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Sport | Fußball
05/26/2019

Rapid-Sportdirektor Barisic: "Ich hatte ein mulmiges Gefühl"

Zoran Barisic im KURIER-Interview: Der neue Sportdirektor über seine Rückkehr zu Rapid, Gefahren und Ziele.

Zoran Barisic verläuft sich. Das Allianz Stadion ist dem neuen Sportdirektor noch fremd. Gegen Altach (1:2) sah der Ex-Trainer erstmals ein Rapid-Pflichtspiel in der neuen Heimat. In der „Rekordmeisterbar“ angekommen, blickt der 49-Jährige noch auf sein Handy: „225 ungeöffnete Whatsapp-Nachrichten, 50 SMS, 82 Mails – war schon mehr in den letzten Tagen.“

Zoran Barisic nimmt sich Zeit für ein KURIER-Interview – und ist dabei so offen wie vor seinem Abgang 2016.

KURIER: Wo liegen in der ersten Woche Ihre Prioritäten?

Zoran Barisic: Ganz klar bei der Kampfmannschaft und ihrer Zukunft. Ich arbeite da sehr eng mit Trainer Didi Kühbauer zusammen. Ein Termin jagt den anderen, ich will dabei aber auch meinen Blick für das Gesamte behalten.

Sie mussten 2016 knapp vor der Stadioneröffnung gehen. Mit welchem Gefühl sind Sie jetzt ins Stadion gekommen?

Offen gestanden: Ich hatte am Anfang ein mulmiges Gefühl. Das Allianz Stadion ist im Vergleich zum Hanappi so groß. Auch Rapid ist größer geworden seit 2016, es hat sich hier sehr viel getan.

Haben Sie sich bei internationalen Klubs schlau gemacht?

Ja, bei einigen, aber nur bei solchen, wo Vergleiche zu Rapid gezogen werden können. Es hätte keinen Sinn, bei Chelsea oder Manchester United zu hospitieren. Bei Rapid gibt es eine Struktur, es ist aber auch learning by doing, weil es für mich ganz neu ist. Ich habe in dieser Aufgabe noch viel zu lernen.

Vorgänger Bickel hat zugesichert, auch in den nächsten Tagen zu helfen. Was können Sie eigentlich besser machen als er?

Das ist seine sehr böse Frage, auf die ich nicht eingehen werde. Nur so viel: Ich habe größten Respekt vor Fredy Bickel, seiner Erfahrung und seinem Erfolg bei verschiedenen Klubs. Und als Mensch halte ich von Fredy sehr, sehr, sehr viel.

Für Bickel ist das größte Problem bei Rapid die fehlende Kontinuität auf allen Ebenen. Stimmt das?

Wir wollten damals, bis 2016, Kontinuität schaffen durch eine Struktur, die auch zu Rapid passt. Daran haben wir lange gearbeitet, aber man muss auch daran denken, dass durch das neue Stadion eine Euphorie und dadurch ein unnatürlicher Druck entstanden ist. Dem hat der Verein damals nicht stand gehalten.

Ist die zu hohe Erwartungshaltung ein chronisches Problem bei Rapid?

Ich musste beim Start 2013 mit Jungen spielen, ich wollte das aber auch. Weil wir so schnell in der Entwicklung waren, hat dann nur mehr ein Titel gezählt. Das haben wir nicht geschafft. Und deswegen wurden Schritte in eine andere Richtung gesetzt.

Was können Sie tun, damit der Unfall Rapid in der Quali-Gruppe nicht wieder passiert?

Leider spiele ich selbst nicht, sonst wäre das nicht passiert (grinst). Was ich sagen will: es sind die Fußballer, die spielen. Meine Aufgabe ist, dass wir gemeinsam eine Mannschaft zusammen stellen, mit der das nicht mehr passiert. Das hatte sehr viel mit dem Europacup zu tun, und damit, dass im Sommer 2018 viele Spieler verletzt oder ohne Spielrhythmus dazu gekommen sind.

Robin Dutt wollte nach einem Jahr als DFB-Sportdirektor wieder Trainer sein. Können Sie das für sich ausschließen?

