und umarmte ihn lange.

Der Mutmacher

Der Jahrgang 1996, der heute in Udine auf die Deutschen trifft, kann sich mit einem positiven Ergebnis aus der Vergangenheit Mut machen. Denn am 14. Oktober 2014 besiegte Österreichs U-19-Team unter Trainer Hermann Stadler in der EM-Quali Deutschland 5:1. Gregoritsch wird diesmal mit personellen Veränderungen mehr Frische ins Spiel bringen. „Einige haben im Training gezeigt, dass sie spielen wollen. Wir wollen mit unserer Leistung dazu beitragen, dass der Abend unvergesslich wird.“

DFB-Teamchef Kunz, der seine ersten beiden Lebensjahre in Wien verbracht hatte, weiß, was die Deutschen erwartet: „Es kommt viel Emotionalität auf uns zu. Und es war von Werner klug, uns viel zu loben.“