Für die Rapidler war's ein Spaziergang.

© APA/HERBERT NEUBAUER

Bundesliga
07/23/2016

Rapid schießt Ried aus dem Allianz Stadion

Die Hütteldorfer gewinnen das erste Pflichtspiel im neuen Stadion 5:0.

von Alexander Huber

Dieser Start fällt in die Kategorie perfekt: Das erste Pflichtspiel im Allianz Stadion wurde zu einem Festtag in Grün. Starke Rapidler schossen erschreckend schwache Rieder mit 5:0 ab, 23.600 Fans feierten die Hausherren, das neue Zuhause und auch sich selbst.

Bei über 30 Grad ist damit auch das Debüt von Mike Büskens geglückt. Während Christian Benbennek beim 39. Versuch von Ried, endlich ein Ligaspiel bei Rapid zu gewinnen, einen fürchterlichen Einstand erlebte. „Wir waren das Gastgeschenk, nicht der Partyschreck“, erkannte der Deutsche.

Die Wiener starteten vor extrem lautem Publikum konzentriert. Nach zehn Minuten nahm der Druck zu, die Rieder wussten sich nur mit Fouls zu helfen. Die Standards waren beinahe durchwegs gefährlich. Nach einem Murg-Freistoß setzte Neuzugang Christoph Schösswendter seinen langen Körper ein und köpfelte das 1:0 (13.).

Novotas Comeback

Die einzige Chance, ins einseitige Spiel zurückzukommen, hatte Walch (22.). Novota hielt beim Comeback – der Slowake hat das Einserleiberl gegen Strebinger verteidigt. Büskens verändert die Hierarchie woanders: Schwab übernahm (statt Dibon) vom verletzten Steffen Hofmann das Kapitänsamt. Der bisherige Vize Sonnleitner musste auf die Tribüne.

Auf dem Feld zogen die Hausherren schnell wieder das Tempo an. Ried rannte nur hinterher, der überforderte Linksverteidiger Marcos spielte „Hauptsache, der Ball ist weg“. Rapids Linksverteidiger Schrammel kann hingegen auch mit rechts flanken, so wie vor dem 2:0 durch einen präzisen Kopfball von Louis Schaub (29.). Auch am 3:0 war Schaub beteiligt, der einen Konter zu Schobesberger brachte. Wie in der Halle wurde Thomas Murg freigespielt. Im zweiten Versuch traf der Ex-Rieder (44.).

Der Ex-Rapidler Egho verlor daraufhin die Nerven: Eine Attacke im Luftkampf gegen Dibon beendete das Debüt im Ried-Sturm – Gelb-Rot (45.). Auch für Dibon war Schluss (Zerrung im Schultergelenk), Max Hofmann kam in der Pause.

Drei Verletzte

Ebenfalls angeschlagen mussten Schösswendter (Tritt auf die Achillessehne) und Murg (Wadenbeinprellung) raus, Mocinic und Traustason feierten ihre Debüts.

Noch auf der Bank hatten die Rekordeinkäufe zwei weitere Treffer gesehen. Beim 4:0 hatte Schobesberger mit der Ferse auf Murg weitergeleitet (55.). Nur eine Minute später fand eine Pavelic-Flanke den Kopf des starken Neuzugangs Joelinton – 5:0.

„Wir wollten stärker auf den Endzweck spielen. Das war das Zeichen, das der Trainer eingefordert hat“, erklärt Schösswendter, der die drei Verletzungen sportlich nimmt: „Fußball ist und bleibt ein Kontaktsport.“

Der Einsatz von Dibon und Murg im Europacup am Donnerstag ist fraglich, einen längerfristigen Ausfall schloss die medizinische Abteilung von Rapid am Samstagabend aber aus.

SK Rapid Wien - SV Ried 5:0 (3:0)

Wien, Allianz Stadion, 23.600, SR Harkam.


Tore: 1:0 (13.) Schößwendter
2:0 (29.) Schaub
3:0 (42.) Murg
4:0 (55.) Murg
5:0 (56.) Joelinton

Rapid: Novota - Pavelic, Schößwendter (60. Mocinic), Dibon (46. M. Hofmann), Schrammel - Grahovac, Schwab - Murg (69. Traustason), Schaub, Schobesberger - Joelinton

Ried: Gebauer - Hart, Reifeltshammer, Özdemir, Marcos - Möschl, Brandner (46. Prada), Ziegl, Zulj (78. Honsak) - Walch (60. Fröschl), Egho

Gelb-Rote Karte: Egho (45./wiederholtes Foulspiel)

Gelbe Karte: Brandner

Büskens: "Ich lasse eine gewisse Nachsicht walten"

Mike Büskens (Rapid-Trainer): "Wir haben uns viel vorgenommen und wollten von Beginn an den Druck auf Ried hochhalten. Das ist uns gelungen mit dem frühen Tor. Dann kam eine Phase, in der wir unsauber geworden sind. Das haben wir aber schnell abstellen können und dann das 2:0 und 3:0 folgen lassen. Die Devise für die zweite Halbzeit war, auf das vierte und fünfte zu spielen. Danach ist es ruhiger geworden, da waren wir dann nicht mehr so zwingend in der gegnerischen Box. Das war aber auch den Auswechslungen geschuldet. Dibon hat sich an der Schulter verletzt, Schößwendter hatte Achillessehnenprobleme, Murg einen Schlag auf den Knöchel bekommen und ist dann auch noch umgeknickt. Da ist es verständlich, dass die Mannschaft einen Gang zurückschaltet, von da her lasse ich eine gewisse Nachsicht walten."

Christian Benbennek (Ried-Trainer): "Wir haben uns natürlich mehr vorgenommen. Im Vorfeld war immer die Rede von unserer schlechten Statistik, die wir hier in Wien haben. Wir haben eine sehr junge Mannschaft, die gut gearbeitet hat in der Vorbereitung, konnten das aber nicht mit in das Spiel reinnehmen. Rapid hat so gespielt, wie wir es erwartet haben. Wir sind nicht gut in die Zweikämpfe reingekommen, die Abstände haben nicht gepasst. Wir wollten lange die Null halten und Nadelstiche setzen - doch dann kam der frühe Rückstand. Die Mannschaft war auch nervös. Nach dem 0:3 waren wir dann auch nur noch zu zehnt und haben dann gleich noch zwei serviert bekommen. Es hätten locker sieben oder acht werden können. Da muss man sich die Kritik gefallen lassen, nicht bundestauglich zu sein. Ich weiß, dass die Mannschaft viel, viel besser ist, als sie es hier gezeigt hat. Wichtig ist, dass wir nun unser Heimspiel (am kommenden Samstag gegen Sturm Graz, Anm.) gewinnen, dann können wir dieses Spiel abhaken."