Harte Rapidler? „Wir wurden jahrelang umgeholzt und es hat keiner was dabei gefunden“, entgegnet Christopher Dibon.

© DIENER / Philipp Schalber/DIENER / Philipp Schalber

Sport Fußball
12/14/2019

Rapid-Routinier Dibon: "Ich will wissen, wohin es geht"

Christopher Dibon spricht im Interview über einen neuen Vertrag, Mentalität und die Jungen.

von Alexander Huber

Christopher Dibon wurde bei der Admira groß und ist bei Rapid nach vielen Verletzungen als Abwehrchef noch stärker zurückgekommen. Vor dem Duell mit seinem Ex-Klub in der Südstadt gewährt der 29-Jährige Einblicke.

KURIER: Gegen die Admira steht der Jahresabschluss an. Ihr Gegenspieler Sinan Bakis hat von den insgesamt nur 17 Admira-Toren gleich 10 geschossen. Was erwarten Sie gegen Ihren Ex-Klub?

Christopher Dibon: Die Admira hat seit dem Trainerwechsel defensiv Stabilität und mit Bakis einen Stürmer, der knipst. Ich habe so viele Jahre bei der Admira verbracht. Ich freue mich, wenn sie punkten – aber nicht gegen uns.

Sie haben alle Spiele von Beginn an bestritten. Hätten Sie sich das als jahrelanger Pechvogel vorstellen können?

Ich habe mit der Hüft-OP im Sommer 2017 ein Jahr ohne Spiele und mit viel Arbeit in Kauf genommen. In mir steckt der Wunsch, dass die Leute nicht mehr an meine Verletzungen denken. Das soll raus aus den Köpfen.

Hat diese Operation Ihre Karriere gerettet?

Auf jeden Fall. Es ist sehr wahrscheinlich, dass meine vielen Verletzungen durch die Probleme in der Hüfte entstanden sind. Durch Zoki Barisic ist der Kontakt zu einem Experten entstanden, der mich dann operiert hat.

Haben Sie sonst noch etwas geändert?

Meine Frau lebt seit einem Jahr vegan, da esse ich mit und schau darauf, dass ich weniger tierische Produkte zu mir nehme. Und ich habe mit Yoga begonnen, um geschmeidiger zu werden.

Sie sind ein echter Experte: Warum hat Rapid schon wieder so viele Verletzte?

Da gibt es unterschiedliche Gründe, teilweise ist es Pech. Bei der Trainingssteuerung arbeiten wir mittlerweile sehr exakt. Was bleibt ist, dass es schon etwas Anderes ist, für Rapid zu spielen.

Wie meinen Sie das?

Gegen uns geben alle noch ein Eitzerl mehr. Du spürst immer den Druck – das wirkt sich auch auf die Psyche aus. Damit umzugehen, muss man auch lernen.

Sie gelten intern als Lautsprecher. Wird es auch für Kapitän Stefan Schwab leichter, wenn Sie als Vizekapitän einsatzfähig sind?

Stefan Schwab ist die letzten Wochen auf dem Feld brutal vorausgegangen. Das ist der Schwabi, den Rapid braucht. Ich habe versucht, ihm abseits des Platzes einiges abzunehmen. Ich bin nicht auf den Mund gefallen, sage meine Meinung. Ich bringe intern auch Feuer rein. Und öffentlich möchte ich auch etwas klarstellen.

Und zwar?

Wir wurden jahrelang umgeholzt und es hat keiner was dabei gefunden. Heuer spielen wir selbst intensiver und plötzlich wird von allen gemeinsam dieses Bild erzeugt, dass es in Hütteldorf so arg wäre. Das wird von Gegnern ausgenutzt, um Schiedsrichter zu beeinflussen.

Sie hatten im Sommer 2018 in einem Interview mit dem KURIER wohl ein Vorahnung und forderten, dass alle mehr an sich arbeiten sollten. Was hat sich seither bei Rapid verändert?

Diese Mentalität, um etwas zu drehen, um wie im Derby ein Feuerwerk in Hälfte zwei zu zünden – das ist neu. Wir trainieren mehr und haben in diesem Bereich einen deutlichen Schritt gemacht, auch wenn da noch mehr gehen muss.

Sind auch mehr „echte Rapidler“ im Kader?

Unser Trainer ist mit Leib und Seele Rapidler. Er lebt das, hat gute Menschenkenntnis und auch ein Händchen dafür, welche Typen uns weiterhelfen.

Wie verändern die vielen Talente das Gefüge im Kader?

Es war wichtig, dass ohne Europacup der Kader verkleinert wird, sonst hast du zu viele unzufriedene Gesichter in der Kabine. Alle Jungen haben entsprochen, aber noch wichtiger ist, dass sie jetzt nicht zufrieden werden. Es geht um den nächsten Schritt: Man muss dafür arbeiten, bei Rapid eine Größe zu werden. Das Zeug dafür haben sie alle.

Ihr Vertrag läuft aus. Werden Sie bald verlängern?

Ich spiele irrsinnig gerne bei Rapid. Ich weiß, was ich am Verein habe und ich denke, das ist auch umgekehrt so. Ich glaube, dass beide Seiten mit einer guten Lösung zueinanderfinden werden.

Was ist Ihnen außer einem passenden Gehalt noch wichtig vor der Unterschrift?

Ich möchte wissen, wohin es geht. Als ich 2014 zu Rapid gekommen bin, haben wir mit Zoki einen sehr spannenden und erfolgreichen Weg verfolgt. Leider ist man davon abgekommen, das hängt uns immer noch etwas nach. Aber jetzt macht die Entwicklung wieder Spaß. Wir sehen, dass etwas weitergeht.

Auch Stefan Schwabs Vertrag läuft aus. Fürchten Sie, dass er geht?

Schwabi macht einen irrsinnig guten Job für uns. Er hat sicher auch andere Möglichkeiten, er könnte also im Sommer weg sein. Ich glaube aber, dass unser gemeinsamer Weg noch nicht zu Ende ist. Wir haben auch viel gelernt.

Was meinen Sie?

Wir hatten schwierige Jahre. Da durchzugehen, macht einen stärker. Es geht ja nicht nur um Fußball, sondern auch darum, fürs spätere Leben etwas mitzunehmen.

Wie groß sollten die Ziele bei Rapid sein?

Salzburg macht das richtig gut. Deswegen heißt es: Bescheiden bleiben, arbeiten, arbeiten, arbeiten. Und wenn wir uns herangepirscht haben, müssen wir da sein, wenn es bei Salzburg einmal nicht so läuft.