Mike Büskens gibt am Samstag seinen Liga-Einstand

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Fußball
07/23/2016

Rapid-Trainer Büskens: "Ich bin schon sehr verbissen"

Der Deutsche über seinen Job in Wien, Vorgänger Zoran Barisic, die Seele der Spieler und die Systemfrage.

von Alexander Huber

Um 16 Uhr (zum Spielbericht) wird die neue Bundesliga-Saison eröffnet. Neu ist neben dem Allianz-Stadion auch die Besetzung auf den Trainerbänken: Mike Büskens trifft mit Rapid gegen Ried auf seinen deutschen Landsmann Christian Benbennek. Ob es in Hütteldorf mit Richard Strebinger eine neue Nummer eins gibt oder Jan Novota sein Comeback gibt, lässt der 48-jährige Düsseldorfer Büskens offen.

KURIER: Sie sind seit sechs Wochen bei Rapid. Wie würden Sie das Kennenlernen beschreiben?

Mike Büskens: Ich wollte zuerst ein Gefühl für jeden einzelnen und die Gruppe bekommen. Ich bin ein Teil des großen Ganzen. Ich sehe mich sicher nicht außen vor, sondern mittendrin.

Wollen Sie wie Ihr Vorgänger Barisic für Spieler auch abseits der Trainingsarbeit da sein?

Definitiv, das war immer so. Für mich laufen da nicht nur Trikots mit Nummern herum. Hinter jeder Nummer steckt eine Seele. Die Seele ist auch entscheidend, ob der Spieler seine Leistung abrufen kann. Deswegen interessiert mich auch der Mensch hinter dem Fußballer.

Welche Seele spüren Sie bei einem Verein wie Rapid?

Wahnsinnig viel Energie, Tradition, Innovation, aber auch Motivation. Das ist ein Verein im Spagat zwischen den wichtigen Wurzeln und der nötigen perspektivischen Weiterentwicklung.

Das Rapid-Spiel war darauf ausgelegt, geduldig zu bleiben, bis mit einem Durchbruch Top-Chancen kreiert werden. Die wurden aber zu oft vergeben. Jetzt wird ein Stürmer gesucht. Wie sehen Sie die Situation?

Die Effizienz war letzte Saison ein Manko. Wir brauchen Spieler, die zehn bis 15 Tore schießen, damit wir um den Titel mitspielen können. Der Ausfall von Jelic ist sehr bitter. Er wirkte auf mich so, als habe er sich immer viel Druck gemacht. Knapp vor seiner Verletzung wurde er offener und lockerer. Joelinton sehe ich als Transfer mit Fantasie: Er kann sehr viel, aber er ist erst 19, spricht die Sprache nicht und hat ein Jahr nicht gespielt.

Alfred Hörtnagl meint: "Ich habe selten ein so perfektes 4-4-2 gesehen wie das von Büskens in Fürth." Wann gibt es das in Hütteldorf zu sehen?

Hier sind die Spieler das 4-2-3-1 gewohnt, seit Jahren sind Transfers darauf ausgerichtet. Ein System muss sich auch am aktuellen Spielermaterial orientieren.

Es fordert niemand ein 4-4-2. Aber Ihr Vorgänger wurde auch intern dafür kritisiert, keinen Plan B zu präsentieren.

Sie haben zuvor gesagt, dass Rapid viele Top-Chancen vergeben hat. Wenn öfter das fällige 1:0 gelungen wäre, hätte es keine Kritik am 4-2-3-1 gegeben. Dann würden Sie mich jetzt nicht zum 4-4-2 fragen.

Sie klingen wie Barisic. Das sind exakt seine Argumente.

Nein, ich klinge wie Büskens. Natürlich werden wir situativ auch mit einem zweiten Stürmer spielen. Wir wollen variabel sein. Es geht darum, die Räume zu besetzen, nicht um das System.

Haben Sie sich bei Barisic über manche Details informiert?

Nein, weil ich weiß, wie man sich fühlt, wenn man seinen Job verliert: Ich hatte immer den Wunsch nach Abstand. Außerdem wollte ich wie bei all meinen Stationen alles möglichst unvoreingenommen beobachten, ohne frühere Einschätzungen.

Sie hätten einen neuen Assistenten aussuchen können. Stimmen Sie zu, dass es ungewöhnlich ist, darauf zu verzichten?

Ja.

Warum haben Sie es nicht getan?

Nur um meine Macht zu demonstrieren, will ich keinen rausschmeißen. Die Zusammenarbeit mit diesem Team ist sehr gut. Und für noch einen Assistenten mehr wäre im Trainer-Zimmer auch kein Platz mehr.

Ist der Kader besser als jener der vergangenen Saison?

Das zu sagen, wäre noch zu früh. Mit Kainz ist der beste Scorer der Liga weg. Petsos konnte das Spiel perfekt organisieren. Auch Stangl steht für Qualität. Jetzt wollen wir diese Lücken schließen, das geht nur über das Kollektiv.

Der Kader ist für einige Positionen sehr breit aufgestellt. Wie gehen Sie mit Spielern um, die Sie enttäuschen oder gar auf die Tribüne setzen müssen?

Ich weiß aus meiner Spielerkarriere, wie sich das anfühlt. Ich will offen mit allen Spielern umgehen und habe auch schon mit einigen besprochen, wie ihre Situation aussehen könnte. Da muss jeder von seinem Ego etwas abgeben. Wir wollen so lange wie möglich auf drei Hochzeiten tanzen, da braucht es auch Rotation.

Wie gehen Sie mit Druck um?

Druck gehört dazu und kann auch antreiben. Ich weiß, dass es Sehnsüchte und Ansprüche bei Rapid gibt. Ich will das Bestmögliche rausholen, weiß aber auch, dass es hier mit Red Bull einen Klub gibt, der seit Jahren die Liga dominiert. Meine eigene Erwartung ist jedenfalls sehr hoch. Natürlich ohne Ihnen zu verraten, wie hoch. Aber das ist mein Druck!

Mein Eindruck ist: Sie haben kein Interesse daran, ein Schwätzer zu sein. Sie sind aber auch nicht verlegen um eine Pointe. Ist das korrekt?

Ja! Das Leben ist schon ernst genug, da darf man bei mir auch mal lachen. Ich bin schon sehr verbissen, weil ich an mich selbst sehr hohe Ansprüche stelle. Aber ich weiß, dass Schmäh dazugehört. Wichtig ist, dass alle gerne zur Arbeit kommen.