Ich bin tagelang zuhause gesessen und habe mir eine Plus-Minus-Liste gemacht. Dann ist meine Entscheidung gefallen: Ich ziehe das durch. Es gibt Beispiele wie Rangnick oder den großartigen Peter Stöger, die beides mit Erfolg gemacht haben. Was in drei Jahren passiert, kann ich jetzt nicht sagen.

Können Sie als Ex-Trainer dem Training von Didi Kühbauer ganz ruhig zuschauen?

Es ist mein Vorteil, auch als Trainer beobachten zu können. Ich darf noch als Trainer denken, aber nicht mehr so handeln. Es gibt beidseitiges Feedback, aber Didi hat alle Kompetenzen und meine volle Unterstützung.

Sind Sie in der ersten Woche schon zusammen gekracht?

Nein, natürlich nicht. Wenn es passieren sollte – wie der Didi es angekündigt hat – dann unter vier Augen in geschlossenen Räumen. Das Wichtigste ist, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Glaubt mir: Es wird niemandem etwas passieren.

Wie wollen Sie Ihre fehlende Erfahrung ausgleichen?

Indem ich viele Erfahrungen sammle (lacht). Ich bin bereit zu lernen, zu arbeiten, war immer bereit, über den Tellerrand eines Trainers hinauszublicken und bringe den nötigen Fleiß auf.

Sie haben einmal gemeint „Rapid muss immer“. Wie kann man das verändern in ein „Rapid kann immer“?

Damals war die Euphorie groß. Da wurde nach einem 4:1 im Derby diskutiert, ob nicht noch mehr ginge. Jetzt müssen alle an einem Strang ziehen, damit Rapid kann. Damit meine ich von Mitarbeitern über den Spielern bis zu den Fans alle: Wir müssen jetzt zurück zu den Basics, um wieder eine richtig starke Gemeinschaft zu werden.

Genau das hat auch Kühbauer im ersten KURIER-Interview als Rapid-Trainer gemeint.

Na, dann gehen wir ja konform (lacht).

Haben Sie es so empfunden, dass Präsident Krammer mit Ihrer Rückkehr seinen Fehler von 2016 ausbessern wollte?

Nein, wir hatten uns ja schon ausgesprochen. Nach vielen Gesprächen – ich musste ja nicht nur Krammer überzeugen – hat mich Rapid mit dem Präsidenten an der Spitze als bestmögliche Besetzung gesehen.

Vor welchen Fehlern kann man sich hüten, wenn man Rapid so gut kennt wie Sie?

Das ist eine super Frage (denkt lange nach). Ich antworte mit einer Gegenfrage: Jeder Mensch macht Fehler – warum sollten nicht auch Menschen bei Rapid Fehler machen? Wichtig ist nur, daraus zu lernen.

Was können Sie gar nicht leiden?

Es darf nie an Teamfähigkeit, Respekt und Wertschätzung fehlen. Ich bin hart in der Sache, will dabei aber immer menschlich bleiben.

Warum ist Rapid so kompliziert?

Wegen der Emotion. Rapid hat die meisten Fans, quer durch alle Schichten. Jeder Gegner tut alles, um uns ein Haxl zu stellen. Rapid ist der Verein mit den meisten Erfolgen, deswegen ist die Erwartungshaltung auch so. Rapid ist pure Emotion.

Für Außenstehende sind die Fans Teil des Problems. Wie gehen Sie mit dem Thema um?

Die Masse macht es aus. Je mehr es sind, umso wahrscheinlicher, dass jemand dabei ist, der Probleme macht. Wichtig für Rapid ist, mit führenden Fan-Vertretern zu kommunizieren und im Austausch zu bleiben. Dabei wollen wir Rapid-Werte vermitteln. Da gehört Respekt dazu.

Welche Rolle dürfen die Fans spielen?

Sie sollen glücklich sein, auch mal traurig, aber nie die Hoffnung verlieren. Sie sollen der Mannschaft Kraft und Energie übermitteln. Aber eines dürfen sie nicht: Aufstellen!