Neo-Bulle Max Wöber.

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Sport Fußball
08/14/2019

Red-Bull-Risikotransfer: Viele Rucksäcke für den Ex-Rapidler

Österreichs Teamspieler Max Wöber steht bei Salzburg als teuerster Spieler der Bundesliga-Geschichte unter Beobachtung.

Es ist ein Wagnis, dass Max Wöber mit seinem Wechsel vom spanischen Spitzenklub FC Sevilla zum österreichischen Serienmeister Red Bull Salzburg eingeht. Der Transfer des 21-Jährigen ist seit Dienstagmittag endgültig fix.

Der Wiener ist der sechste ehemalige Rapid-Spieler, der das Red-Bull-Trikot tragen wird. Zwar absolvierte er nur 24 Spiele für die Hütteldorfer, aber seine Bindung zum Wiener Verein ist zumindest noch Anfang Mai so groß gewesen, dass er bei Cup-Finale in Klagenfurt im Rapid-Fanblock war – bei der 0:2-Niederlage gegen die Salzburger.

Wie heikel seine Rapid-Vergangenheit ist, zeigt sich auch in der Presseaussendung der Salzburger zum Transfer. Dass Wöber bei Ajax Amsterdam und FC Sevilla gespielt hat, wird erwähnt. Seine immerhin sieben Jahre bei der Hütteldorfern werden hingegen verschwiegen.

Auch die Ablöse wird nicht verraten. Das ist aber Red-Bull-Gepflogenheit. Vorerst dürfte eine Summe fließen, die knapp unter jener liegt, die Sevilla erst in diesem Jahr für Wöber ausgelegt hat (10,5 Mio. €). Dazu könnten Boni kommen, die den Betrag in eine deutlich zweistellige Millionensumme steigen lassen würden.

Rekordspieler

Egal, wie viel es nun auf den Cent genau ist, Wöber ist der teuerste Einkauf der Salzburger Klubgeschichte und auch der teuerste Spieler, den jemals ein Bundesliga-Klub verpflichtet hat – für einen 21-Jährigen, der noch dazu Defensivspieler ist, ist das natürlich eine weitere Bürde.

Für Salzburg ist Wöber aber immerhin offenbar ein langfristiges Projekt. Er erhielt einen Fünf-Jahres-Vertrag. Beim Serienmeister ist er der bereits zwölfte Abwehrspieler für gerade einmal maximal vier Positionen. Das garantiert ein Gedränge um die Plätze in der Startelf.

Wöber wird unter genauer Beobachtung stehen. Aber kann er den Salzburgern, die ja ab Mitte September erstmals in der Champions League spielen, sofort helfen? Dass er der zuletzt wackligen Defensive im Alleingang Stabilität verschafft, sollte von ihm nicht erwartet werden – zumindest nicht sofort.

Denn Wöber, dem von Sevilla ein Abgang nahegelegt worden war und der laut Eigenaussage nur von Salzburg ein konkretes Angebot hatte, fehlt auf jeden Fall eines, nämlich die Spielpraxis. Anfang April hatte er sich einen Meniskusriss zugezogen. Deshalb verpasste er auch die U-21-EM in Italien. Mittlerweile ist er wieder fit, auch dank seines Ex-Klubs Rapid, bei dem er einen Teil der Reha absolvieren durfte.

Die Spielweise von Red Bull ist für Wöber auch Neuland. Die Anforderungen, die gerade an Innenverteidiger gestellt werden, sind hoch. Jesse Marsch, Salzburgs neuer Trainer, lässt viel höher und extremer pressen als sein Vorgänger Marco Rose. Davon profitiert die Offensive, darunter leidet die Defensive.

Vorgänger

Vieles erinnert an die Zeiten unter den Trainern Roger Schmidt und Peter Zeidler. Ersterer verzichtete in seinen zwei Jahren überhaupt auf externe Neuzugänge in der Verteidigung. Unter Zeidler wurde Paulo Miranda geholt. Der Brasilianer hatte extreme Anpassungsprobleme. Es dauerte Monate, bis er seine Klasse zeigen konnte.

Wöber hat in Salzburg immerhin sechs Konkurrenten in der Innenverteidigung. In einem Punkt unterscheidet er sich von diesen. Er ist ausgewiesener Linksfuß, während bei Jérôme Onguéné, Albert Vallci und Marin Pongracic, die in den letzten Monaten den linken Part in der Innenverteidigung abwechselnd spielten, der rechte Fuß der eindeutig bessere ist.

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Aber wer weiß, ob die Salzburger überhaupt noch lange mit einer Viererkette spielen werden. Marsch hat schon mehrmals angekündigt, dass für ihn auch eine Dreierkette zukünftig eine Option ist. In dieser könnte Wöber den linken Part übernehmen. Erfahrung mit dieser hat er schon beim FC Sevilla gesammelt. Und als Linksfuß hat er für diese Rolle sicher einen Startvorteil.

Für Salzburg ist der teuerste Neuzugang aber auch ein Eingeständnis, dass in den vergangenen zwei Jahren die perspektivischen Transfers für die Defensive (noch) nicht aufgegangen sind. Mit Mahamadou Dembélé und Abdourahmane Barry waren zwei Innenverteidiger aus dem Nachwuchs von Paris Saint-Germain geholt worden. Beide sind bisher zumindest überhaupt kein Thema für den Profikader.