Sport | Fußball
19.07.2018

Christopher Dibon: „Ich bin zu jung zum Aufhören“

Ein Jahr Zwangspause musste Christopher Dibon einlegen, nun freut er sich auf seine Rückkehr in die Rapid-Abwehr.

Christopher Dibon ist ein Kämpfer – auf dem Spielfeld und erst Recht in der Rehabilitation. Nach einer schweren Hüftoperation („Impingement“) und fast einem Jahr Pause steht der Rapid-Verteidiger vor einem Comeback. In der ersten Cup-Runde am Freitag bei Regionalligist Kufstein (20.20 Uhr, ORF Sport +) wird Dibon aber noch nicht eingesetzt, da er nach einer kurzen Auszeit erst nächste Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen wird. Sein Körper muss sich nach der langen Pause erst an die Belastungen gewöhnen. Im KURIER spricht der 27-Jährige über seinen Leidensweg.

KURIER: Wie hart war Ihr Weg zurück?

Christopher Dibon: Wenn du ein paar Wochen nach der OP merkst, wie weit du weg bist, fällst du schon in ein Loch. Aber mit dem Licht am Ende des Tunnels, das dann schön langsam sichtbar wird, geht es auch wieder aufwärts. Ich habe keine Angst und bin überzeugt von mir. Das größte Ziel ist jetzt, dass ich wirklich gesund bleibe.

Gibt es Momente, in denen Sie zögern?

Ich habe das bald getestet: Kann ich voll reingehen? Zwei Monate auf Halbgas mitzutun, das würde ich nicht aushalten. Das Schwierigste ist, die richtig intensiven Momente mit Ball auszuhalten. Das kann man nur auf dem Platz trainieren.

Im Frühjahr hatten Sie nach dem Comeback bei Rapid II einen Sehnenabriss. War die zweite Verletzung noch schwerer zu verarbeiten?

Ja, weil nach der ersten OP alle begeistert waren, so gut ist es gelaufen. Beim Comeback hat mich der Trainer gebremst, aber ich war nicht so gescheit und wollte unbedingt. Da ist die Belastung für die Hüfte zu groß geworden. Damit war klar, dass ich eine ganze Saison verliere.

Ist es eine Vermutung, dass die vielen früheren Verletzungen mit der Hüfte zu tun hatten, oder ist das abgesichert?

Ich war bei einem Spezialisten, der einen großartigen Job gemacht hat. Ich hatte einen Engpass in der Hüfte und deswegen den Körper an anderen Stellen unpassend belastet – fast alle Verletzungen passierten deswegen auf meiner linken Seite.

War das Karriereende in Ihrem Kopf drinnen?

Ganz hinten drinnen schon. Aber ich habe das nie ernsthaft geglaubt. Mein Blick war schnell nach vorne gerichtet – ich bin zu jung zum Aufhören. Ein paar Jahre will ich schon noch auf hohem Niveau Rapid helfen und Titel gewinnen.

Hat sich die Bedeutung von Fußball für Sie verändert?

Es gab schon riesige Erfolge und Enttäuschungen auf dem Fußballplatz, aber die Gesundheit ist das Allerwichtigste. Das steht für mich und meine Familie auch an erster Stelle.

Und wenn es wirklich schiefgegangen wäre, würden Sie Videoanalyst werden, oder?

Ich habe mich damit abgelenkt, sehr viel gelernt und eine andere Sichtweise bekommen. Das ist schon etwas anderes, als auf der Tribüne zu sitzen und einfach gescheit daherzureden.

Apropos gescheit daherreden: Was waren denn wirklich die Probleme von Rapid in der vergangenen Saison?

Wir haben in fast jedem Spiel eine richtig starke Hälfte abgeliefert. Aber selten den Sack zugemacht und oft auch den Punch vermissen lassen. Da geht es um den körperlichen Bereich: Jeder Spieler muss sich da selbst an der Nase nehmen!

Was meinen Sie genau?

Wenn ich erkenne, dass ich in gewissen Bereichen Rückstände habe, muss ich bereit sein, noch mehr zu machen. Auch die Jungen müssen schlau sein und früh erkennen: Was fehlt mir noch?

Stefan Schwab hat Sie als Vizekapitän vermisst, weil er nicht der Mann der scharfen Worte ist. Hauen Sie gerne auf den Tisch?

So bin ich, ich kann einfach nicht verlieren. Nicht einmal daheim beim Jolly-Spielen mit meiner Frau. Wenn ich nur auf der Tribüne sitze, kann ich aber schwer etwas einfordern. Jetzt sage ich allen klar, was ich denke. Beim Schwabi wusste ich durch unsere Freundschaft aber ohnehin, dass ich ihm alles sagen kann.

Und zwar?

„Du musst gut sein, dann ist es auch als Kapitän viel leichter.“ Im Frühjahr hat er dann gezeigt, wie gut er wirklich ist – und gleichzeitig ist er als Kapitän gewachsen.

Ist es ungewohnt, dass Steffen Hofmann nicht mehr da ist?

Er geistert eh die ganze Zeit im Stadion herum (schmunzelt). Es ist schön, dass er oft in die Kabine kommt, auch wenn es für ihn schwierig ist. Er wird dem Verein noch viel geben. Ich habe gleich seinen Platz in der Kabine übernommen und hoffe, dass nach der schwarzen Serie der Fußballgott seine schützenden Hände über mich hält (lacht).

Auch Philipp Schobesberger ist an der Hüfte schwer verletzt. Fühlen Sie mit ihm?

Ich war mit ihm auf Urlaub und habe bei unseren Läufen gemerkt, dass das nicht gesund ausschaut. Das tut weh, weil er nach seinen Problemen eine ganze Vorbereitung ohne Rückschlag sehr gut hätte brauchen können. Aber er wird schneller zurück sein als ich.

Im Frühjahr wurde er viel kritisiert. Ist er durch seine Hüftprobleme rehabilitiert?

Er konnte nie auf 100 Prozent kommen, gegen Saisonende war die Substanz aufgebraucht. Nach der vollen Vorbereitung wäre er wieder der Alte gewesen. Und so einen Typ, der anders ist als alle anderen, brauchen wir.